Miriam Dornemann – Tolle Taschen selbst genäht

Tolle Modelle, zu kurze Anleitungen

Tolle Taschen selbstgenähtZum Inhalt: Fast jede Frau kennt das: man sieht eine tolle Tasche und muss sie einfach haben. Doch beim genauen Hinsehen stellt man fest, sie ist viel zu teuer oder hat einfach nicht die richtige Farbe oder Größe. Dieses Problem ist nun definitiv gelöst.
Ob es Handtaschen, Henkeltaschen, Clutchbags, Schultertaschen, Shopper oder Strandtaschen sind – all diese verschiedenen Formen und Größen von Handtaschen lassen sich problemlos mit den tollen Anleitungen in diesem Buch nacharbeiten. Die ganz persönliche Lieblingstasche wird mithilfe von Schnittmustern in Originalgröße und genauen Anleitungen ganz einfach individuell selbst genäht. (Quelle)

Meine Meinung: Ich bin so der Typ Frau, der gern farblich alles aufeinander abgestimmt trägt. Da wäre es natürlich schön, wenn das Farbkonzept des Outfits sich auch auf die Tasche übertragen lässt. Und das geht eigentlich nur, wenn man sie selbst näht. Als ich das Buch gesehen habe, dachte ich mir also, das wäre doch etwas für mich. Ich habe zwar nicht sehr viel Erfahrung an der Nähmaschine (habe zuletzt vor allem Patchwork-/Quiltarbeiten gemacht), aber zum Glück bin ich mit viel Geschick und Intuituion, was das Handarbeiten betrifft ausgestattet und so habe ich noch immer das hinbekommen, was ich hinbekommen wollte. Nun sollte es also eine Tasche sein!
Als ich das Buch bekam, war ich zuerst einmal sehr erstaunt darüber, was für tolle Modelle dort abgebildet waren. Es war ein echter Augenschmaus sich die Taschen anzusehen. Die sahen ausnahmslos nicht aus wie selbst gemacht – was man ja manchmal auch mit billig assoziert – sondern wirklich perfekt, wie gekauft. Das liegt auch daran, dass nicht mit Schnallen und Aufsatztaschen gespart wurde. Das Buch ist in vier Abschnitte unterteilt, da findet wirklich jeder die passende Tasche für sich: Im ersten sind Anleitungen zu Handtaschen zu finden, im zweiten Beutel und große Taschen und im dritten kleine Täschchen. Dabei sind zunächst alle Taschen schön präsentiert und anschließend sind alle Anleitungen hintereinander abgedruck. Im vierten Teil werden dann grundlegende Anleitungen und Beschreibungen der Materialien geliefert, die man zum Anfertigen der eigenen Tasche benötigt. Beim Durchschauen hätte ich am liebsten gleich alle gemacht, aber ich musste mich für ein Startobjekt entscheiden und es ist das Modell “Charlotte” geworden, eines von den kleinen Täschchen. Zum einen hatte dies nur Schwierigkeits Grad 2, die Anleitung klang beim ersten Durchlesen recht schlicht und einfach und zum anderen braucht man als Lehrerin immer eine Tasche für Stifte.
Beim zweiten Durchlesen – also beim eigentlichen Produktionsvorgang – ist mir sehr schnell eines klar geworden: Die Anleitungen sind sehr, sehr kurz gehalten! Dadurch kamen bei mir einige Fragen auf, da ich nicht so recht wusste, was ich nun en detail machen sollte. Hier seien nun einige Beispiele genannt:

  • Federtasche Charlotte (2)Die Tasche hat einen Innen- und einen Außenstoff, beim Außenstoff ist noch eine Vlieseinlage angebügelt. Alle drei Teile soll man nach Schnittmuster zuschneiden, die Stoffe mit -, das Vlies ohne Nahtzugabe. Wenn man nun den Reißverschluss einnähnen möchte, soll man 1,5cm umschlagen, doch da bin ich schon beim Vlies und wenn ich das nähe, wird die Naht zu dick. Also habe ich es nicht gemacht mit dem Resultat, dass sich die Oberseite nun wölbt, was für den nächsten Schritt hinderlich war. Hier wären datailierte Beschreibungen sehr hilfreich gewesen.
  • Außerdem sollte ich einen 30cm Reißverschluss verwenden. Dieser ist aber ca. 3cm zu lang für das Stoffteil, das ich nach Schnittmuster ausgeschnitten habe. Hier wäre es schön gewesen ein paar Worte darüber zu verlieren, wie man mit einem zu langen Reißverschluss umgeht. Das ich das letzte Mal einen einnähen musste, ist Jahre her. Auch hätte erwähnt werden können, dass es spezielle Füßchen für die Nähmaschine gibt, um Reißverschlüsse einzunähen.
  • Dann verlagt die Anleitung mit dem Inneteil genauso zu verfahren wie mit dem Außenteil. Das ist aber schon einmal gar nicht möglich, weil der Innenteil keinen Reißverschluss hat. Die Anleitung sagt nur man solle “eine Lücke lassen” wie genau wird ausgespart.

Federtasche CharlotteDas da dennoch ein hübsches Täschen dabei herausgekommen ist, ist ein kleines Wunder, denn zwischendurch war ich echt frustiert und hätte die ganze Sache am liebsten aus dem Fenster geworfen. Doch dann hat mich zum einen der Ergeiz gepackt, zum anderen wollte ich den schönen (und teuren) Stoff nicht verschwenden.

