Volker Präkelt – Ach, du lieber Gott!

Oberflächlich und schlecht zu lesen

Zum Inhalt: Speisung der Fünftausend. Hier gibt’s Brot und Fisch für alle. Der Gastgeber: Jesus. Was passiert? Ein Wunder. Das ist wichtig für die Christen. Und wie denken Juden, Muslime und die anderen? Was es über verschiedene Religionen zu berichten gibt, erzählt dieser Band lebendig und einfühlsam. Ein Plädoyer für Toleranz! (Quelle)

Meine Meinung: Der Aufbau des Buches folgt einer interessanten Idee: Frei nach dem heutigen Lebenswandel vieler Menschen, die nur an einen Gott glauben und der trägt den Namen Fußball, finden sich die „Hauptdarsteller“ des Buches zu einem Fußballcamp zusammen, dass von einem studierten Theologen geleitet wird. Die fünf teilnehmenden Kinder haben jeweils eine andere Religion. Auf der Einführungsdoppelseite „unterhalten“ sie sich über ihre Religionen, wobei so viele Einzelheiten durcheinander geworfen werden und dabei noch mit Fußballvokabeln vermischt werden, dass jemand der keine Ahnung von Religionen hat, mindestens fünf Fragezeichen über seinem Kopf finden wird. Selbst wenn es nur eine Einleitung in das Buch sein soll, so extrem kurz nutzt sie keinem etwas.
Das Buch ist anschließend wie folgt aufgebaut: Es gibt für jede der fünf großen Religionen einen Abschnitt, wobei das Kind aus dem Fußballcamp dessen Religion gerade theamtisiert wird einen Dialog mit dem Theologen führt. Die Abschnitte bzw. die Religionen sind nicht optisch voneinander zu unterschieden. Diese werden durch kurze Einschübe ergänzt. Einige davon sind Geschichten, manche dagegen Einschübe von den Figuren Engelchen und Teufelchen, die Fakten zum Geschehen beisteuern. Diese Fakten finde ich gut gelungen – weniger gefallen haben mir die Sprechblasen der beiden, die weder fundiert noch sinnvoll sind, sondern schlichtweg doof.
Am Ende des Buches findet sich eine übersichtliche und gelungene Tabelle mit den wichtigsten Fakten der Religionen. Dennoch könnten auch dort die Fakten an manchen Stellen präziser sein.
Die Fragen, die im Untertitel „Warum wir Sehnsuch nach Glauben haben und warum es unterschiedliche Religionen gibt“ wird bei Weitem nicht beantwortet, was wirklich interessant gewesen wäre. Doch hätte man den ersten Teil beantwortet, wäre auch eine Thematisierung mit dem Atheismuns und dem Agnostizismus folgerichtig gewesen.
Da mir in diesem Buch sehr viel aufgefallen ist, von dem ich berichten möchte, gehe ich nun Abschnittsweise vor:

Christentum: Das ausführlichste „Kapitel“ des Buches. Viele Geschichten aus der Bibel wie z.B. Abraham und Moses werden nur kurz erwähnt (z.B. als Mini-Comic) und daher viel zu oberflächlich geschildert, so verkommt die Religion zu bloßen Ammenmärchen. Auch die Weihnachtsgeschichte wird auf zwei Seiten (in großer Schrift) abgehandelt – geschildert kann man das nicht nennen, eher zusammengefasst. Dabei wird eine Person, das Mädchen Judith dazugedichtet, was mir nicht einleuchtet – vielleicht sollte sie die Geschichte moderner machen?! Auf jeden Fall ist sie so dermaßen kurz aufgeführt, dass man den Sinn gar nicht mehr entnehmen kann.  Zum Nachschlagen oder Schmökern im Bereich Geschichten aus der Bibel gänzlich ungeeignet. Ganz passabel dagegen waren die Dialoge zwischen dem Trainer und dem Kind. Sie präsentieren die wichtigsten Fakten kurz und bündig – doch immer wieder muss das Fußballthema als Vergleich herhalten. Sicher, mit Fußball kann man heute die meisten Menschen erreichen, dennoch finde ich es ziemlich platt. Die Ostergeschichte wird durch eine Reise des Kindes nach Jerusalem dargestellt. Es erzählt zu jedem Ort ein paar Fakten und beschreibt die Örtlichkeit, doch ohne die Geschichte dahinter, geht die Botschaft völlig verloren. Hier wird vom Buch die Kenntnis der Geschichten eindeutig vorausgesetzt!

