Wolfgang Hohlbein – Der Machdi

Der Chronik 13. Teil

Der Machdi ist nun schon bereits der 13. Teil der Chronik der Unsterblichen, in der die Vampyre Abu Dun und Andrej auf der Suche nach dem Ursprung ihrer Existenz sind oder vielmehr waren – nun treiben sie in der Geschichte Europas immer weiter voran und nehmen an wichtigen geschichtlichen Ereignissen teil und haben stets den einen oder anderen Kampf auszufechten. Eine Auflistung der bisher erschienen Romane befindet sich unten.

Zum Inhalt: Hexenkessel von Konstantinopel werden die beiden Unsterb-lichen Andrej Delãny und Abu Dun in den erbitterten Kampf zwischen Sultan Süleyman und einem aufständischen Propheten hineingezogen, der von seinen Anhängern der Machdi genannt wird. Als Abu Duns Leben in Gefahr gerät, schließen sie sich den Truppen des Sultans an, um den geheimnisvollen Machdi in seinem Versteck aufzustöbern. Er allein kann Abu Dun retten und verhindern, dass dieser zu einem Dämon wird … (Quelle)

Die Unsterblichen Andrej und Abu Dun hat es nach den Ereignissen in Venedig nach Konstantinopel verschlagen. Ehe sie sich versehen, geraten sie in einen Machtkampf zwischen Sultan Süleyman und einem selbsternannten Propheten, von seinen fanatischen Anhängern der Machdi genannt. Der Sultan droht dieser neuen Gefahr nach seiner Niederlage vor den Toren Wiens zu unterliegen. Nachdem Abu Duns Leben, durch denVerzehr von Kat, in Gefahr gerät, bleibt den beiden Unsterblichen nichts anderes übrig, als sich dem Sultan anzuschließen, denn die Blätter der Kat-Pflanze verleihen den Aufständischen zwar schier übermenschliche Kräfte, aber sie macht sie auch abhängig und vermag scheinbar auch Unsterbliche unweigerlich in den Tod zu ziehen. So beginnt die Suche nach dem Machdi, denn nur er kann Abu Dun noch retten, bevor er qualvoll sterben – oder zu einem Dämon wird…

Horrorbienes Meinung: Der Machdi ist ein ganz typischer Band für die neuen Teile der Chronik. Denn eines stellt man ganz eindeutig fest: Der Stil von den Anfängen der Chronik lässt sich hier kaum noch wiedererkennen. Man bekommt hier im Prinzip alles, was man von einem neuen Chronikband erwarten kann: Andrej und Abu Dun geraten wieder in irgendein großes Ergeignis (hier: der Zwist zwischen Sultan und Machdi) in irgendeinem bedeutenden Ort Europas (hier: Konstantinopel und der Nil). Es taucht wieder eine Frau auf, in die sich Andrej mehr oder weniger verliebt und die er beschützen will. Irgendetwas stimmt wieder einmal nicht mit ihnen (hier: Abu Dun ist als Unsterblicher aufeimal süchtig nach grünen Blättern, genannt Kat) und das Rätsel will gelöst werden… Ich mag gar nicht weiterschreiben, denn wer die Chronik kennt, weiß um des Rätselslösung nun eigentlich schon Bescheid… Ganz zu schweigen von bestimmten Lieblingsphrasen Hohlbeins wie z.B. „er verscheuchte den Gedanken“ oder „der Fluss sah aus, als ob er kochte“, die sich ständig wiederholen.
Ach ja, wenn mir der Humor der Chronik im Zusammenspiel Abu Duns und Andrejs nicht so gut gefallen würden und ich die Serie an sich nicht so sehr mögen würde – ich hätte nach gut zehn Seiten das Buch aus der Hand gelegt und nicht mehr weitergelesen. Warum muss Hohlbein denn seine Bücher immer nach dem gleichen Schema schreiben? Fast würde ich dazu tendieren zu sagen, er soll dem ganzen doch endlich mal ein fulminates Ende setzen und sich auf andere Dinge konzentrieren, doch mich interessiert einfach zu sehr, ob sie in der Neuzeit ankommen oder sich mal der Neuen Welt zu wenden, als dass ich das wirklich laut ausprechen würde.
Das Problem der Serie ist einfach, dass sie so lang ist und Hohlbein nebenbei noch zu viele andere Projekte hat. In jedem Buch taucht daher immer eine Sache auf, die eigentlich mit Kenntnis der Serie anders hätte laufen müssen. Hier z.B. fühlt sich Andrej unwohl bei einer Reihe von Statuen der alten ägyptischen Göttern und sein Gesprächspartner glaubt, dass sie auch Unsterbliche wie Andrej und Abu Dun waren. Andrej fühlt sich unwohl, denkt oder sagt jedoch nichts dazu. Am liebsten hätte ich an der Stelle ganz laut geschrieen: „Du kennst sie doch du Dummkopf! Mit einer warst du doch sogar zusammen und trauerst gerade um ihren Tod!!!“ Furchtbar so etwas. Eigentlich hatte ich mir einmal vorgenommen die gesamte Chronik noch einmal zu lesen, doch mit dieser Kenntnis lasse ich es lieber – wer weiß, was mir noch alles auffallen würde?
Der größte Schnitzer war jedoch, dass in diesem Band zwei Dialoge zwei Mal im Buch zu zwei verschiedenen Zeitpunkten stattfanden. Um es klar auszudrücken sie waren doppelt. Zwei verschiedene Dialoge, tauchen zwei Mal auf!!! Entweder war es Hohlbein so dermaßen wichtig, den Inhalt rüberzubringen, dass es ganau so noch einmal erzählt werden sollte, er hält den Leser für zu doof, dass es zweimal gesagt werden musste oder er ist beim Schreiben aus Versehen erst auf copy und dann später auf paste gekommen. Da fragt man sich doch, womit so ein Lektor sein Geld verdient.
So genug gemeckert. Denn eigentlich ist das Buch gut. Zeitlich gesehen spielt der Band nur eine Schiffsreise von Venedig nach Konstinopel plus ein paar Tage. Der Machdi treibt ein herrliches Verwirrspiel mit den beiden Helden. Hohlbein schafft es wieder einmal prächtige Bilder heraufzubeschwören und die Landschaften und Städte vor dem geistigen Auge wahr werden zu lassen. Die Handlung ist spannend, wenn ich auch manchmal den Überblick verloren habe und die Gespräche zwischen Abu Dun und Andrej tuen ihr übriges zum Lesespaß bei. Auch hier ein typischer Chronikband. Dennoch bleibt immer noch im Hinterkopf, dass doch einfach mal etwas neues, frisches passieren sollte. In diesem Bereich ist tatsächlich eine Kleinigkeit passiert: Abu Duns Schwäche hat diesmal tatsächlich sichtbare und nachhaltige Auswirkungen. Endlich mal etwas Ehrlichkeit. Wenn schon mächtige, starke Unsterbliche ständig Schwäche zeigen müssen, dann soll es doch bitte auch mal Konsequenzen haben.
Leider, leider bricht das Buch mitten in einem Kampf ab. Die beiden setzen an zu fliehen und – Schnitt. Keine Auflösung, kein Hinweis, wie es nun weitergeht mit den beiden, nur lose Handlungsfäden, die herumliegen. So dürfen wir gewiss sein, dass es noch einen vierzehnten Teil geben wird, denn so kann man es einfach nicht stehen lassn.

