Frau Freitag – Chill mal, Frau Freitag!

Kann man gelesen haben – muss man aber nicht

Zum Inhalt: Frau Freitag ist Lehrerin an einer Gesamtschule in einem unbekannten Ort. Fächer: Englisch und Kunst. Sie ist darüber hinaus auch noch Klassenlehrerin einer neunten Klasse. Am liebsten sähe sie es, wenn ihre Schüler pünktlich (oder überhaupt) erschienen, ihr Material dabei hätten, den Unterricht nicht störten und am Ende der zehnten Klassen einen guten Realschulabschluss machten. Leider machen ihr die Schüler einen Strich durch die Rechnung, denn ihre Klasse ist stets kurz vor dem Sitzenbleiben und recht lebendig. Frau Freitag berichtet über ihren pädagogischen Alltag und beschreibt verrückte bis absurde Szenen innerhalb und außerhalb des Lebensraums Schule.

Meine Meinung: Frau Freitag ist eine gestandene Lehrerin. Sie hat einen Freund, den sie im Buch auch stets nur Freund nennt, als wäre dies sein Vorname und zwei Lehrerinnen-Freundinnen namens Frau Dienstag und Fräulein Krise. Diese Namensgebung stieß mir gleich auf und wirkte durch das Buch hinweg sehr platt. Hätten die Schüler in diesem Buch nicht wenigstens reale Namen gehabt, wäre ich beim Lesen wahrscheinlich verrückt geworden. Doch auch sonst ist Frau Freitag eine eher exzentrische Persönlichkeit: Sie ist Lehrerin aus Leidenschaft und weiß in den Ferien nichts mit sich anzufangen, und manchmal sitzt sie an ihrem Pult vor vorbereitetem Tafelbild und wartet auf die Schüler, die nicht kommen. Und dieses Mal nicht, weil sie zu spät sind, nein, Frau Freitag ist entgangen, dass Ferien sind.
Frau Freitag beschreibt gut anderthalb Jahre des Werdegangs ihrer Klasse. Wir erleben sie also am Ende der achten Klasse und die gesamte neun über. Stets betont sie, dass die Schüler durch die vielen Ausfälle, also Fünfen und Sechsen im Zeugnis, die Versetzung in Klasse zehn nicht schaffen werden. Das Buch endet auch mit Beginn der Sommerferien. Da kommt also der spannende Moment der Zeugnisausgabe und der Leser möchte endlich wissen, wie es ihren Schülern ergangen ist. Statt Zeugniskonferenzen beschreibt sie jedoch den Werdegang des Ausflugs zum Heidepark, der einzige wirklich lang zusammenhängende Part, der wirklich gut geschrieben und amüsant ist. Doch dann ist das Buch zu Ende und der Leser weiß nicht, ob Abdul und Samira doch noch versetzt werden konnten. Sehr schade.
Ich komme nicht umhin Chill mal, Frau Freitag mit Föhn mich nicht zu von Stephan Serin zu vergleichen, denn da ich dieses Buch kürzlich gelesen habe und maßlos enttäuscht war, war dieser Eindruck stets im Hinterkopf beim Lesen von Frau Freitag.
Doch zum Glück ist Frau Freitag nicht Herr Serin und so macht sie tatsächlich auch Unterricht. Sie berichtet auch so von sich und ihrem nicht vorhandenen Privatleben, dass es zwar überzogen wirkt, doch bei weitem nicht so unrealistisch wie bei Föhn mich nicht zu. Auch ihre Schülerklientel ist nicht die einfachste, doch sie stellt sie so dar, dass man tatsächlich meinen könnte, sie beschriebe real existierende Personen. Über ihre Anekdoten kann man schmunzeln und man fühlt sich beim Lesen unterhalten, doch bleibt das Buch relativ belanglos. Zwischendurch eingeschobene Listen und Tabellen lockern das Erzählte auf. Die Abschnitte sind sehr schön kurz gehalten und bauen in den seltensten Fällen direkt aufeinander auf, so dass sich das Buch gut für zwischendurch oder die kurzen Momente im Leben eignet.

Fazit: Das Buch weiß leider nicht zu begeistern und bleibt belanglos. Es ist überzogen, doch in einem angemessenen Maß. Das Buch weiß stellenweise zu unterhalten. Was bei mir zurückbleibt ist jedoch nicht viel, der persönliche Gewinn gleich null. Als Zweitbuch oder für zwischendurch durchaus lesbar. Kann man gelesen haben, muss man aber nicht. Doch Stephan Serin hat gezeigt, dass es immer noch schlechter geht.

Buchdaten: Chill mal, Frau Freitag – Frau Freitag
Genre: Unterhaltung
Taschenbuch
336 Seiten
Ullstein TB
Erschienen: 11. März 2011
ISBN: 9783548373997
Preis: 9,99€

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. dyabollo sagt:

    gut, dass ich darauf verzichtet habe…ich ärgere mich immer so schnell wenn ich meine Zeit mit Büchern verschwende die nicht unbedingt lesenswert sind, einfach weil es so viele gute gibt! Trotzdem kann ich nur selten eines mittendrin abbrechen :/

  2. Von dem Buch hab ich auch schon gehört. Schade, dass es nicht so gut ist.
    Mal so nebenbei, ist das nur mir aufgefallen oder häufen sich in letzter Zeit Bücher über Lehrer-Erfahrungen?
    Du hast doch letztens erst eines besprochen, das war doch auch nicht so toll. Na, wie sagt man so schön: Aller guten Dinge sind 3, also gib nicht auf 😉 LG, Katarina 🙂

  3. horrorbiene sagt:

    In der Tat ist Frau Freitag das zweite Buch über Lehrererfahrungen. Da ich gerade frisch im Referendariat bin, haben mich die beiden Bücher interessiert. Doch nach den beiden reicht es erst mal – es sei denn ich finde mal eines indem es über über Lehrererfahrungen in der Grundschule geht… oder ich schreibe selbst eins. 😉

  4. Sonnabend sagt:

    Ihr seid vermutlich keine! Lehrer! Wahrscheinlich könnt ihr deshalb über dieses Buch nicht lachen. Ich, jedenfalls,habe mich vor Lachen gebogen.
    Ich fand es wunderbar, selbsterlebte ähnliche Erlebnisse in einem befreiend humorvollen, kurzweiligen Erzählstil, gespickt mit Sprachwitz,geschildert zu bekommen. Ich fand´s toll.

  5. horrorbiene sagt:

    @Sonnabend: Naja, wir nicht, aber ich! Ich denke aber, das es verschiedene Arten von Humor auf der Welt gibt und Frau Freitag hat meinen absolut nicht getroffen. Das bedeutet ja nun nicht, dass keiner von uns Humor hat. Und Gott sei Dank gibt es auch nicht DEN einen Humor unter Lehrern, wäre ja langweilig!

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