Stephan Serin – Föhn mich nicht zu

Die Leiden eines Referendars

Zum Inhalt: Die Leiden eines jungen Lehrers – Intelligent, ironisch, witzig! «Um permanentes Chaos im Klassenraum zu vermeiden, muss den Schülern von der ersten Minute an klar sein, wer im Unterricht der Boss ist. In meiner siebten Klasse war das Murat. Aber danach kam gleich ich, denn ich war mit Murat befreundet.» Liebevoll mal als «Bonsai», mal als «Nabelküsser» bezeichnet, versucht Stephan Serin vor seiner Klasse zu bestehen. In amüsanten Geschichten erzählt er von den täglichen Windmühlenkämpfen, seinen Schülern etwas beizubringen, und beschreibt den ganz normalen Wahnsinn in deutschen Klassenzimmern – mit viel Sprachwitz und Selbstironie. (Klappentext)

Meine Meinung: Ich habe mich riesig gefreut, als ich das Buch geschenkt bekam und habe auch sofort angefangen zu lesen. Da ich mich selbst gerade im Referendariat befinde, habe ich mir von diesem Buch einiges erhofft. Neben Geschichten, die mir zeigen, dass andere auch nicht mehr wissen als ich und es anderswo ebenso schwierig ist den Spagat zwischen Schule und Seminar hinzubekommen und nebenbei noch guten Unterricht zu planen und umzusetzen, habe ich mir vor allem erhofft durch Ironie und einiges an Humor bestens unterhalten zu werden. Der Klappentext hat einiges zur Vorfreude beigetragen.
Doch schon bald stellte sich heraus, dass das Buch alles andere als lustig ist. Die Dinge, die Stephan Serin in seinem Buch beschreibt sind dermaßen unrealistisch, dass ich schnell versucht habe, das Buch unter dem Aspekt Satire zu betrachten. Doch ich finde auch eine Satire ist dieses Buch beim besten Willen nicht. Wer solch ein Buch schreibt ist schlichtweg unreif. Am besten belege ich dies mit einem Beispiel:
Herr Serin war als Schüler ein Schleimer, Streber und Einzelgänger und stand daher bei seinen Mitschülern nicht hoch im Kurs. Die logische Konsequenz für ihn ist daher in der Schule die Streber vor diesem Schicksal zu bewahren, indem er ihnen am liebsten schlechte Noten für gute Leistungen geben wollte mit der Begründung durch diese Enttäuschung etwas für das Leben zu lernen. Da er jedoch bestenfalls eine 2 aus einer 1 machen konnte, hat er einfach die Noten für das Sozialverhalten drastisch herabgesetzt. Begründung: Er sei nicht im Stande sich an den schlechten Standart der Klasse anzupassen.
Ich finde, wer bereits solche Ideen formuliert ist gänzlich falsch im Lehrerberuf. Solche Szenen gibt es zu Hauf in Föhn mich nicht zu. Eine Szene ist unrealistischer als die andere. Und Satire ist dies eben nicht. Was möchte Herr Serin damit ausdrücken, dass er ein Berliner Gymnasium darstellt wie eine Haupt- oder Förderschule? Sicher sind Lehrer mitunter „interessante“ Persönlichkeiten, doch so wie sie in diesem Buch dargestellt sind, kann und darf es sie nirgends geben.
Spätestens jedoch als Danial Radcliffe zum Tag der offenen Tür kam um für den Fachbereich Englisch Werbung zu machen, hätte ich das Buch am liebsten an die Decke geworfen. Zum Glück waren es nur noch knapp 50 Seiten und in der Hoffnung noch über die Prüfung am Ende etwas zu lesen, hab ich mir den Rest auch noch angetan. Doch die Prüfung wurde auch nur ganz kurz abgehandelt ohne die Prüfungsstunden zu erleben.
Zu Gute halten kann man dem Buch, dass es leicht und einfach geschrieben ist und man es daher zügig durchlesen kann. Meinen Humor hat es absolut nicht getroffen. Ich kann nur hoffen, dass Herr Serin im wirklichen Leben ein ganz anderer Lehrer ist, als er sich hier im Buch verkauft. Vielleicht hätte er als Deutsch-Lehrer ein glaubwürdigeres Buch mit Humor zu Stande gebracht.

Fazit: So sehr ich mich auf dieses Buch gefreut habe, so sehr wurde ich enttäuscht. Ohne Humor schreibt Stephan Serien über eine Schule und Lehrer, die es so hoffentlich nirgendwo gibt. Ich konnte darüber nicht lachen. Ich kann dieses Buch beim besten Willen nicht weiterempfehlen.

Buchdaten: Föhn mich nicht zu – Stephan Serin
Genre: Sachbuch (laut Verlag)
Taschenbuch
255 Seiten
rororo
Erschienen: 01. September 2010
ISBN-10: 3499626705
Preis: 9,95€

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Charlene sagt:

    hervorragend! Genau meine Meinung. Ich warte erst zwei Jahre aufs Ref, bin aber in dieser Zeit als Aushilfe an Schulen tätig und dachte nur, dass dieser Mann einfach den falschen Beruf gewählt hat und maßlos übertreibt 🙂
    LG

  2. Guck doch mal auf mein Blog 😉
    Liebe Grüsse
    Dany

  3. Schade. Der Klappentext klingt so witzig. Aber gut zu wissen, dass das Buch es nicht ist, so spare ich mir die 10€. LG, Katarina 🙂

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