Wolfgang Hohlbein – Pestmond

Alte Stärken und neue Schwächen

PestmondPestmond ist der 14. Teil der Chronik der Unsterblichen um die Vampyre Abu Dun und Andrej. Zuerst noch auf der Suche nach dem Ursprung ihrer Unsterblichkeit, streifen sie nun durch die alte Welt und werden oft Zeugen wichtiger geschichtlicher Ereignisse oder beeinflussen sie sogar maßgeblich. Eine Auflistung der bisher erschienen Romane befindet sich unten.

Zum Inhalt: Verzweifelt hält Andrej seinen toten Waffenbruder in den Armen. Schon oft ist Abu Dun von ihm gegangen – und letztlich immer wiedergekehrt. Doch diesmal hat ein teuflisches Gift den Lebensfunken des Unsterblichen erstickt. In der hitzeflirrenden Wüste Ägyptens will Andrej seinen Freund beisetzen. Da trifft er auf einen geheimnisvollen alten Mann. Und der schlägt ihm einen unglaublichen Handel vor: Er verspricht, Abu Dun von den Toten zu erwecken, wenn er zuvor den Papst ermordet … (Quelle)

Andrej muss sich mit dem scheinbaren Tod seines jahrelangen Weggefährten Abu Dun abfinden. Unverhofft bekommt er Hilfe von einem alten Mann und dieser ist offenbar in der Lage Abu Dun am Leben zu erhalten. Nur damit liegt das Schicksal der zwei Unsterblichen auch in seiner Hand. Als Gegenleistung fordert er nichts Geringeres als die Ermordung des Papstes. Mit einer Einheit von Assassinen machen sie sich auf den Weg nach Rom. Unterwegs begegnen ihnen schreckliche Kreaturen, weder tot noch lebendig und Andrej wird gebissen. Etwas verändert sich in seinem Inneren, was ihn manches Mal im Kampf vor sich selbst zurückschrecken lässt. Kann er diese Macht bezwingen?

Horrorbienes Meinung: Jetzt mussten wir schon länger als üblich auf den neuen Band der Chronik der Unsterblichen warten und nun würde ich ihn am liebsten gegen die Wand werfen. Ich kann einfach nur noch mit dem Kopf schütteln, was Hohlbein aus dieser wunderbaren Serie gemacht hat. Mal ganz davon abgesehen, das WIEDER EINMAL das Buch mit einem anderen Klappentext (Klick) angekündigt wurde! So etwas kann ich einfach nicht ausstehen. Es scheint, als hätte der Autor während des Schaffens mal wieder seine erste Idee gekippt und völlig von vorn begonnen, was die verspätete Veröffentlichung erklären würde, aber das allein lässt mich kein Buch an die Wand werfen. Es ist nun aber leider so, dass ich hier nicht einmal ausführen kann, was mich genau an dem Buch gestört hat, da ich dadurch einfach viel zu viel verraten würde. Was ich jedoch ohne etwas zu verraten sagen kann, ist dass es in Pestmond eine annähernd neue Form des Bösen gibt – die auch Seitenweise bekämpf wird – die jedoch nicht näher erklärt wird. Eine der neuen Figuren, die Abu Dun retten kann, weiß offensichtlich mehr, verrät aber nichts. Stattdessen vertröstet er Andrej immer auf einen späteren ruhigeren Zeitpunkt. Nur irgendwann scheint das Thema vergessen UND DANN IST DAS BUCH EINFACH SO ZUENDE!!! Da frage ich mich doch wirklich, ob das Ende wirklich so geplant war, oder ob einfach die Zeit vor der Veröffentlichung nicht mehr gereicht hat, ein vernünftiges Ende zu schreiben. Sicher endet das Buch mit einem – meine Meinung nach sehr unübersichtlichen – Finale, das eine Frage klärt, weitere 50 (siehe unten!) aufwirft und somit den Leser mit einem offenen Mund zurücklässt, aber dennoch ist es so, dass nichts abgeschlossen ist. Die Reise sollte ursprünglich in Rom enden, dort kommen sie aber nie an. Sie sollten den Papst ermorden, doch das hat sich zwischendrin auch geändert. Das Buch endet also in einem Moment, indem die Hauptfiguren überhaupt nicht wissen, wie es mit ihnen nun weitergeht. Dies führt dazu, dass wenn ich nun mit dem Wissen des Ausgangs, mir so manche Szenen im Buch anschaue, sie mir einfach nur unlogisch vorkommen. Außerdem scheint Ayla eigentlich eine wichtige Rolle gehabt zu haben – zumindest habe ich das immer vermutet, so ist sie ja auch anscheinend auf dem Cover abgebildet – aber dann auch hier: NICHTS! Ich könnte schreien. Außerdem ist es hier so, das wirklich der größte Teil des Buches nur aus Schlachtszenen besteht, das hat dazu geführt, dass ich so manchen Teil überflogen habe, einfach weil es mir zu langweilig wurde, obwohl das eigentlich gar nicht meine Art ist. Dennoch hat das Buch etwas, was die anderen Bücher der Chronik auch haben: Den bekannten Wortwitz, der sich aus dem Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller ergibt. Wenn dieser fehlen würde – was man zu Beginn vermuten musste – und dem Drang zu wissen, wie es mit den liebgewonnenen Figuren weitergeht, würde ich künftige Chronikbände lieber nicht mehr lesen. Doch dieses Ende hat dem ja entgegengewirkt: Ich muss nun einfach wissen, wie es weitergeht. Doch leider ist Hohlbein ein Autor, der dann solch aufgeworfene Fragen im nächsten Band leider nicht beantwortet, weil – so scheint es – er den roten Faden seiner mittlerweile 14-bändigen Reihe verloren hatdabei muss man sagen, dass dieser Band eingentlich prompt an das Ende des Vorgängers anschließt. Ich schätze, dass es sich mit dem nächsten Band, der hoffentlich kommen wird, auch so verhält. Eine kleine Serie in der Serie.

