Brandon Sanderson – Der Weg der Könige

Der Auftakt zu etwas ganz Großem

Zum Inhalt: Roschar ist eine sturmumtoste Welt. Jahrtausendelang wurde Roschar von den Herolden und ihren Strahlenden Rittern regiert, übermenschlichen Kriegern, deren magische Splitterklingen jedes Leben auslöschen konnten. Doch die Herolde sind verschwunden, und nun droht Roschar zu zerfallen.
In dieser Zeit des Untergangs begeben sich vier ganz unterschiedliche Menschen auf die Suche nach neuer Hoffnung. Dalinar, der Bruder des ermordeten Königs von Alethkar und ein alternder Krieger in einem der mächtigsten Reiche vom Roschar, wird von verstörenden Visionen aus längst vergessenen Zeiten heimgesucht.
Kaladin, ein junger Sklave, muss sein Schicksal in den Kämpfen und Stürmen des Heeres von Alethkar finden.
Schallan ist eine junge Adelige, deren Herz sich nach unerforschten Geheimnissen sehnt, deren Familie ihr jedoch einen so frevelhaften wie gefährlichen Auftrag gegeben hat.
Und schließlich Szeth, ein mysteriöser Assassine, der nicht nur den König von Alethkar ermordet hat, sondern der für noch dunklere Taten ausersehen wurde.
Alle vier erkennen nach und nach, dass die Zukunft Roschars in den Händen derer liegt, die das Geheimnis der Splitterklingen ergründen können … (Klappentext)

