Andreas Gößling – Der Ruf der Schlange

Schwere Kost

Zum Inhalt: Samu Rabov, königlicher Agent für mysteriöse Todesfälle, hat einen neuen Fall: Eine junge Frau wird ermordet aufgefunden. Es ist eindeutig Magie am Werke, doch seine Vorgesetzten würden dies am liebsten vertuschen um keine Panik aufkommen zu lassen. So ermittelt er unter erschwerten Bedingungen und immer neue Fälle treten auf. Unter anderem fehlt einem Opfer das Rückgrat und eine Schlange flieht vom Tatort. Ohnehin tauchen überall neue Schlangenkulte auf und verunsichern die Bevölkerung. Die Spuren führen zum archäologischen Institut und zu Naxoda, eine versunkene Stadt im Nebelwald Moliat. Kann Rabov die Morde aufklären bevor in der Stadt Panik ausbricht oder gar die zweite große Flut als Strafe für den Bau der sich selbst bewegenden Maschinen?

Meine Meinung: Bei diesem Buch ist wirklich alles erdacht: Die komplette Welt, Flora sowie Fauna, Namen, Religionen, Wissenschaft und die Magie. Dies ist für ein Fantasy-Buch eigentlich nichts Neues, jedoch hat der Autor es nicht geschafft die eben genannten Punkte so zu beschreiben, dass man sie sich auch vorstellen kann: Ich habe schon sehr viele Fantasy-Bücher gelesen und liebe dies Genre wirklich sehr, doch werden hier nur Namen genannt von den verschiedenen Schlangen-, Pflanzen- und Tierarten ohne dass es mir möglich war eine Analogie zur „richtigen Welt“  zu finden und mir die Wesen so gut vorstellen zu können und auf nähere Beschreibungen hat der Autor verzichtet. Was dies betrifft fehlt eindeutig die Tiefe, die einem solchen Fantasy-Buch auch eine atmosphärische Dichte ermöglicht. Der Autor hat in dem Bereich viel Potential verschenkt. Dabei liegt dem Buch sowohl eine Land- als auch eine Stadtkarte bei, die es dem Leser ermöglichen sich zumindest geographisch stets orientieren zu können.
Im Prinzip ist dieses Buch eine Kriminalgeschichte in Fantasyumkleidung, doch auch die Ermittlungen des Mysto-Agenten Rabov ist flach geblieben. Vor allem fehlt dem die Spannung: Die Vergangenheit Rabovs wird meiner Meinung nach zu früh enthüllt und ist zudem belanglos. Zwischendurch erlebt er eine heikle Situation, die jedoch nicht näher beschrieben, sondern nur angedeutet wird, um hinterher in einer Situation ausführlich erzählt zu werden, die der eigentlich spannenden Situation die Spannung raubt. Ähnlich ist dies auch im „großen Finale“: Der Held steckt in der Klemme und nun wird erst einmal eine Szene aus der Vergangenheit langatmig erzählt, damit der Leser das Finale, das eigentlich schon begonnen hat, verstehen kann. Das alles ist stilistisch gesehen der reinste Müll. Zwischendurch wird außerdem noch von einer Vision geredet, die sich im Finale erfüllen soll, doch dann bricht das Buch mittendrin ab und es endet mit einer Szene, die nun so gar nicht dahin passen will.
Obwohl die Geschichte irgendwie langatmig erzählt daherkommt, ist gerade am Anfang viel zu viel Tempo in der Geschichte: Die Ereignisse überholen sich beinahe. Eigentlich wäre am Anfang eine nähere Auseinandersetzung mit dem Hauptcharakter angebracht, er stürzt jedoch von einer brenzligen Situation in die nächste. Dabei sind jedoch für den Leser so viele neue Sachen dabei, die nicht verdeutlicht werden, dass keine wirkliche Spannung aufkommen will, weil man so Vieles einfach nicht versteht. Darunter leidet wieder einmal die Atmosphäre. Für den Anfang des Buches wäre mehr Hintergrund und weniger Tempo besser gewesen. Oft musste ich beim Lesen inne halten, den Abschnitt für mich zusammenfassen und in den Gesamtzusammenhang einordnen, das den Lesefluss sehr gestört hat.
Der Schreibstil an sich ist in Ordnung, kritisieren muss ich jedoch folgendes: Der Autor verdeutlicht manche Farben sehr genau, z.B. mitternachtsblau, nur wiederholt sich dies so oft, dass es irgendwann schon wieder stört. Außerdem kommt die Frage auf, wieso so viel Wert auf die genaue Beschreibung der Farben gelegt wurde, wobei doch sonst kaum eine Beschreibung auftaucht und eh keine Atmosphäre entsteht… Negativ aufgefallen ist mir die häufige Verwendung von Klammen (und die handeln meist von Schlagen).
Der Hauptcharakter Samu Rabov ist, wenn auch das ganze Buch aus seiner Sicht beschrieben wird, nicht wirklich zu fassen. Man kann nicht nachvollziehen, wieso er manchmal so handelt und er geht leichtfertig mit seiner Magie um und stärkt so sein Dunkeldu. Gerade dieser Aspekt klingt so unlogisch. Er weiß, dass der Missbrauch seiner Magie schädlich für ihn ist und doch macht er immer wieder Gebrauch von ihr und entwickelt zudem noch Fähigkeiten, die er vorher nicht hatte. Das Ganze System der Magie ist an sich auch nicht wirklich gut zu durchschauen und gut durchdacht.
Des Weiteren steht Robov bei seinen Ermittlungen allein da: Jeder arbeitet irgendwie gegen ihn und er weiß nicht, wem er trauen kann und wem nicht. Dies frustriert nicht nur den Charakter, sondern auch den Leser. An kaum einer Stelle kann man sich mit Rabov freuen, denn selbst sein Findelkind bereitet ihm nur Ärger.

Fazit: Das Buch ist trotz hohem Tempo langatmig und aufgrund des Schreibstils unspannend. Die Welt und ihre Bewohner sind unzureichend beschrieben, so dass das Nachvollziehen und Vorstellen sehr schwer fällt und keine Atmosphäre vermittelt wird. Dennoch ist die Idee des Buchs gut. Die Story hebt sich deutlich von allen anderen ab, die ich bisher gelesen habe, was vor allem an der starken Hervorhebung der Schlangen liegt. Die Aufmachung und das Layout des Buches sind wirklich einsame Spitze. Normalerweise hätte ich ein anderes Buch dieses Genres und der Länge in einem Drittel der Zeit gelesen und dies sagt eigentlich auch schon alles.

Buchdaten:  Der Ruf der Schlange – Andreas Gößling
Genre: Fantasy
Gebunden mit Schutzumschlag
526 Seiten
Klett-Cotta
Erschienen: August 2010
ISBN-10:3608938753
Preis: 22,95€

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