Jonas Wolf – Heldenzorn

Ein weiterer Roman aus der Welt des Skaldat

Zum Inhalt: Seit Jahrzehnten führen die Barbaren der Steppe einen verzweifelten Kampf gegen das übermächtige Dominum. Bei einem Scharmützel wird auch der junge Teriasch gefangen genommen. Als Sklave erfährt er die Grausamkeit des Dominums am eigenen Leib. Teriasch hat jedoch eine geheimnisvolle Begabung, die er gemeinsam mit dem gerissenen Halbling Rukabo zu erforschen beginnt. Nachdem er der schönen Julanesca das Leben gerettet hat, scheint die Freiheit zum Greifen nahe. Doch wird Teriasch Tausende anderer Sklaven in der Knechtschaft zurücklassen, oder wird er die Feuer der Revolution entfachen und dem dekadenten Imperium den Untergang bringen? (Quelle)

Meine Meinung: Heldenwinter hat mir sehr gut gefallen. Der Roman war spannend und vor allem abgeschlossen. Nun ist Heldenzorn erschienen. „Ist das jetzt eine Fortsetzung, oder was?“, habe ich mich gefragt. Die Antwort erhielt ich im Nachwort: Nein, Heldenzorn ist keine Fortsetzung, sondern ein Roman, der in derselben Welt spielt. Eine Welt in der das Metall Skaldat besonders wertvoll und wichtig ist. Deshalb trägt das Buch auf Seite drei auch den Beisatz „Ein Roman aus der Welt des Skaldat“. Die Idee finde ich faszinierend: Der Autor kreiert eine Welt und lässt verschiedene Charaktere in verschiedenen Romanen andere Abenteuer bestehen. Denn, so habe ich das Nachwort verstanden, wird Heldenzorn nicht der letzte Roman aus dieser Welt sein.
Das erste, was mir beim Lesen aufgefallen ist, ist dass hier keine Karte beigefügt war. Da das Buch ja nun einmal auf derselben Welt spielen soll, hätte ich beim Lesen doch schon gern gewusst, wo genau auf der Welt die Handlung sich zuträgt und in welchen Bezug dieser Teil zu dem Weltenteil aus Heldenwinter hat. Da Heldenzorn ja keine Karte besitzt, habe ich die Karte aus Heldenwinter zu Rate gezogen und es hat sich mir daraus nicht ergeben, wie das alles zusammenhängt. Zwar scheint Heldenzorn in der Pferdesteppe zu starten, doch weitere Anhaltspunkte bekam ich nicht bzw. weitere Ortsbeschreibungen und -namen habe ich einfach nicht wieder finden können. Da hat der Autor die glorreiche Idee, immer dieselbe Welt als Schauplatz zu nehmen und DANN KANN MAN SIE AUF DER KARTE NICHT WIEDERFINDEN!!! Furchtbar. Wieso dann das Ganze? Oder fehlte die Karte gar deshalb?!
Ich dachte mir, ich lese dann einfach trotzdem weiter. Der Einstieg wurde mir jedoch sehr schwer gemacht. Zu Beginn lernen wir Teriasch kennen, einen Schamanen aus einem Steppenvolk und von den „Harten Menschen“ als „Wilder“ oder „Barbar“ bezeichnet. Er ist der Hauptcharakter und aus seiner Sicht erleben wir die Geschichte. Zwar ist Teriasch sympathisch, keine Frage, doch da er keine Ahnung hat, von den Dingen, die in einer zivilisierten (Fantasy-) Welt „normal“ sind, ist es zunächst schwierig ihn zu verstehen. Er kennt nur seine Riten, Geister und Lebensweisen und lernt den Rest erst nach und nach kennen. Durch die vielen seltsamen Namen musste ich mich ersteinmal in die Geschichte hineinfuchsen. Doch mit der Zeit lernt Teriasch die zivilisierte Welt kennen – er kennt zum Glück schon die Sprache der „Harten Menschen“ – und das Buch liest sich einfacher. Zwar ist diese Konstruktion der Geschichte dem Kenntnisstand Teriaschs angepasst und daher eingentlich auch sehr geschickt gemacht, nur mir hat es den Einstieg erschwert.
Danach liest sich das Buch einfach und es ist spannend geschrieben. Die Charaktere sind, trotz der geringen Seitenzahl, gut ausgearbeitet. Nur bei den Kriegerinnen der Scharlachroten Rose, habe ich mich stark an die Mord-Sith aus Das Schwert der Wahrheit von Terry Goodkind erinnernt gefühlt. Die Namen (Cara und hier Carda) und ihr Aufreten waren sich einfach zu ähnlich. Ich konnte mich nicht davon abhalten mir Carda mit einem roten Anzug und einem Strafer vorzustellen. Da wäre vielleicht ein anderer Name geschickter gewesen. So wirkte es nicht wie eine Hommage, sondern eher wie schlecht abgeschaut. Gegen Ende entwickelte sich die Geschichte rasant und näherte sich dem Finale und ich habe mich immer gefragt, wie Teriasch es nun anstellen will, das Böse zu besiegen. Mir haben sich seine Pläne, die Hintergünde und Zusammenhänge jedenfalls nicht erschlossen. Und so kam es, wie es kommen musste: Im Finale überschlugen sich die Ereignisse und ich hatte das Gefühl nur die Hälfte von dem mitzubekommen, was gerade geschieht. Wupps war etwas passiert und schwupps wussten sie, wo es als nächstes hingehen sollte und huch – vorbei. Mit anderen Worten: Es ging alles viel zu schnell und zu leicht. Unter einem spannenden, befriediegenden Ende verstehe ich etwas anderes.
Dann muss ich noch etwas hervorheben. Auf dem Buch ist ganz groß „Tolkien-Fans aufgepasst – jetzt beginnt das größte Abenteuer der Halblinge“ abgedruckt, ebenso ist es auf der Verlagsseite zum Buch zu finden. Ja, es spielt ein Halbling mit. Ja, dieser Halbling mag auch als Hauptfigur durchgehen. Und ja, wir sehen sogar noch andere Halblinge. Aber: DIESES BUCH DREHT SICH NICHT UM HALBLINGE!!! Jeder, der das Buch durch diese Zeilen angeregt in der Hoffnung kauft, er könne eine Geschichte um das kleine Volk lesen, wird bitter enttäuscht werden. Ein Buch über Halblinge sollte entweder einen Halbling als wirklichen Hauptcharakter haben oder dauerhaft in dem Gebiet spielen, aus dem die Halblinge kommen. Doch eines MUSS ein solches Buch liefern: Hintergrundwissen über dieses Volk, Geschichten, Legenden und es muss ihren eigenen Charme aufleben lassen. Dies jedenfalls hat Heldenzorn nicht. Der Halblingscharme wird zumindest angerissen. Doch, es ist nicht Fehler des Buches oder des Autors was für ein Murks hinten auf das Buch gedruckt wird.
So, wenn ich schon am wettern bin: Das Cover hat überhaupt gar nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun. Es gibt nämlich keine Schlacht, wie das Cover suggeriert. Zwar reitet der Halbling einmal auf einem weißen Pferd, doch niemals so. Und außerdem ist das auf dem Cover meines Erachtens kein Halbling. Im Buch wurde sooft die Symbolik des Löwen beschrieben. Wieso ist da nicht ein z.B. Stadttor mit den Löwen im Hintergrund zu sehen…
Zumindest eines ist gelungen: Der Titel Heldenzorn findet sich in der Geschichte wieder. Es ist Teriaschs Zorn, der ihn zu etwas Besonderem macht. Um den Zusammenhang der Bücher herzustellen musste eben noch ein „Helden“ vor den „Zorn“.