Horrorbienes Fazit: Das Buch ist theoretisch wie die Vorgänger auch ein typischer neuer Chronikband  mit denselben Stärken und Schwächen und nach einem ähnlichen Schema. Wer die anderen mochte, wird auch hier auf seine Kosten kommen. Dennoch bleiben hier einfach viel zu viele essentielle Fragen zurück, von denen zumindest einige hätten beantwortet werden müssen. So lässt das Buch mich sehr frustriert zurück, endet es doch einfach, zwar nach einem Sinnabschnitt, aber dennoch so, dass man denkt, ja jetzt kommt die Erklärung, jetzt wissen wir gleich wie es weitergeht, aber nein: ENDE. Der Eindruck, dass Hohlbein seine Chronik eher lieblos ohne Gesamtkonzpt schreibt bleibt leider nach wie vor erhalten. Dennoch, nach diesem Ende muss es einfach noch einen 15. Band geben, den ich dann auch lesen muss. Einfach auch, um die Fragen aus diesem Band (hoffentlich – wir kennen Hohlbein) erklärt zu bekommen.

Steppenwolfs Meinung: Es fällt mir zunehmend schwerer mir eine Meinung über die Chronik zu bilden. Ich bin immer wieder hin- und hergerissen. Also zunächst finde ich es einfach furchtbar ein Buch anzukündigen und dann den Klappentext später noch zu ändern, sowie das Cover und dann wird der Veröffentlichungstermin auch mal eben gute vier Monate nach hinten geschoben. Aber sowas in der Art gab es bei Band 12 Der Schwarze Tod ja schon einmal. Dieser war einer der schwächsten Bände der Chronik für mich. Aber wie verhält es sich nun hier?
Auch dieser Teil ist nicht gerade einer der stärksten geworden. Er sackt bei mir eher in den Durchschnitt ab. Es gibt ein paar positive Aspekte, welche mir bereits im vorigen Band aufgefallen sind. Hervorzuheben ist, dass Andrej und Abu Dun einfach wieder mehr Wortwitz verpasst bekommen haben, was mich an alte Chronik-Zeiten erinnern lässt, dann hat Andrej endlich mal keine Liebschaft, die ihm den Verstand vernebelt und zuguterletzt wäre da noch seine Wehleidigkeit, die mittlerweile abgestellt scheint. Endlich hat Andrej mal wieder etwas mehr Biss und ist nicht ständlig so kränklich und quängelig. Zwar passiert auch diesmal wieder was in seinem Inneren, das ist nichts Neues, aber wie ihn das nachhaltig noch beeinflussen, wird ist noch nicht klar. Das führt zu einem Punkt, der einen wahrlich sprachlos zurücklässt, denn das Buch hat kein wirkliches Ende, es wirkt eher so als höre es mittendrin auf. Offenbar hat die Handlung sogar derart gefehlt, dass der Name des Schiffes, auf dem Andrej und Abu Dun die meiste Zeit unterwegs waren, für den Buchtitel herhalten musste. Womöglich war aber auch einfach die Handlung ursprünglich ganz anders geplant, nur der Titel stand schon fest.
In Teil 13 Der Machdi gefiel mir die eingeschlagene Richtung und sie wird auch durchaus fortgeführt, nur leider sehr langsam. Es ist mal wieder so ein Band, indem man sprichwörtlich auf der Stelle tritt. Es gab zwar jede Menge Kämpfe gegen Kreaturen, die bislang noch nicht in der Chronik vorkamen, aber man erfährt praktisch nichts über sie, obwohl Andrejs und Abu Duns Begleiter Hasan was zu wissen scheint, sie aber mit Erklärungen immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. Ayla, seine Ziehtochter, muss einfach irgendetwas damit zu tun haben, aber sie verschwindet im Hintergrund, was verwunderlich ist, da ihr Konterfei doch offensichtlich das Buchcover ziert.
