Brom – Der Kinderdieb

Wie in einem Film von Tim Burton

Der KinderdiebZum Inhalt: Leise wie ein Schatten streift ein merkwürdiger Junge durch die Straßen von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die dringend Hilfe brauchen. Peter rettet sie – und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch er verrät ihnen nicht, dass dieses Land im Sterben liegt und dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr …
Peter ist der Kinderdieb. Er stielt Kinder jedoch nicht einfach so, er rettet sie und macht sich so zu ihrem Heiland. So auch Nick: Nick hat arge Probleme mit einem Mieter des Hauses seiner Mutter namens Marko. Dieser hat die Bude zu einem Drogenumschlagplatz gemacht und Nick möchte nur noch fort. Als er eine Menge Drogen gestohlen hat und Markos Bande hinter ihm her ist, kommt Peter gerade richtig um ihn aus der Misere zu retten. Da er nicht weiß wo er unterkommen soll begeleitet Nick Peter anschließend in das Reich Avalon, wo kein Kind jemals erwachsen wird. Doch Avalon ist kein schöner Ort mehr, es lauern Gefahren und das Land stirbt. Schuld sind die Fleischfresser und Peter sammelt eine kleine Armee Kinder um sich, damit sie gemeinsam dem Sterben Einhalt gebieten können.

Meine Meinung: Das Buch ist definitiv anders. Der erste Eindruck war super: Das Buch enthält, neben einer ausreichend detaillierten Karte, zu Beginn jedes Kapitels eine Illustration eines im folgenden Kapitel vorgestellten Protagonisten oder einer Lokalität und darüber hinaus sogar acht farbige Abbildungen in der Mitte des Buches. Diese wurden vom überaus talentierten Autor angefertigt. Zudem finde ich das Papier überaus hochwertig. Doch beim Lesen des Buches war ich zu Anfang etwas irritiert: Die Sprache der Jungen ist geprägt von Kraftausdrücken und Flüchen gepaart mit wirklich gewalttätigen Szenen. Dafür, dass Kinder oder jüngere Teenager agieren war mir das etwas zu krass. Dies legte sich aber im Laufe des Buches teilweise bzw. bekam einen anderen Charakter. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch für Jugendliche unter 16 Jahre nicht wirklich geeignet.
Die Handlung kam auch relativ spät erst in Fahrt: Auf Seite 100 wusste ich immer noch nicht worum es wirklich gehen soll. Doch dies war taktisch eigentlich sehr geschickt gemacht von Brom, denn der Leser begleitet zu Beginn „das gestohlene Kind“ Nick, dass in die Welt von Avalon und Peters Clan (den „Teufeln“) eingeführt wird und ebenso wenig weiß. Der Anfang des Buches ist daher geprägt von zwei Perspektiven: Zum einen erleben wir Nicks Einstieg in Avalon und dessen Abenteuer und zum anderen Peters Diebstähle in New York mit eingebetteten Rückblenden über seine Vergangenheit. Dies ist ebenfalls sehr geschickt gestaltet, da Peter sich zurückerinnert werden Zusammenhänge klarer und man versteht die Figur Peter besser, z.B. warum er einen so großen Hass auf die Erwachsenen verspürt.
Gerade durch die Gewalt die oft beschrieben wird, wird schnell klar, dass Brom sich nicht den Disney Film als Vorlage für sein Werk genommen hat, sondern eher das unbereinigte Original von James M. Barrie. Doch nicht nur „Peter Pan“ diente als Vorlage, nein, Brom fand auch Inspiration bei der englischen Legende um Avalon, diese Konstellation ist wirklich interessant. Dadurch schafft es Brom mit seinem Werk eine sehr schöne und intensive Atmosphäre aufzubauen, die zwischen zauberhaft und düster variiert und gerade dieser Punkt ist es, der dieses Buch, meiner Meinung nach, so außergewöhnlich macht. Außerdem ist das Buch geprägt von Kontrasten: Peter mit seinem jungenhaften Aussehen ist mal gewalttätig und ein Mörder und dann der sich sorgende und sich kümmernde Anführer seiner ungezähmten Kinder. Der Kapitän dagegen wird erstaunlich anders dargestellt, als man es von ihm erwarten würde und diesen Eindruck erlebt man besonders intensiv, da ihm im letzten Teil des Buches sogar eine eigene Erzählperspektive eingeräumt wird und der Leser so auch die Gegenseite unverfälscht erlebt.
Mich persönlich hat gefreut, dass sogar ein schnarchender Mops erwähnt wurde, doch das ist eine andere Geschichte…

Fazit: Dieses Werk könnte eine ideale Vorlage für einen neuen Film von Tim Burton bilden, denn es hat, neben einer gewissen Skurrilität und Gewalt, eine wirklich zauberhaft gestaltete Welt mit starker Atmosphäre. Gerade diese Besonderheiten stechen derart heraus, dass die kleinen negativen Punkte (Flüche, harte Sprache und Brutalität) nicht mehr so ins Gewicht fallen, bzw. sich in das Gesamtbild einfügen. Das Buch ist sicher nichts für schwache Nerven oder jemanden der eine Disney Version von Peter Pan erwartet, doch z.B. für Freunde von Filmen im Stile Tim Burtons ist dies absolut zu empfehlen! Mir hat das Buch alles in allem sehr gut gefallen und die Illustrationen waren ein sehr schöner Bonus!

Buchdaten: Der Kinderdieb – Brom
Genre: Fantasy
Die Rezension bezeiht sich auf folgende, nicht mehr lieferbare Ausgabe:
Hardcover
664 Seiten
PAN
Erschienen: 15. Februar 2010
ISBN-10: 3426283298
Preis: 16,95€

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Charlene sagt:

    Oh, jetzt freue ich mich noch mehr, dass ich das Buch bald lesen darf 🙂

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