Horrorbienes Fazit: Das Buch ist ein typischer neuer Chronikband von mit denselben Stärken und Schwächen wie in den vorangegangenen Bänden und nach einem ähnlichen Schema. Wer die anderen mochte, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Dennoch würde ich mir wünschen, wenn mal wieder etwas mehr Frische in die Handlung hinein käme. Die Handlung an sich ist jedoch spannend, verwirrend und dadurch allemal unterhaltsam, allerdings mindern die ständige Wiederholung von Phrasen oder ganzen Dialogen sowie kleine Logikfehler in Bezug auf den Ablauf der Chronik – vom gleichbleibenden Schema ganz zu schweigen – schon den Lesespaß.
Am Liebsten würde ich mir von Herrn Hohlbein wünschen, dass er sich doch einfach mehr Zeit nimmt für die Chronik, um sich besser auf ihre Gesamt-Handlung zu konzentrieren. Manchmal habe ich das Gefühl, als gäbe es kein großes Konzept für die Chronik mit einem deutlichen Ziel auf das die beiden Helden hin arbeiten. Vielleicht trauere ich auch einfach noch der alternativen Handlung zu Der schwarze Tod hinterher, in der es eigentlich um die Pest in Wien zur zweiten Türkenbelagerung gehen sollte, stattdessen waren wir ja mit Marius in Venedig. Ach, schade.

