Justin Cronin – Die Zwölf

Eine gut geschriebene Fortsetzung

Die Zwölf ist der zweite Teil einer dystopischen Trilogie, die mit Der Übergang ihren Anfang nahm. Eine Auflistung der Trilogie erfolgt unten. Da ich hier einen zweiten Teil rezensiere, sind Spoiler zum ersten Band enthalten.

Die ZwölfZum Inhalt: Zu Anfang waren es zwölf Kriminelle, die auf die Todesstrafe warteten. Doch dann wurden sie auserwählt für ein geheimes Experiment. Es sollte den Fortschritt bringen, aus ihnen sollten mehr als nur Menschen werden. Doch es schlug fehl. Jetzt sind es diese Zwölf, die das Leben auf der Erde bedrohen und das Ende der Menschheit bedeuten könnten. Und die letzte Hoffnung ruht auf einem Mädchen. Amy ist die Einzige, die sich der Macht der Zwölf entgegenstellen kann. Aber der Gegner ist stark, und ihre Kraft scheint mehr und mehr zu schwinden … (Quelle)

Meine Meinung: Endlich ist sie da, die langerwartete Forsetzung von Der Übergang. Bei dessen Lektüre, war ich mir zwischenzeitlich nicht sicher, ob ich die Fortsetzung überhaupt lesen wollte: Es war so lang und bis die eigentlich Haupthandlung begann, dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, doch als diese erst einmal begann, war sie so atmosphärisch und mitreißend, dass ich mit der Lektüre des zweiten Bandes nicht lange warten konnte.
Der erste Band war geprägt von (chronoligisch aufgebauten) Erzählungen (oder E-Mails, Tagebucheinträgen …) aus verschiedenen Zeiten, erst als von der Ersten Kolonie und ihren Bewohner berichtet wurde, beginnt Cronin eine richte Geschichte zu erzählen. Für den zweiten Band habe ich nun erwartet, dass er diese Geschichte fortsetzt und der Leser nun erlebt, wie die Protagonisten die übrig gebliebenen von den Zwölf jagen und zur Strecke bringen oder zumindest damit beginnen, denn etwas muss ja für den dritten Teil der Trilogie übrigbleiben.
Meine Erwartungen wurden in sofern nicht erfüllt, dass auch hier auf den ersten 300 Seiten des Buches nicht die Haupthandlung geschildert wird, sondern zwei Episoden aus der Vergangenheit geschildert werden. Diese sind jedoch für das (tiefere) Verständnis der Haupthandlung wichtig. Was die Jagd auf die Zwölf betrifft haben sich meine Erwartungen auch nicht bestätigt, da die große Jagd auf sie wie ich sie mir vorgestellt habe ausbleibt. Statt großer Jagd und Schlachtszenen besteht das Buch im Prizip aus Beschreibungen der einzelnen Figuren und wie sie in der Welt voller Virals leben. Dies geschieht erneut sehr atmosphärisch und mitreißend, so dass die Seiten sich praktisch von allein lesen. Hierbei gibt es – fünf Jahre nach den Ereignissen aus Der Übergang – ein Wiedersehen mit einigen bekannten Figuren aus dem ersten Band und auch die eine oder andere Überraschung ist dabei. Auch wenn für mein Empfinden erstaunlich wenig Spannung vorhanden ist, ist das Buch einfach nur herrlich gut geschrieben, so dass es wirklich Spaß macht es zu lesen. Letztlich ist die Handlung – getrieben von Amy – ein Selbstläufer und mündet in einem Finale, dass ich mir bildlich wie im Kino vorstellen konnte. Dieses Finale ist zwar sehr aktionreich und spannend geschrieben, da hier die verschiedenen Perspektiven schön zusammen wirken, doch inhaltlich ist das Finale echt etwas arg platt. Da hat Cronin es sich etwas zu einfach gemacht die Bedrohung der Zwölf zu beseitigen – mehr möchte ich allerdings dazu nicht verraten.
Dennoch finde ich es seltsam, welch kleine Rolle Amy auch in diesem Buch spielt. Sicher sie taucht auf, der Leser erlebt einen Teil auch aus ihrer Perspektive, doch sie wird überall als DIE Hauptperson dargestellt, als die sie im Buch im Prinzip nicht wirklich erscheint. Auch passiert eine Entwicklung mit ihr, die ich nicht wirklich nachvollziehen konnte.
Leider gab es einige Verbindungen und Zusammenhänge, die ich nicht vollständig durchdringen konnte. So habe ich bis zum Schluss nicht verstanden, was es mit Wolgast in diesem Buch auf sich hatte: Wo kam er her? Starb er nicht an einer Strahlenvergiftung? Was hat es mit Amy am Ende des Buches auf sich? Was sollen diese „Träume“ bedeuten? Fragen, die sich hoffentlich im letzten Band klären werden…
Die Zwölf ist vom Umfang her nicht mehr so überdimensioniert wie Der Übergang, ist aber dennoch mit über 800 Seiten ein massiger Schinken. Den Wiedereinstig in die Trilogie hat eine gut gestaltete Inhaltszusammenfassung sehr erleichtert. Sie ist im Bibel-Stil geschrieben und liest sich sehr genial. Zwar wird der Fließtext hier nicht durch Tagebucheinträge, E-Mails und dergleichen in der Form ergänzt, wie es noch in Der Übergang der Fall war, dennoch ist er immer noch prima gestaltet. Ergänzt wird der durch ein Inhaltsverzeichnis, zwei s/w-Karten und einen Glossar – all dies empfand ich als sehr hilfreich.

