Justin Cronin – Der Übergang

Ein hartes Stück Arbeit – das am Ende belohnt wird

Der ÜbergangZum Inhalt: Bevor sie das Mädchen von Nirgendwo wurde – das Mädchen, das plötzlich auftauchte, die Erste und Letzte und Einzige, die tausend Jahre lebte – war sie nur ein kleines Mädchen aus Iowa und hieß Amy. Amy Harper Bellafonte.
Das Mädchen Amy ist gerade einmal sechs Jahre alt, als es von zwei FBI-Agenten entführt und auf ein geheimes medizinisches Versuchsgelände verschleppt wird. Man hat lange nach Amy gesucht: der optimalen Versuchsperson für ein mysteriöses Experiment, das nichts Geringeres zum Ziel hat, als Menschen unsterblich zu machen. Doch dann geht irgendetwas schief – völlig schief. Von einem Tag auf den anderen rast die Welt dem Untergang entgegen. Und nur eine kann die Menschheit vielleicht noch retten: Amy Harper Bellafonte. (Quelle)

Was bei diesem Experiment dabei herauskommt, ist ein Virus das sich durch einen Biss überträgt. Die Menschen haben Vampire erschaffen. Sehr gefährliche Vampire. Sie töten und fressen alles Lebendige, dass ihnen zwischen die Hauer gelangt, doch eins von zehn Opfern lassen sie am Leben, damit sich die Seuche verbreite. Und sie verbreitet sich rasend schnell, denn die Virals wie sie genannt werden, sind übermenschlich stark und schnell… und die Welt, wie wir sie kennen wird nie wieder so sein wie vorher…

Meine Meinung: Zu aller erst müsste vielleicht angemerkt werden, dass Der Übergang keineswegs ein Vampir-Thriller ist. Sicher ist der überlegende Gegner eine riesige Masse an animalischen Menschen-Dingern mit Vampirverhalten und –kräften, das Buch ist in erster Linie jedoch eine Dystopie. Die Menschheit ist am Ende. Der Anfang der Geschichte spielt schon in unserer Zukunft und im weiteren Verlauf des Buches und seiner Fortsetzungen wird die Zeit noch viel weiter in der Zukunft fortschreiten.
Dieses Buch ist ein wirklicher Wälzer: Über tausend Seiten und eine Seite ist eng beschrieben. Es zu lesen kam mir gerade zu Beginn vor, wie ein richtiges Stück Arbeit. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Inhalte, die im Klappentext angekündigt werden relativ lange auf sich warten lassen. Das Buch besteht aus 74 Kapiteln, die wiederum in elf größere Sinnabschnitte aufgeteilt sind. Der erste Abschnitt allein ist knapp 300 Seiten lang und beschreibt die Vorgänge bis zur Katastrophe, nach der eine neue Zeitrechnung beginnt. Weitere 60 Seiten später begegnet der Leser, den Menschen aus dem Lager der Überlebenden und erst in Abschnitt fünf Das Mädchen von Nirgendwo, der auf Seite 485 beginnt ist Amy wieder mit von der Partie und endlich hat man das Gefühl, dass das Buch endlich richtig anfängt – nach beinahe 500 Seiten. An diesem Aufbau kann man erkennen, dass die Gesamthandlung auf mehr als ein Buch aufgeteilt werden soll und dieser Band den Einstieg in diese Trilogie markiert. Ich lese eigentlich wirklich gern ausführlich ausgearbeitete und ausformulierte Plots, doch hier dachte ich zwischendurch zwar nicht ans Aufgeben, aber daran, die Trilogie sicher nicht zu Ende zu lesen. Dabei schreibt Cronin gar nicht so ausführlich, er hat nur sehr viel zu erzählen und lässt Details dabei nicht unter den Tisch fallen. Sein Schreibstil ist flüssig und wirklich gut lesbar, weshalb Der Übergang mich dann doch zum Durchhalten bewegt hat. Und siehe da: Gegen Ende wird das Buch wirklich spannend und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Meine Meinung bezüglich des Weiterlesens der Trilogie hat sich auch geändert, denn ich möchte nun doch wissen, wie es weitergeht mit den Helden der Geschichte. Doch bis man zu den Protagonisten eine Beziehung aufgebaut hatte, dauerte es leider zu lang und man wusste lange Zeit auch gar nicht, wer – außer Amy – ist einer der Hauptprotagonisten, um die es gehen soll. Und genauer betrachtet ist Amy in diesem Buch keine Hauptperson. Sicher, es dreht sich alles um sie und ihre Ankunft im Lager soll einiges ins Rollen bringen, doch meistens bleibt sie passiv und wird seitenweise kaum erwähnt, obwohl sie bei den Aktivitäten mit von der Partie ist. Im weiteren Verlauf ändert sich dies, da Amy sich verändert und das gibt Hoffnung für einen transparenteren zweiten Teil.
Die Handlung ist gut ausgearbeitet und detailverliebt und definitiv auf etwas Großes ausgelegt. Praktisch erst im Finale wird dem Leser klar, worum es in den Fortsetzungen gehen wird. Dies war der Spannung etwas undienlich, da man das Gefühl hatte, das Licht am Ende des Tunnels würde niemals kommen und dementsprechend ist die Stimmung beim Lesen: Man hat das Gefühl, man beobachtet eine Gruppe Ameisen und sieht ihnen beim Sterben zu, während sie weiter ihrer Arbeit nachgehen.
Der Fließtext ist zwischendurch durch eine Vielzahl anderer Schnipsel unterbrochen, die die Geschichte zeitweise ergänzen oder gar weiter erzählen. Zu nennen wären dabei: Tagebucheinträge, Zeitungsartikel, E-Mails und ein gesetzesähnlicher Text.
Was mich auch etwas störte, war der Titel. Sicher kam der Begriff Übergang mindestens zwei Mal in Verbindung einer Wandlungsphase der vom Virusbefallenen vor, doch dies stand in keiner Weise im Fokus des Geschehens oder markierte einen zentralen Wendepunkt. Die Frage wer von welchem Zustand in welchen anderen Übergeht ist nicht geklärt. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, dass der Übergang räumlich zu verstehen ist.