Steppenwolfs Meinung: Nachdem der letzte Band doch rückwirkend betrachtet ziemlich enttäuschend war, war ich mir nicht sicher, was ich mir vom Machdi erwarten konnte. Also stellte ich keine großen Erwartungen an Hohlbeins neuesten Streich und siehe da, prompt wurde ich überaus positiv überrascht.
Das Buch beginnt, als starte Hohlbein eine Art Neuanfang und das ist blendend gelungen. Endlich kehrt die Chronik zu alten Stärken zurück. Andrej war in den letzten Teilen der Reihe immer recht wehleidig, was mit der Zeit doch etwas nervig wurde. Hier ist zum Glück davon keine Spur mehr. Auch wirkt dieserBand nicht so überfüllt, mit sich immer wiederholenden Floskeln wie schon so oft davor.
Wirklich sehr schön finde ich, dass der alte Sprachwitz wieder da ist. Die zurückliegenden Episoden waren doch sehr düster und da kam das Zusammenspiel der beiden Protagonisten manchmal einfach zu kurz. Da merkte ich beim Lesen, dass mir das richtig gefehlt hat. Andrej und Abu Dun gehören zu den interessantesten Figurenkonstellationen, die ich bisher kennen gelernt habe und nach der Lektüre dieses Buches wurde mir wieder einmal klar warum. Andrej, bemüht seine Stärken möglichst geheim zu halten und teilweise etwas ernst, steht Abu Dun gegenüber, ein nubischer Riese, der auf jedermann ungeheuer einschüchternd wirkt und dennoch immer wieder wie ein zu groß geratenes Kind agiert. Daraus ergeben sich einfach herrliche Dialoge.
Im Verlauf der Chronik sind Hohlbein etliche Logikfehler unterlaufen. Auch dieser Band ist davon nicht ausgenommen, aber ich empfand es nicht als Stolperstein, da hier kaum Bezug auf vorige Ereignisse genommen wird, was diesen Teil sogar für Quereinsteiger interessant machen könnte.
Sehr positiv empfand ich, dass nun auchAbu Dun Schwäche zeigt. Das Kat könnte also tatsächlich tödlich für denUnsterblichen sein und nicht nur das, es ist zu befürchten, dass Abu Dun durch die Pflanze in einer Form verändert wird, die ihn zu einer Art Dämon machen könnte. Man fiebert mit ihnen und Spannung baut sich auf, während die Protagonisten dem Machdi immer näher zu kommen scheinen.
Hohlbeins Schreibstil ist indes unverkennbar und er schafft es einfach immer wieder stimmungsvolle Bilder zu erzeugen. Auch ist der Text nicht mehr mit den ständig selben Phrasen angefüllt. In anderen Teilen der Reihe konnte so was schon mal zu einem regelrechten Ärgernis werden, wenn man gewisse Gedankengänge immer und immer wieder vorgesetzt bekommt.
Viele Fragen werden auch diesmal aufgeworfen und Verstrickungen gesponnen. Leider bleiben jedoch abermals viele dieser Fragen ungeklärt. Aber damit muss man als Leser der Chronik leben können, denn dies ist eine der wenigen Konstanten,welche sich durch die gesamte Reihe zieht.
Auch wenn ich die Suche nach dem Machdi als sehr spannend empfunden habe, so ist doch der Mittelteil des Buches fast etwas zu lang geraten. Bestimmt hätte man das auch kürzer darstellen können, aber weil ich einfach gern gelesen habe, empfand ich es nicht als störend. Abu Duns Kat-Problem wird aber leider etwas zu intensiv ausgebreitet. Da hat man schon das Gefühl auf der Stelle zu treten und in der Handlung nicht sonderlich voranzukommen. Auch ärgerlich war die Tatsache, dass die Verwirrungen immermehr zunahmen und man nach Aufklärung förmlich lechzte, aber wie so oft im Laufe der Chronik wird man hier enttäuscht.
Das Ende ist wieder einmal sehr offen gehalten, in diesem Fall vielleicht sogar so offen, wie selten zuvor. Damit fühlt man sich wie im Regen stehengelassen. Wird es im nächsten Teil nahtlos weitergehen oder lässt Hohlbein, wie auch früher schon, einige Jahre verstreichen?
Dies Gefühl, mit leeren Händen da zu stehen, ist eigentlich auch schon mein größter Kritikpunkt, jedoch einer,mit dem man in der Chronik immer rechnen muss.

Steppenwolfs Fazit: Endlich ist die Chronik wieder zu ihren alten Stärken zurückgekehrt und neue Aspekte der Unsterblichkeit kommen ins Spiel. Abu Dun zeigt Schwäche und Andrej hat seine ständige Wehleidigkeit abgelegt. Ein neuer Weg ist eingeschlagen, jedoch mit ungewisser Richtung. Die Reihe zu kennen ist von Vorteil, aber da hier wenig Bezug auf vergangene Ereignisse genommen wird, können sogar Quereinsteiger mit diesem Buch angesprochen werden.
Ich habe lange überlegt, ob eine hohe Wertung gerechtfertigt ist und bin zu dem Entschluss gekommen: Ja, denn ich habe das Buch einfach sehr gern gelesen. Für mich nicht der beste Band der Reihe, nicht der schlechteste, aber überdurchschnittlich gut. Für mich ein ganz starker Teil der Chronik. In jedemFall, auch wenn man das Buch eher schwächer sehen sollte, die eingeschlagene Richtung stimmt.

Buchdaten: Der Machdi – Wolfgang Hohlbein
Genre: Fantasy
Gebunden mit Schutzumschlag
720 Seiten
Lyx
Erschienen: Oktober 2011
ISBN: 978-3-8025-8494-7
Preis: 19,99€

Übersicht über die Reihe:

Am Abgrund Der Vampyr Der Todesstoß Der Untergang
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4
Rezension Rezension Rezension Rezension
Die Wiederkehr Die Blutgräfin Der Gejagte Die Verfluchten
Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8
Rezension Rezension Rezension Rezension
Blutkrieg Das Dämonenschiff Göttersterben Glut und Asche
Teil 8,5 Teil 9 Teil 10 Teil 11
Rezension Rezension Rezension Rezension
Der Schwarze Tod Der Machdi Pestmond Nekropole
Teil 12 Teil 13 Teil 14 Teil 15
Rezension Rezension Rezension Rezenion

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Binzi sagt:

    Hey
    hab deinen Blog eben entdeckt und bin Leserin geworden. Schau doch mal bei mir vorbei: http://www.binzis-buecher.blogspot.com
    LG

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