George R. R. Martin – Das Lied von Eis und Feuer 1: Die Herren von Winterfell

Ein Meisterwerk der Fantasy

Zum Inhalt: Eddard Stark ist der Lord von Winterfell, einem der sieben Königs-lande. Als der König eines Tages seinen Besuch ankündigt, soll sich einiges im Leben der Starks verändern. Er wird zur rechten Hand des Königs ernannt, da sein Vorgänger in diesem Amt ums Leben gekommen ist. Am Hofe des Königs werden Intrigen gesponnen und Stark muss fest-stellen, dass sein König schwächer ist, als er bis dahin geglaubt hat. Zudem naht der Winter, nachdem sich nun der lange Sommer dem Ende neigt.

Meine Meinung: Dieser Band ist eigentlich nur der erste Teil des ersten Teils. Die deutschen Ausgaben wurden jeweils in zwei geteilt. Das heißt, es liegt im Grunde genommen nur ein halbkonzipierter Roman vor. Der Schnitt kommt dann am Ende auch sehr plötzlich. Aber dennoch, selbst wenn der Folgeband vielleicht mehr Spannung bieten mag, ist dieser erste doch über alle Maßen gelungen, obwohl der Klappentext dies nicht unbedingt suggeriert.
Das kitschige Cover der Erstausgabe hat mich lange abgeschreckt, aber aufgrund von Empfehlungen, vieler guter Bewertungen und der aktuellen Neuauflage nahm ich mich diesem Werk endlich an und habe es nicht eine Sekunde bereut. Das neue Cover ist diesem gewaltigen Epos endlich würdig und sieht im Bücherregal sehr edel aus. Dagegen gehen die alten Auflagen in ihrem grau in grau regelrecht unter.
Zur teilweise sehr unglücklichen Neuübersetzung einiger Namen möchte ich an dieser Stelle nichts weiter sagen. Wer die alten Ausgaben kennt, wird sich hier an manchen Stellen bestimmt ärgern. Ist man mit der älteren Übersetzung nicht vertraut, kann man sich wahrscheinlich gut mit der neuen arangieren.
Zum Werk an sich ist nur zu sagen, dass es für mich zum Besten gehört, was ich jemals im Bereich der Fantasy gelesen habe. Martin beweist ein eindrucksvolles Gefühl für eine gute Geschichte und setzt dies sprachlich hervorragend um. Der Schreibstil ist sehr flüssig, keine Holpersteine oder Sonstiges. Eine tolle und wirklich eindrucksvolle Sprache. Die Kapitel haben ihren Fokus immer auf einem bestimmten Charakter. Diese Perspektivwechsel erzeugen schon dann Spannung, wenn die eigentliche Handlung noch nicht mal richtig in Gang gekommen ist. Schließlich möchte man immer wissen wie es mit den jeweiligen Figuren weiter geht. Das ist handwerklich 1a.
Während die Handlung nur sehr langsam Fahrt aufnimmt, schildert Martin seine Welt in beeindruckender Detailverliebtheit, die trotzdem niemals überfrachtet wirkt. Genau diese vielen Ausschmückungen machen das Buch schon sehr lesenswert. Ich war selten so von einer Geschichte eingenommen wie hier. Die Charaktere sind vielschichtig und tiefgründig und es gibt eine Menge Personen, aber man findet sich ohne Probleme zurecht. Hilfreich hierfür ist auch der Appendix mit einem Verzeichnis aller Häuser und Personen. Dort erfährt man jeweils in einem kurzen Absatz auch einiges zu jedem Haus.
Was mir besonders gefällt, ist auch die Tatsache, dass man sich nicht gewiss sein kann, wie das Schicksal den Figuren des Romans mitspielt. Nichts ist in hervorstechender Weise vorhersehbar, wie in so manch anderem Fantasy-Werk. Das Schönste dabei ist, das dies „nur“ der Anfang ist. Wenn jetzt die Handlung erstmal so richtig Kurs aufnimmt, verspricht der zweite Teil noch besser zu werden, obwohl bereits dieser die volle Punktzahl verdient.

Fazit: Ein Fantasy-Epos, das bereits auf den ersten Seiten überzeugt, handwerklich meisterhaft, mit einem sehr guten Maß an Detailreichtum, tiefgründigen Charakteren, welches den Leser bis zur letzten Seite fesselt.
Die optisch exzellente Neuauflage ist ein Schmuckstück für jedes Bücherregal.

Buchdaten: Die Herren von Winterfell – George R. R. Martin
Genre: Fantasy
Taschenbuch
576 Seiten
Blanvalet
Erschienen: Neuauflage 14. Dezember 2010
ISBN-10: 3442267749
Preis: 15,00€

Übersicht über die Reihe:

Die Herren von Winterfell
Das Erbe von Winterfell
Der Thron der Sieben Königreiche
Die Saat des goldenen Löwen
Sturm der Schwerter
Die Königin der Drachen
Zeit der Krähen
Die dunkle Königin
Der Sohn des Greifen
Ein Tanz mit Drachen

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. katrin.books sagt:

    Ich liebe diese Reihe ❤ Ich besitze die alte Auflage und die Cover sind echt sehr kitschig ^^ Die neuen sehen toll aus!

  2. Caro sagt:

    Schöne Rezi. Schon lange habe ich diese Buchreihe ins Auge gefasst und jetzt ist der Schuber dann schließlich in meinen Einkaufswagen gewandert =D

    Liebe Grüße!

  3. Paramantus sagt:

    Als Leser der alten Auflagen (Ende der 90er hatten Fantasy-Bücher noch richtig hässliche Cover *g*) bin ich sehr froh, dass die Reihe auch neuen Lesern zugänglich gemacht wird, in einer wirklich fantastischen Aufmachung. War aber angesichts der Verfilmung zu erwarten. Viel mehr freue ich mich allerdings, dass George Martin nach über 5 Jahren endlich die Geschichte fortgesetzt hat. Wehe, ich muss nochmal 5 Jahre auf das neue Buch warten… 😛

    Und ja, es ist wohl wirklich die beste Fantasy-rteihe aller Zeiten. Sehr blöd bei diesen neuen Auflagen finde ich aber die eingedeutschten Namen! Jon Schnee? Theon Graufreud? Um Himmels Willen…

    1. horrorbiene sagt:

      Hallo Paramantus,
      ich kenne die Bücher nur mit den eingedeutschten Namen – naja, eigentlich kenne ich nur die Serie, Steppenwolf liest die Bücher ja zuerst… – und ich find es nicht schlimm. Ich kenne es ja nicht anders und so kann ich mich gut damit arrangieren – auch als die die Serie auf englisch gesehen habe. Ich kann aber verstehen, dass das anders ist, wenn man die Serie so mitgelesen hat, wie sie erschienen ist.
      Ich bin auch so gespannt darauf, wie es weitergeht und würd am liebsten sofort loslesen, doch das muss wohl noch etwas warten…
      Grüße, horrorbiene

  4. horrorbiene sagt:

    So, nachdem ich das Buch nun auch gelesen habe, kann ich Steppenwolf nur zustimmen. Allerdings würde ich nicht die volle Punktzahl für DIESES Buch geben können, da es ja nur ein halbes ist und ein RICHTIGES Buch hat eben ein Finale, dieses nicht. Daher von mir „nur“ 9 von 10 Punkten.
    Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass an zwei Stellen die neue Übersetzung nicht konsequent durchgeführt wurde. So konnte ich einmal „Snow“ und einmal „Shaggy“ lesen. Man mag von der neuen Übersetzung halten was man will, doch wenn, dann sollte sie schon korrekt ausgeführt sein!

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