Fazit: Das Buch ist dick, der Text ist lang und bis die Hauptstory beginnt, muss man viele Seiten lesen, die die Trilogie vorbereiten. Das Buch ist kein Vampir-Thriller, sondern eine Dystopie mit viel Endzeitstimmung und wenig Hoffnung. Wenn man dies weiß und sich dennoch auf Der Übergang einlassen mag, der bekommt ein wirklich gut geschriebenes Werk, das am Ende auf jeden Fall Lust macht, die Fortsetzung zu lesen.

Buchdaten: Der Übergang – Justin Cronin
Genre: Thriller
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
1020 Seiten
Goldmann
Erschienen:
Originaltitel: The Passage

ISBN: 9783442311705
Preis: 22,95€

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Friedelchen sagt:

    Doch, ich mag mich dennoch drauf einlassen. Wenn ich mal die Zeit für diesen dicken Wälzer finde 🙂 1000 Seiten und doch nur der Auftakt zu einer Trilogie? Da hat sich aber jemand viel vorgenommen. Liebe Grüße

  2. Merle.. sagt:

    Ich war zu Anfang auch skeptisch dem Buch gegenüber. Aber einmal angefangen, konnte ich nicht mehr aufhören. Ich habe rein gar nichts an diesem Buch auszusetzen und es ist mein persönliches Highlight. Ich war so überaus traurig, als ich es zuende gelesen hatte, dass ich kaum abwarten kann, bis der zweite Teil endlich nächstes Jahr erscheint..

    Meiner Meinung nach haben Virals auch nichts mit Vampiren gemeinsam. Mit ihren vielen langen nadelartigen aneinandergereihten Zähnen und ihren scharfen Klauen, die leuchtenden Augen und die grünlich glühende Haut, deutet es doch mehr daraufhin, dass diese Wesen eine ganz eigene Spezies sind. Deshalb ist dieses Buch absolut nicht mit den üblichen Vampirromanen zu vergleichen..

    Ich könnt jetzt noch ewig so weiter schreiben, weil ich dieses Buch liebe!

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