Royce Buckingham – Die Karte der Welt

Ein gelungenes Fantasy-Abenteuer wie im Rollenspiel

Die Karte der WeltZum Inhalt: Das Königreich Abrogan wird im Norden durch den Schleier begrenzt. Noch niemand, der ihn durchschritten hat, ist je zurückgekehrt. Als der junge Schweinehirte Wex wegen seines Zeichentalents aufgefordert wird, bei der Vermessung der Grenze zu helfen, freut er sich, sein ärmliches Dorf zu verlassen. Doch dann stellt sich heraus, dass er mit seinen Strichen auf der Landkarte den Schleier zurückdrängt. Dahinter wartet ein Land voller Abenteuer, neuer Gefährten – und ein alter, von Rachegedanken zerfressener Feind. (Quelle)

Meine Meinung: Ich habe von Royce Buckingham bereits Dämliche Dämonen gelesen. Das Buch ist mir in Erinnerung geblieben, als eines das mir nicht so recht gefallen hat, war es eher humoristische Fantasy. Als Buckingham nun mit Die Karte der Welt einen High-Fantasy-Roman geschrieben hat, der ebenso vielversprechend klang, wie das Cover hübsch ist, musste ich dieses Buch einfach lesen und dem Autoren noch eine Chance geben.
Die Idee, die sich hinter diesem Buch verbirgt ist weder bahnbrechend, noch neu, doch die Umsetzung stimmt. Das Buch lässt sich wunderbar einfach lesen und die Geschichte hat aufgrund der Länge auch ausreichend Raum zur Entfaltung. Beim Lesen kam ich mir manchmal so vor, als würde ich gerade bei einem Fantasy-Pen-and-Paper-Rollenspiel mitmachen, war die Geschichte doch ähnlich aufgebaut, wie ein solches Abenteuer. Eine Gruppe Abenteurer aller möglichen Rassen und Klassen machen sich gemeinsam auf den Weg eine Aufgabe zu erfüllen, nämlich den Rand des Landes Abogran zu kartographieren. Dabei ergibt es etwas völlig Neues, denn durch Wex‘ Fähigkeiten verschiebt sich der Schleier und damit die Grenze, welche nun erkundet werden will. Dabei entstehen neue Schwierigkeiten, die bewältig werden wollen, bevor man wieder nach Hause kann, um die Belohnung abzuholen. Sehr klassisch, sehr spannend und unterhaltsam. Der Schreibstil tat sein Übriges dazu bei, dass sich das Buch sehr einfach lesen ließ. Ich habe mich sogar ein paar Mal dabei erwischt, dass ich zwischendurch an die Helden der Geschichte denken musste, so unter dem Motto „Wie es da jetzt wohl weitergeht?“. Normalerweise habe ich solche Momente eher selten.
Dennoch gab es bei diesem Buch drei Dinge, dir mir nicht so gefallen haben. Als erstes sei genannt, dass die Charaktere trotz aller Ausführlichkeit und Atmosphäre zu oberflächlich geblieben sind. Die Tiefe hat trotz durchaus vorhandener Sympathie einfach gefehlt. Dies ist vor allem beim Hauptcharakter Wex sehr schade, doch er blieb mir einfach zu undurchsichtig. Dies kann ich vor allem an einem Punkt festmachen, was im Grunde auch gleichzeitig mein zweiter Kritikpunkt ist: Wex komisches Liebesleben. Nicht, dass er wirklich eines hätte, aber er kann sich einfach nicht wirklich entscheiden, welche von zwei Frauen er nun lieber mag. Mal ist es die, dann die andere, dabei ist er in einem Alter, da muss man solche Dinge nicht mehr so kindisch sehen, sondern einfach mal seinen Gefühlen trauen, doch dafür hatte Wex vom Autor einfach nicht ausreichend Spielraum zugeschrieben bekommen. So wirkte er einfach unreif, weil keine klare Tendenz zu erkennen war.
Der letzte Punkt, der mir nicht gefallen hat, war die Spannungskurve. Während des Buches musste sich die Gruppe oft aus einer brenzligen Situation befreien, oder ein Scharmützel überstehen, das führte zu verteilten Spannungspunkten im Buch, was mir eigentlich gut gefallen hat, da es im Rollenspiel auch so ist. Nur kam mir das Finale irgendwie zu spät – jetzt nicht zeitlich gesehen, so ein Finale gehört schon ans Ende – denn es hätte meiner Meinung nach mehr gewirkt, wäre es noch hinter der Grenze zur letzten Schlacht gekommen. So hatte ich eher das Gefühl, alles neigt sich dem Ende zu, weil alles gut ist und dann kommt der finale Schlag. Das passte mir gar nicht und ich habe mich dabei erwischt, dass ich das Finale eher überflog, weil ich von der Stimmung her schon durch war mit dem Buch. Das war für mein Empfinden gar kein gutes Ende für das Buch, doch das ist wirklich ein sehr subjektiver Eindruck. Manch anderem wäre es vielleicht gar nicht aufgefallen.

