Stephen King – Das Mädchen

Ein junges Mädchen allein im Wald – über Tage

Zum Inhalt: Um zehn Uhr sitzt Trisha noch im Auto ihrer Mutter. Um halb elf hat sie sich im Wald verirrt. Um elf Uhr versucht sie, sich nicht zu fürchten. Nicht daran zu denken, dass Leute, die sich verirren, vielleicht nie mehr zurückkehren. Hunger und Durst, Mücken und wilde Tiere, Einsamkeit und Dunkelheit – Trisha hat dem Grauen der Wälder wenig entgegenzusetzen. Und vor allem nicht dem, was sich aufgemacht hat, sie heimzusuchen … (Klappentext)

Meine Meinung: Gibt es etwas Gruseligeres als sich in jungen Jahren in einem riesigen Wald zu verlaufen und einfach über Tage lang nicht mehr herauszufinden und die Nächte einsam und verlassen nur in Gesellschaft wilder Tiere zu verbringen? Manch einer mag sagen ja. Doch nimmt man sich Das Mädchen zum Lesen mit in den Wald oder lässt sich ganz einfach auf die Geschichte ein, so würde mancher vielleicht sagen: Nein! Und deshalb hat sich auch der Meister des Grusels und Horrors einer solchen Geschichte angenommen.
Trisha ist es passiert. Sie ist in einem riesigen nordamerikanischen Wald vom Weg abgegangen und ist dummerweise nicht auf demselben Weg wieder zurück, sondern wollte eine Abkürzung nehmen. Sie erinnert sich an alte Weisheiten und schlägt sich durch den Wald. King beschreibt in gewohnt detaillierter Art Trishas Weg durch den Wald und auch ihre mentale Leistungsfähigkeit. Diese bewahrt sie sich einzig und allein dadurch, dass sie sich an der Realität festklammert: Ihre signierte Baseball-Kappe und die Spiele ihrer Red Sox mit Tom Gordon. Denn Trisha hatte ihren Walkman dabei.
Leider hat mich dieses Buch von Stehen King nicht so sehr von den Socken gehauen, wie manch anderes. Durch ihr phasenweise doch sehr erwachsenes Verhalten und der Tatsache, dass der Walkman sie abgelenkte, wenn es dunkel wurde, nahm der Geschichte ein Stück des Gruselfaktors, was ich persönlich sehr schade finde. Doch dadurch wird das Buch wieder anderen Personengruppen geöffnet. So ist es durch fehlende Brutalität und des abgespeckten Gruselfaktors doch angemessen  für ein junges Publikum. Betrachtet man das Buch aus diesem Blickwinkel ist es wirklich gut. Es ist atmosphärisch dicht geschrieben und beschreibt darüber hinaus sehr gut die Gedankenwelt eines neunjährigen Scheidungskindes.
Manch einer würde nun sagen, das ist kein typischer King. Doch den typischen King gibt es auch nicht. King hat viele Facetten und neben Fantasy und Horror gehören wie man bei diesem Buch lesen kann auch gruselige Jugendbücher dazu.
Die Neuauflage als Hardvover bei Pan gefällt mir sehr gut. Das Layout ist typisch für den Verlag sehr gut gelungen und die einzelnen Kapitelanfänge sind optisch mit einem schönen Waldmotiv hervorgehoben.

Fazit: Das Mädchen ist ein gruseliges Buch, das sich aufgrund fehlender Brutalität für jugendliche eignet. Wer einen blutigen, brutalen King erwartet wird bei diesem Buch entweder umdenken müssen oder sollte die Finger davon lassen. Mir hat es aufgrund des Detailreichtums und der atmosphärischen Dicht gut gefallen.

Buchdaten: Das Mädchen – Stephen King
Genre: Thriller
Hardcover
304 Seiten
PAN
Erschienen: 14. Februar 2011
Originaltitel: The Girl who loved Tom Gordon

ISBN: 9783426283561
Preis: 14,99€

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Friedelchen sagt:

    Dieses King-Buch hat mir bisher am wenigsten gefallen. Mir ging das ewige Baseball-Gefasel auf die Nerven und so hab ich es nach der Hälfte abgebrochen.

  2. dyabollo sagt:

    für welche Altersklasse eignet sich das Buch? Ab 10 ? oder doch für ältere???

  3. Cherry sagt:

    Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Geschmäcker sind. Ich musste mich wahrlich durch das Buch kämpfen.

  4. horrorbiene sagt:

    @Dyabollo: Ich kann das schwer einschätzen. Die Protagonistin ist 9. Doch der Unmfang des Buches und der Schreibstil sind für 10-jährigen wahrscheinlich zu schwierig. Ich würde sagen 12+, aber sicher bin ich mir das nicht.

    @Friedelchen: Sicher war dies schwer zu lesen, doch das war der Faden Realität, an den Trisha sich klammerte und daher fine ich es angemessen.

  5. Kerry sagt:

    danke für die rezi, aber ich befürchte schlimmes, ich hab das auch noch ungelesen im schrank stehen

    lg kerry

  6. Ich hab bisher viele negativ Rezensionen zu diesem Buch gelesen. Deine ist die Rezi, der ich gerne glauben möchte. Ich denke das Buch kommt bei mir erstmal auf die Warteliste… LG 🙂

  7. Tanja sagt:

    Unbedingt sollte man „Das Buch“ lesen, wenn man den Wald mit Trishas – beziehungsweise mit Kings Augen sehen möchte. Ein leises Buch, dass unter die Haut geht, wenn es wie heute am stürmen ist und der Regen gegen die Fensterläden peitscht. Ich stellte mir vor, ich sei die neunjährige Trisha. Zurückgelassen mit den Stimmen der Wildnis. Es ist dunkel. Äste knacken im Unterholz, und ich höre den Schrei eines Kauzes, das Rascheln herabgefallener Blätter…
    Ich habe Angst! Dann hörst du die lästige Stimme, die dir sagt: „Hier kommst du nicht mehr lebend raus!“ Was man nun dringend benötigt ist eine Stimme, die einen Mut macht und einen Freund. In Trishas Fall ist es eben Tom Gordon von den Red Sox. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Buch in den Staaten der absolute Renner ist.

    Die Liebe zum Baseball ist uns fremd und mit jedem Spielzug, wirkte die Geschichte auf mich zwischenzeitig ein wenig ermüdend. Als Wortliebhaberin konnte ich „Das Mädchen“ dennoch unmöglich nach hundert Seiten beenden. Auch wenn mir das Ende zu platt war, war ich nichtsdestotrotz froh darüber, dieses Buch gelesen zu haben. Ich finde eigentlich nicht, dass sich das Buch schwer lesen ließ. Im Gegenteil, denn die eindrucksvollen Schilderungen der Umgebung und die Vielfalt des Wortes, hatten mich von Beginn an fasziniert.

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