Eigentlich ist der Grundgedanke noch recht ansprechend, denn Hasan kann Abu Dun am Leben erhalten, dafür musste Andrej ihm lediglich versprechen den Papst umzubringen. Das klingt doch spannend, nur wenn die Protagonisten dann nicht mal bis Rom kommen und fast die ganze Zeit auf dem Schiff verbringen… Und man hat es kommen sehen, spätestens wenn nur noch 50 Seiten übrigbleiben und man sich fragt, wie daraus noch ein packendes Finale werden soll…
Nun ja, die Chronik ist ein permantes Auf und Ab. Nachdem es im letzten Band für mein Empfinden bergauf ging, geht es diesmal wieder bergab. Dennoch, gelesen habe ich auch diesen Teil gern, einfach weil ich mich im Verlauf der Chronik an Logikfehler gewöhnt habe und mich auch an wiederkehrenden Phrasen nicht sonderlich störe, welche hier abermals nicht so stark gesäht wurden wie noch in frühren Bänden. Was mir aber hier negativ auffiel ist der Schluss. Hohlbein kreiert zwar bislang immer ein sehr überraschendes Ende, nur wirkte es diesmal wirklich sehr arg konstruiert und auch unglaubwürdig. So blieb mir der Mund nach dem Zuklappen des Buchdeckels nicht vor Erstaunen offen stehen, sondern vor Entsetzen. Ich hoffe sehr, dass im Folgeband einiges geklärt wird und dieser damit zu einem würdigen Abschluss kommt, denn sonst macht diesen das leider noch schlechter.

Steppenwolfs Fazit: Wäre der Wortwitz nicht wieder da und Andrej und Abu Dun nicht in Bestform und das kann man dach den letzten Teilen der Chronik schon behaupten, dann wäre dieses BuchBewertung_06_s wahrscheinlich arg durchgefallen, da man abermals allerhand Fragen an den Kopf geworfen bekommt, während mit Antworten gegeizt wird und eine echte Handlung gibt es auch nicht. Hinzukommt das Fehlen eines Finales und dem daraus resultierenden offenen Ende, was eigentlich eher chronikuntypisch ist. Ich hoffe sehr, dass der nächste Teil sinnvoll an diesen anschließt und seine negativen Punkte ausbügeln kann.

Buchdaten: Pestmond – Wolfgang Hohlbein
Genre: Fantasy
Gebunden mit Schutzumschlag
544 Seiten
Lyx
Erschienen: 14. Februar 2013
ISBN: 978-3-8025-8840-2
Preis: 19,99€

Übersicht über die Reihe:

Am Abgrund Der Vampyr Der Todesstoß Der Untergang
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4
Rezension Rezension Rezension Rezension
Die Wiederkehr Die Blutgräfin Der Gejagte Die Verfluchten
Teil 5 Teil 6 Teil 7 Teil 8
Rezension Rezension Rezension Rezension
Blutkrieg Das Dämonenschiff Göttersterben Glut und Asche
Teil 8,5 Teil 9 Teil 10 Teil 11
Rezension Rezension Rezension Rezension
Der Schwarze Tod Der Machdi Pestmond Nekropole
Teil 12 Teil 13 Teil 14 Teil 15
Rezension Rezension Rezension Rezenion

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