Angélique Mundt – Nacht ohne Angst

Viel verschenktes Potential

Nacht ohne AngstZum Inhalt: In der Hamburger Universitätspsychiatrie wird eine Patientin erhängt aufgefunden. Die zuständige Thera-peutin Tessa Ravens kann nicht glauben, dass es sich um Selbstmord handelt. Als eine weitere Patientin brutal ermordet wird, scheint sich ihre Befürchtung zu bestätigen. Und auch Hauptkommissar Torben Koster merkt schnell, dass er hier mit gewöhnlichen Ermittlungsme-thoden nicht weit kommt. An Verdächtigen mangelt es nicht, doch welchen Aussagen kann man wirklich trauen und was davon ist paranoide Wahnvorstellung? Er ist auf Tessas Unterstützung angewiesen, doch die Suche nach dem Mörder wird für beide zur Zerreißprobe … (Quelle)

Meine Meinung: Dies ist eines der Bücher, auf die ich niemals aufmerksam geworden wäre, hätte ich nicht eine Mail vom Verlag bekommen und wäre der Klappentext nicht so überzeugend gewesen. Denn mal ehrlich: Weder Titel noch Cover sind für mich ansprechend. Im Buchhandel wäre mir dieses Buch niemals aufgefallen. Auch finde ich den Titel absulout unpassend. Ich kann beim besten Willen keinen Zusammenhang zwischen Titel und Inhalt feststellen – so etwas mag ich eigentlich gar nicht! Doch so konnte ich in den Genuss dieses Krimis kommen.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen Tessa Ravens eine der bahndelnden Ärzte an der Universitätspsychatrie und zunächst im vermeindlichen Suizid ermittelnde Kommissar Torben Koster. Da an der Klinik gerade eine Medikamentenstudie durcheführt wird, werden nach und nach interessante Verstrickungen des Falls deutlich. Auch die Mitarbeiter der Klinik tauchen auf, werden mitunter auch als potentielle Täter präsentiert, bleiben jedoch erstaunlich oberflächlich. So z.B. die Figur des Pflegeschülers Philip, der ganz offensichtlich nicht über einen ausreichenden Berufsethos verfügt und dennoch leider viel zu still und heimlich aus der Handlung verschwindet. Bei den Patienten verhält es sich ähnlich. Schön wäre es hier gewesen, zu den einzelnen Patienten, deren Verhalten und Diagnosen einen erklärenden Absatz einzufügen. Mit knappt 300 Seiten wäre ausreichend Potential bei der Länge des Buches gegegeben gewesen. Irgendwie kam mir dieses ganze Klinikgeschehen etwas oberflächlich wenn nicht gar einfallslos daher – das ist sehr schade, ist Frau Mundt doch eigentlich vom Fach. Dieser Vorteil könnte im folgenden Band, an dem sie laut im Buch abgedrucken Interview gerade arbeitet, noch wesentlich stärker ausgespielt werden.
Auch hätte ich mir gewünscht, dass zur Hauptfigur mehr Hintergrund beschrieben wird. Wenn ich es mir überlege, weiß ich eigentlich kau etwas über Tessa, obwohl eine sehr interessante Vergangenheit angedeutet wurde. Hier wurde sicher noch einiges für später aufgehoben, was diesem Buch aber nicht gut getan hat. Leider hat sich dieser Faktor auch ein bisschen auf den Fall ausgewirk. Zwar ist dieser plausibel und geschickt gestrickt, so dass ich gut miträtseln konnte, doch irgendwie fehlte nicht nur das gewisse Etwas noch, sondern auch die Spannung. Erst im Finale kam diese auf, doch dies hatte eher etwas mit der bedrohlichen Situtation, in der sie Tessa befand, als auf sich zuspitzende Ermittlungen, so dass es einem unter den Nägeln brennt, wer es denn nun der Mörder war. Hätte die Autorin von dem großangelegten Gentest abgesehen, wäre mehr Potential zum Spannungsaufbau gegeben gewesen. Aber ein solcher Gentest ist eigentlich viel realistischer, da er eine sichere Methode ist, den Täter zu überführen und sollte demnach viel häufiger in Krimis vorkommen – wenn er kein Spannungskiller wäre.
Außerdem habe ich bedauert, dass Hamburg hier leider keine wirklich große Rolle gespielt hat. Sicher, das Buch wurde auch nicht als Regio-Krimi vermarktet, dennoch finde ich geben regionale Anspielungen Krimis generell mehr Atmosphäre. Auf dieses Potential wurde nicht zurück gegriffen. Sicher wurden die einen oder anderen Virtel und andere Dinge benannt, aber dass Tessa ihre Muschel an der Ostsee sammelt, fand ich dann doch irritierend. Hier hätte ich mir mehr Hamburg gewünscht.
Einen letzten kleinen Kritikpunkt habe ich noch: Die Beziehung zwischen den beiden Hauptpersonen entwickelt sich für meinen Geschmack etwas zu rasant – wenn ich es auch teilweise nachvollziehen kann, sind beide in ihrer derzeitigen Situation doch unzufrieden. Dennoch wirkt es für mich so zu klischeehaft und künstlich. Aber auch hier ein „aber“: Der Ausgang dieser Entwicklung hat mir ausgesprochen gut gefallen, ist nun doch alles offen für den nächsten Band.
Bevor ich mit dem Lesen begann, fühlte ich ich durch den Klappentext etwas an die Anfänge der Kay Scarpetta-Serie von Patricia Cornwall erinnert – auch wenn dort die Hauptfigur eine Gerichtsmedizinierin ist, doch leider konnte dieses Buch dem Vergleich nicht mithalten. Noch nicht, denn Potential hat diese Serie auf jeden Fall!

Fazit: Nacht ohne Angst ist ein unterhaltsamer Kriminalroman, der in Hamburg spielt und seinen Dreh- und Angelpunkt in der Universitätsklinik hat. Auch wenn ich viele kleine Dinge kritisiert habe, ist Angélique Mundt ein authentischer und guter Krimi gelungen, in dem jedoch einiges Potential verschenkt wurde. Doch vielleicht wird dieses Potential im nächsten Band mehr ausgeschöpft. Ich werde diese Serie auf jeden Fall weiter verfolgen.

Bewertung_08_hBuchdaten: Nacht ohne Angst – Angélique Mundt
Genre: Kriminalroman
Taschenbuch
320Seiten
btb
Erschienen: 10. Juni 2013
ISBN: 978-3-442-74626-2
Preis: 9,99€

 

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