Meine Meinung: Mit den Sturmlicht-Chroniken ist Brandon Sanderson ein Genie-Streich der Fantasy gelungen. Bereits der Auftaktband Der Weg der Könige lässt erkennen, wie aufwendig, ausgeklügelt, ausführlich und brillant diese Saga werden wird. Doch hat Der Weg der Könige einen ganz einschneidenden faden Beigeschmack: Leider ist der vorliegende Band nur der ersten Teil des ersten Teils der Sturmlicht-Chroniken. Damit geht auch ein bedeutender Kritikpunkt einher: Sicher ist der Schnittpunkt des Buches richtig gewählt, da der Ansatz eines Höhepunkts zweier Handlungsträge zu erkennen ist. Im Gesamtwerk gesehen sind diese jedoch für mich eher als Auftakt der richtigen Geschichte zu sehen. Denn sollte ich in dieser Rezension Bezug nehmen auf den letzten Satz des Klappentextes, so ist dies schlicht nicht möglich, da die Splitterklingen zwar einen maßgeblichen Dreh- und Angelpunkt bilden, doch keiner in diesem Buch auf die Idee gekommen ist, dass die Zukunft Roschars nur gerettet werden kann, wenn das Geheimnis der Klingen ergründet werden kann. Eigentlich müsste ich noch weitergehen und behaupten, den Protagonisten ist noch gar nicht klar, dass es um Roschar nicht gut steht, denn jeder hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Einzig Dalinar kommt dem durch seine Visionen am nächsten. Mit anderen Worten besteht meine Kritik zu diesem Buch aus einer Kritik an die Verlagspolitik. Wieso kann man nicht die Schriftgröße oder Papierdicke so anpassen, dass es möglich ist, ein Buch so zu veröffentlichen, wie es sich gehört, nämlich als Ganzes? Oder wenigstens die Bücher zeitnah zu veröffentlichen und nicht mit vier Monaten Abstand. So leidet das Buch etwas unter dem Schnitt. Es bleibt der Eindruck des Unvollendeten.
Beim Lesen von Der Weg der Könige wird sofort klar, dass diese Saga als etwas Großes angelegt ist. Die Figuren werden detailliert beleuchtet, Dialogen werden sehr viel Raum gegeben, Handlungen so kleinschrittig beschrieben, als wäre man selbst zugegen. So wird die Welt Roschars plastisch, plausibel und spricht den Leser an. Die Protagonisten bekommen Tiefe und es ist dem Leser möglich eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Dabei stehen drei der vier im Klappentext genannten Personen bei der Handlung im Vordergrund: Schallan, Kaladin und Dalinar. In Kaladins Handlungsstrang sind Rückblenden auf seine Kindheit eingebettet, die erklären, wieso er so ist, wie er ist und woher er sein Wissen zur Heilung nimmt. Gerade diese Passagen haben mir sehr gut gefallen. In Dalinars Handlungsstrang sind auch Passagen, die seinen Sohn Adolin als Hauptdarsteller haben. Der Text ist in drei Teile geteilt, zwischen denen sich jeweils Zwischenspiele befinden. In diesen wird auch der Assassine Szeth näher beleuchtet, doch der Umfang steht in keinem Verhältnis zu den der anderen drei Protagonisten. In diesen Zwischenspielen spielt die Handlung zum Teil in gänzlich anderen Teilen Roschars. Diese Mischung macht das Lesen wirklich abwechslungsreich und hat mich das Buch zügig durchlesen lassen, da ich unbedingt wissen wollte wie es in dem anderen Handlungsstrang weitergeht.
Der heimliche Held des Buches ist meiner Meinung nach Kaladin. Ihm ist der größte Raum im Buch gegeben und durch die Art und Weise wie er dargestellt und seine Figur eingeführt wurde, ist noch einiges von ihm zu erwarten.
Was man dem Klappentext eventuell entnehmen könnte, ist, dass die vier Protagonisten gemeinsam agieren, dem ist aber nicht so. Zwar gibt es Verbindungen personeller Art zwischen Schallan und Dalinar und örtlicher zwischen Kaladin und Dalinar, doch gemeinsam handeln sie nicht. Ich bin gespannt, ob auch dieser Aspekt im Laufe der Chroniken weiter ausgebaut wird.
Mir hat das Buch gerade durch sein Detailreichtum und seine Ausführlichkeit besonders gut gefallen. Dies tröstet meiner Meinung nach auch darüber hinweg, dass durch die verschiedenen, gänzlich separaten Handlungsstränge keine Gesamtspannung aufkommen mag. Das Buch gewinnt erst gegen Ende wirklich an Fahrt, doch ein Auftakt einer groß angelegten Chronik hat auch so zu sein.
Neben der wirklich gut ausgearbeiteten Story und dem angenehm zu lesenden Schreibstil, besticht dieses Buch auch noch mit einer grandiosen Ausstattung. Was hier aufgefahren wird, übertrifft alles, was ich bisher in der Hand gehalten habe: Das erste, das man beim Aufschlagen sieht sind zwei Farbkarten in der Innenseite der Buchdeckel und das sowohl vorn als auch hinten. Die Kapitelanfänge sind wirklich schön illustriert und zum Teil mit Zitaten gespickt, deren Ursprung und Hintergrund, jedoch nach dem Lesen noch nicht deutlich geworden sind. Die verschiedenen Zwischenspiele und Bücher sind auch optisch gut getrennt und durch ein kurzes Inhaltsverzeichnis zu Beginn verliert man nicht den Überblick über diese Unterteilung. Das Beste ist jedoch, dass im Fließtext eine Reihe von Karten oder erklärenden Illustrationen eingebettet sind und diese sogar in einem extra Inhaltsverzeichnis aufgelistet zu Beginn. Nie mehr sinnloses Blättern.

Fazit: Sanderson liefert mit Der Weg der Könige den Auftakt zu einer ganz großen Fantasy-Saga. Techisch und inhaltlich ist das Buch einwandfrei, lediglich der Schnitt in zwei Teile hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Wer jetzt überlegt das Buch zu lesen: Besser warten bis der zweite Teil des ersten Teils Der Pfand der Winde im August erscheinen wird und dann beide hintereinander lesen. Bei der Ausstattung des Buches lohnt es sich auf jeden Fall die Hardcoverausgabe zu leisten und nicht auf die Taschenbuchausgabe zu warten. Das Buch ist in jeder Hinsicht ein Meisterwerk.

Buchdaten: Der Weg der Könige – Brandon Sanderson
Genre: Fantasy
Gebunden mit Schutzumschlag
888 Seiten
Heyne
Erschienen: 25. April 2011
Originaltitel: The Way of Kings – The Stormlight Archive, Book 1 (Part 1)

ISBN: 9783453267176
Preis: 21,99

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