Fazit: Ich finde es erstaunlich, wie die Menscheit es geschafft hat nach einer solchen Apokalypse durch die Virals zu überleben. In diesem Teil der Trilogie werden nun zwei neue Gesellschaften, die sich auf dem nordamerikanischen Kontinent etabliert haben, näher beleuchtet. Die Erzählung über das Leben in diesen Städten steht hier im Vordergrund, nicht der Überlebenskampf gegen die Virals – dafür sind die Städte 97 Jahre n.V. auch zu weit entwickelt. So bekam das Buch einen ganz anderen Charme als der Vorgänger Der Übergang. Zwar waren einige Dinge nicht so, wie ich sie erwartet habe und einige Stellen – besonders um Amy – konnte ich nicht ganz durchdringen und hoffe auf Aufklärung im abschließenden Band, dennoch hat mir dieser Teil etwas besser gefallen als Der Übergang. Aufgrund der geringeren Seitenzahl, dem wirklich guten und sehr atmosphärischen Schreibstil Cronis, war die Lektüre von Die Zwölf bei Weitem nicht so viel Arbeit wie noch Der Übergang. Im Gegenteil: Zwar fehlt dem Buch zum größten Teil die Spannung, aber es liest sich dennoch wie von selbst, weil man direkt mit den Augen der Chraktere sieht und mit ihnen mitfühlt. Allerdings hat mich das Ende nicht überzeugen können. Da hat Cronin es sich etwas einfach gemacht, wie ich finde. Ich bin dennoch gespannt, wie sie es schaffen in Band drei die Welt entgültig von den Virals zu befreien.

Buchdaten: Die Zwölf – Justin Cronin
Genre: Dystopie
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
832 Seiten
Goldmann
Erschienen: 14. Januar 2013
Originaltitel: The Twelve

ISBN: 978-3-442-31179-8
Preis: 22,99€

Die Trilogie:

Der Übergang Die Zwölf tba
Teil 1 Teil 2 Teil 3
Rezension Rezension Rezension

Für einen inhaltliche Zusammenfassung des ersten Bandes Der Übergang und weitere Informationen zur Trilogie und ihren Protagnosten, lohnt sich der Besuch der deutschen Homepage des Autoren. Klick.

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