Judentum: Lediglich ein – wenn auch gelungener Dialog – zwischen dem Theologen, dem christlichen Jungen und einem jüdischen Mädchen, schildert die wichtigsten Fakten zum Judentum. Vier Seiten und das war’s!

Islam: Eine sehr kurz gehaltene Geschichte um einen Touristenjungen schildert einige der fünf Pflichten des Islam, welche schön übersichtlich auf der Seite aufgelistet sind. Warum diese Pflichten erfüllt werden sollen und wozu sie dienen, ist nicht erwähnt. Auch hier ist ein Dialog zu finden, der sich unter anderem mit dem Ramadan und Gebeten befasst.

Buddismus: Die Geschichte von Siddhartha wird kurz erzählt und mit der eines modernen Jungen verglichen. Dabei werden die vier edlen Wahrheiten genannt. Im folgenden Dialog werden Buddha, das Nirwana und der Dalai Lama thematisiert. Nichts davon wird wirklich ausführlich behandelt und wieder einmal nur oberflächlich angerissen. Der Vergleich mit Fußball beginnt zu nerven und eine Art Bundesligatabelle, die einen zum Aufsteiger oder Absteiger erklärt, wenn man bestimmte Dinge tut, geht meiner Meinung nach zu weit.

Hinduismus: Hier hat mich am meisten gestört, dass die Beschreibungen einiger Götter einfach zusammenhangslos abgedruckt wurden. Mit dieser Religion kenne ich mich am wenigsten aus und hätte mir mehr Zusammenhäge gewünscht. Stattdessen werden Namen und Fakten wie Gewehrfeuer genannt. Ein zweiseitiger Dialog schließt dieses Kapitel ab, dabei werden Kasten und Wiedergeburt erwähnt. Doch wie viele Götter es nun wirklich gibt erfährt man z.B. nicht…

Fazit: Zum Einsatz im Unterricht ist das Buch nicht geeignet. Weder zum Vorlesen mancher Passagen, noch zum Nachschlagen und Schmökern, da es in den allermeisten Bereichen viel zu kurz ist und Zusammenhänge nicht erkannt werden können. Ohne Vorwissen kann man das Buch eigentlich nicht verstehen. Durch die vielen Comics und Fußballvergleiche ist das Buch zwar modern und für Kinder ansprechend, dennoch viel zu oberflächlich, da viel Text durch umgangsprachliche Floskeln ersetzt wird oder Geschichten um unnütze Figuren ergänzt werden. Das mit der Rahmenhandlung ist ans sich eine gute Idee, doch wenn der Fließtext so dermaßen kurz gehalten ist, und die Rahmenhandlung im Verhältnis zu viel Raum einnimmt, sollte man lieber darauf verzichten. An einem Stück – also wie ein richtiges Buch – lesen kann man es auch nicht gut. Welchen Sinn dieses Buch erfüllen soll, ist mir gänzlich unklar! Einige Stellen sind zwar gelungen, doch im großen und ganzen ist dieses Buch nicht zu empfehlen – ich wüsste jedenfalls nicht, wem ich es empfehlen sollte.

Bewertung_03_hBuchdaten: Ach, du lieber Gott! – Volker Präkelt
Mit Illustrationen von Katja Wehner
Genre: Sachbuch
Aus der Reihe: Baff! Wissen
Verlagsempfehlung: ab 8 Jahren
Gebunden
64 Seiten
Arena
Erschienen: 29.06.2012
ISBN: 978-3-401-06777-3
Preis: 9,99€

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