Gut gefallen hat mir allerdings das letzte Kapitel. Zwar ist es doof, zwischendurch bei einer Anleitung auf eine andere Seite verwiesen zu werden, doch so muss nicht bei jeder Anleitung dasselbe stehen. Was mir daran allerdings nicht gefallen hat, ist z.B. die Tatsache, dass als Material Vlieseinlage angegeben ist mit dem Verweis auf eine Seite, die alle Vlieseinlagen erläutert. Angegeben ist beim Material (zumindest bei meiner Tasche) nicht, WELCHE ich davon von den vorgestellten nun besorgen soll. Schön sind allerdings die Ideen zur Dekoration der Taschen nebst Anleitung.

Fazit: Das Buch hat ein gelungens Layout und die abgebildeten Modelle sind durchweg sehr gelungen und somit ist für jeden Geschmack etwas dabei. Beim genauen Durchlesen während des Arbeitens ist jedoch sehr schnell aufgefallen, dass die Anleitungen extrem kurz gehalten sind und man daher entweder einiges an Erfahrung beim Nähen mitbringen sollte oder über ausreichend Intuition oder Improvisationstalent verfügen sollte. Meiner Einschätzung nach und ich gehöre eher in die Kategorie Intuition und Improvisation ist dieses Buch nicht geeigent für Anfänger. Nicht, dass das Buch nur zu schwere Modelle bietet, nein, nur die Anleitung sind zu kurz. Allein mein Fazit hat mehr Wörter als manche Anleitung! Da ein Handarbeitsbuch jedoch mit der Umsetzbarkeit der Anleitung steht und fällt und nicht nur mit der Auswahl an Modellen, muss ich sagen, dass ich von diesem Buch enttäuscht bin. Ich werde es mal meiner Mutter leihen, mal sehen, wie sie damit klarkommt.
Wer also vom Nähen Ahnung hat und Anregungen zum Anfertigen schicker, praktischer und individueller Taschen sucht, wird hiermit einen Volltreffer landen, denn manche Taschen sind einfach nur der Hammer. Wer allerdings noch viel Anleitung sucht, schenkt Buch und Material vielleicht lieber einer begabten Freundin. Ich für meinen Teil habe erst einmal keine Lust mehr eine Tasche zu nähen – obwohl meine Stiftetasche eigentlich ganz gut geworden ist, oder?

Bewertung_06_hBuchdaten: Tolle taschen selbstgenäht – Miriam Dornemann
Genre: Sachbuch/Handarbeiten
Hardcover
112 Seiten
TOPP aus dem Frechverlag
14. Auflage von 2013
ISBN:  9783772467349
Preis: 14,99€
>>klick<< zum Bestellen

Dieses Buch wurde uns freundlicherweise von TOPP-Kreativ vom Frechverlag via Blogg dein Buch als Rezensionsexemplar zugestellt. Vielen Dank!

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9 Gedanken zu “Miriam Dornemann – Tolle Taschen selbst genäht

  1. Die Stiftetasche ist wirklich schön geworden :)
    Das Buch klingt an sich auch toll, ich merke es mir direkt als Geburtstagsgeschenk für meine Schwester vor. Sie liebt Taschen über alles und sucht immer mal wieder neue Anregungen und Schnitte. Und da sie eine Ausbildung zur Damenschneiderin hinter sich hat sollten die kurzen Anleitungen hoffentlich nicht stören! Ich selbst habe leider zwei linke Hände was Handarbeiten betrifft und deshalb auch noch nie an einer Nähmaschine gesessen… Was ich manchmal sehr schade finde, wenn ich all die tollen Bücher mit Nähideen sehe. Mit meiner fehlenden Geduld sollte ich es aber besser auch gar nicht erst versuchen ;)

    • Dann ist das Buch für deine Schwester bestimmt Genau das richtige Geschenk. Die Modelle sind nämlich wirklich schön! Und duhast bestimmt auch etwas davon! ;-)

  2. Ich hab ebenfalls ein Buch aus der Reihe: Häkeln selbst beibringen. Oder so ähnlich. Und da habe ich dasselbe Problem: Super gemacht, tolle Beispiele und Modelle, aber die Anleitungen sind wirklich zu kurz. Wenn man die Technik des Häkelns nicht versteht – obwohl das Buch das beibringen will – ist es doof. Aber ansonsten ist es eine tolle Reihe.

    • Stimmt, wenn es ein Buch ist, mit dem man lernen soll ist es wirklich blöd. Dieses hier hat den Anspruch aber nicht: nur schöne Modelle und passende Schnittmuster.
      Häkeln kann ich schon seit der Grundschule, aber das Granny Squares Buch (vom letzten Weihnachts-Wichteln) von Topp, das ich habe, konnte mich in meiner Häkelkunst noch sehr weiterbringen!

  3. Das Buch besitzt meine Mutter auch und so darf ich das Titelmodell mein eigen nennen. Das ist auch sehr schön von der Aufteilung etc. Wenn ich mich recht erinneer, war sie aber auch kurz vor’m Verzweifeln und das, obwohl sie täglich an der Nähmaschine sitzt und dort entweder Kleidung oder Patchwork näht… HInzu kommt ja auch, dass gerade diese ganzen netten Schnallen etc. relativ teuer sind und man ohne Probleme eine Menge Geld in eine Tasche investieren kann.

    • Na wenn deine Mutter schon am Verzweifeln war, dann brauche ich mich ja nicht zu schämen, ich weiß ja, was sie kann! :-)
      Mir persönlich wäre es egal, wenn man für Schnallen etc. etwas mehr ausgeben müsste, wenn ich doch nur wüsste, wo man sie bekommen kann. In dem Stoff-/Wollladen in Hunde, bei dem ich immer kaufe hatten die z.B. nur hässliche Teile…

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