Fazit: An die gewillte Leserschaft: Lasst euch vom Cover und von der Verlagswerbung nichts versprechen, was ihr nicht bekommt. Dieses Buch beinhaltet keine epischen Schlachten und ein Halbling kommt zwar vor, doch das Buch dreht sich nicht um sie. Stattdessen solltet ihr euch lieber auf einen guten und spannend geschriebenen Roman über einen Schamanen aus der Steppe einstellen, der als Sklave in die Hauptstadt des Dominum kommt und die Welt dort auf den Kopf stellen will. Dem Buch fehlt leider ein übersichtliches und nachvollziehbares Finale, ansonsten ist es wirklich lesenswert!

Buchdaten: Heldenzorn – Jonas Wolf
Genre: Fantasy

Taschenbuch
384 Seiten
Piper
Erschienen: 16. Juli 2012
ISBN: 9783492268691
Preis: 12.99€

Alle bisher erschienenen Romane, die in dieser Welt spielen:

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tanja sagt:

    Hallo Biene und Wolf,
    sagt mal: kennt ihr zufällig die Werke von Thomas Finn? Olli und ich haben einem Bekannten (der vor einem Jahr kaum Bücher gelesen hat) ein Buch geschenkt. Seither liest und liest er. Gestern hat er uns auf Thomas Finn angesprochen, aber von diesem Autor habe ich noch nie etwas gehört. „Die Wächter von Astaria“. Oh, Olli hat doch ein Buch von ihm gelesen „Weißer Schrecken“, aber die anderen, die kenne ich nicht. Ich habe nämlich soeben die Autoren-Homepage ausfindig machen können. http://www.thomas-finn.de

    Wenn ihr eines seiner Werke gelesen habt, sagt mir unbedingt wie es euch gefallen hat.

    Liebe Grüße,
    Tanja

    1. horrorbiene sagt:

      Hi Tanja,
      ich kenne wie Olli auch nur „Weißer Schrecken“. „Der Funke des Chronos“ habe ich hier noch ungelesen liegen, den Rest kenne ich leider auch nicht. Tut mir leid! Steppenwolf wird es da ähnlich gehen, der kennt ja nicht mal „Weißer Schrecken“. 😉
      LG

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