Melissa Marr – Graveminder

Gute Idee – mäßige Umsetzung

GraveminderZum Inhalt: Jede Generation hat ihre eigene Totenwächterin. Bei Beerdigungen spricht sie die magischen Worte über dem frischen Grab: »Drei Schlucke, um sie zu bannen. Nicht mehr und nicht weniger.« Doch was geschieht, wenn es kein Grab gibt? Wenn die Tote ein junges Mädchen ist, das auf grausame Weise ermordet wurde und nun auferstanden ist, um Rache zu nehmen? Für Rebekkah, Graveminder des idyllischen Claysville, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Sie muss ihre Stadt vor der hungrigen Toten schützen. Und nur Byron, ihre große Liebe, steht ihr bei … (Quelle)

Meine Meinung: Nachdem Melissa Marr nun schon zwei Jugendbücher bei Piper veröffentlicht hat, hat sie mit diesem Buch – laut Verlag im Impressum des Buches – den langerwartenen Roman für Erwachsene vorgelegt.
Rebekkah lebt nun schon seit einigen Jahren nicht mehr in Claysville, in der Stadt, in die sie mit ihrer Mutter gezogen ist, als diese ihren zweiten Mann heiratete. Zwar fand Rebekkah in der Kleinstadt kein richtiges zu Hause, in dem sie nach der Scheidung der Eltern bleiben wollte, wohl aber in ihrer Stiefgroßmutter einen Menschen, der ihr so nahe steht, wie sonst kein anderer. Außer vielleicht Byron, die Liebe ihrers Lebens, was sie nur nicht wahr haben will. Denn zwischen ihnen steht ihre verstorbene Stiefschwester und Exfreundin Jacobs. Sie haben nun seit mehrern Jahren auf ihrern Wunsch hin keinen Kontakt mehr, doch dies ändert sich, als plötzlich Rebekkahs Großmutter Maylene verstribt und sie zurück zur Beerding nach Claysville reist. Byron, vor einigen Monaten in die Stadt zurückgekehrt, arbeitet bei seinem Vater im ansässigen Bestattngsunternehmen und wird zur Leiche Maylenes gerufen. Ihm wird sofort klar, dass dies kein natürlicher Tod war, sie wurde ermordet. Doch keiner in der Stadt reagiert auf seinen Hinweis – alle scheinen mehr zu wissen als er. Als nun Rebekkah in die Stadt kommt, werden die Geheimnisse jedoch offenbart, denn die beiden haben ein Schicksal zu erfüllen…
Graveminder ist ein unterhaltsames Buch, mit einer interessanten neuen Thematik: Rebekkah ist der neue Graveminder, dazu auserkohren die Toten zu hüten, auf dass sie nicht unter den Lebenden wandeln. Falls ein Bürger Claysvilles jedoch verstribt und nicht rechzeitig gefunden und begraben wird und somit nicht vom Graveminder gepflegt wird, erwachen sie und suchen Nahrung unter den Lebenden. Dabei kommt der Undertakter ins Spiel, der praktischerweise immer auch der Bestatter ist: Er hat Zugang zum Reich der Toten und kann dem Graveminder die Pforte öffnen, damit dieser „die hungrigen Toten“ dahin bringen kann, wohin sie gehören.
Trotz der Beteuerung des Verlages es handele sich hierbei um ein Buch für Erwachsene, ist es geschrieben wie ein Jugendbuch: Der Plot ist ähnlich aufgebaut, die fantstischen Elemente sind ähnlich oberflächlich gehalten, die Abhängigkeit von der Familie wird betont, die Liebesbeziehung steht sehr stark im Vordergrund und irgendwie fehlt die tiefgehendere Erzählweise eines Buches für Erwachsene. Ich möchte nicht falsch verstanden werden: Natürlich können auch Erwachsene sehr gut Jugendbücher lesen und ich mache es auch selbst sehr gern, doch aufgrund der Beschreibung habe ich einfach anderes erwartet. Andererseits sind die Protagonisten technisch gesehen alles andere als jugendlich, doch komischerweise habe ich sie vor meinem inneren Auge immer als Teenager gesehen. Man könnte auch anmerken, dass die Thematik mit Tod und Sterben, Bestattungen und „Zombies“ nicht ganz jugendgerecht sind, doch das finde ich nicht. Dieses Buch liest sich demnach so, als hätte eine Jugendbuchautorin zwanghaft versucht ein Buch für Erwachsene zu schreiben und dabei ein Buch kreiert, dass irgendwo in der Mitte verloren gegangen ist.
Nichtsdestotrotz ist das Buch gut geschrieben und es ließ sich gut und einfach weglesen. Die Zusammenhänge und Fakten über die Stadt und ihre Besonderheiten werden klar, wenn auch nicht in Gänze verständlich. Die Sprache ist einfach, doch frei von typischer Jugendsprache. Ab dem Punkt, als die Jagd auf die Toten losgeht ist das Buch auch spannend geschrieben, wenn auch das Finale etwas unklar geschildert wurde und dann auch ganz schnell abgehandelt wurde. Doch in dem Part, indem die beiden erfuhren, was ihre Bestimmung ist, kam kaum Spannung auf, da dem Leser von Anfang an klar war, was die Protagonisten noch nicht wussten. Dies empfand ich als schade, da man mehr hätte daraus machen können.
Das einzige, was mich wirklich gestört hat, war das Liebesproblem zwischen den Protagonisten. Sicher ist es nicht einfach den Freund der verstorbenen Stiefschwester zu lieben, doch wenn beide so offensichtliche Gefühle füreiander hegen und das über eine solch lange Zeit, dann sollte man sich nicht dagegen wehren und sich nicht so kindisch verhalten. Das ewige Gerede darüber ob sie ihn nun liebt oder nicht, ging mir mit der Zeit auf den Geist, da der Leser sehr schnell wusste, dass sie ihn sehr wohl liebt. Fürchterlich…

Fazit: Graveminder ist der Versuch einer Jugendbuchautorin ein Buch für Erwachsene zu schreiben. Letztlich ist ihr ein unterhaltsames Jugendbuch mit erwachsenen Charakteren gelungen, die sich jedoch wie Jugendliche benehmen. Die Thematik hat mir gefallen, die Ausführung jedoch ist ihr zeitweise – besonders im Streit der beiden, ob sie sich nun lieben oder nicht – nicht gut gelungen. Dennoch ist das Buch gut geschrieben und man kann es leicht lesen. Für Jugendbuchfreunde auf jeden Fall zu empfehlen.

Bewertung_06_hBuchdaten: Graveminder – Melissa Marr
Originaltitel: Graveminder
Genre: Fantasy
Kartnoniert
400 Seiten
Piper
Erschienen: 12. November 2012
ISBN: 9783492268905
Preis: 12,99€

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