Fazit: Die Karte der Welt ist ein gut geschriebenes Buch mit vielen kleinen Spannungspunkten, dass mich sehr an ein Fantasy-Pen-and-Paper-Rollenspiel erinnert hat, was ich persönlich sehr mag. So ließ es sich prima lesen. Auch haben mich die Figuren und die Geschichte so mitgenommen, dass ich oft an das Buch denken musste. Dennoch gab es Dinge, die ich kritisieren musste, so z. B., trotz der Tatsache, dass ich mitgerissen wurde, die Oberflächlichkeit der Charaktere. Das hält mich aber nicht davon ab, eine mögliche Fortsetzung sehr gern lesen zu wollen.

Bewertung_08_hBuchdaten: Die Karte der Welt – Royce Buckingham
Genre: Fantasy
Taschenbuch

608 Seiten

Blanvalet

Erschienen: 15. Juli 2013

ISBN: 978-3-442-26884-9
Preis: 15,00€

 

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kathrin sagt:

    Wie sehr habe ich auch diese Rezension gewartet – und bin nun immer noch unentschlossen. Deine Kritikpunkte kann ich zum Teil nachvollziehen. Der Punkt mit dem Ende würde mich vermutlich weniger stören, die weniger tiefen Charaktere da schon eher. Bei Jugendbüchern kann ich über so etwas leicht hinweg sehen, aber „Die Karte der Welt“ richtet sich ja doch eher an ein erwachsenes Publikum – da sollten Charaktere schon etwas vielschichtiger sein. Und diese Dreierkonstellationen, die sich derzeit durch die Häflte der Fantasybücher und Dystopien ziehen, nerven mich auch schon so lange.

    Hach, was mach ich nun… vermutlich werde ich es irgendwann mal ertauschen oder holen, wenn es günstig zu haben ist. Ein Must-Have ist es aber aktuell nicht mehr.

    Aber etwas anderes: Du schreibst, du würdest eine eventuelle Fortsetzung lesen. Ist „Die Karte der Welt“ denn so offen, dass du automatisch von einer Fortsetzung ausgehst? Bzw. hat die Geschichte, deiner Meinung nach, viel Potenzial für eine Reihe?

    1. Kathrin sagt:

      ich meinte natürlich „AUF diese Rezension“, nicht „auch“… Manchmal machen die Finger und Tasten nicht das, was einem grad durch den Kopf geht 😉

      1. horrorbiene sagt:

        Wenn ich vom Handy aus kommentiere, kommt da zum Teil noch größere Quatsch heraus. 😉

    2. horrorbiene sagt:

      Zur Fortsetzung : Ich habe mal in einem Blogbeitrag so etwas in der Richtung gelesen und auf der verlagsseite steht es unter Reihen mit nur einem Teil. Der Homepage des Autor ließ sich nicht entnehmen, denn da fehlte dieses Buch komplett. Nicht genaues weiß man nicht… Das Ende ist auf jeden Fall abgeschlossen, so dass man eine Fortsetzung nicht bräuchte. Aber wie das so ist in der High Fantasy, wenn das Buch ein Erfolg wird…

      Die Charaktere in Jugendbüchern sind schon noch oberflächlicher.

      [kleiner Spoiler] Und die Dreiecks-Beziehung ist keine, weil sie es nicht bis zur Beziehung geschafft haben und das hat mich genervt. Das wollte ich in der Rezi nur nicht spoilern… 😉

      1. Kathrin sagt:

        Dann warte ich wohl doch erst einmal ab, ob daraus eine Reihe wird. Ich find es immer furchtbar, wenn ich nach der Lektüre eines Buches Jahre warten muss, bis ich die Fortsetzung lesen kann. Zum einen vergesse ich bis dahin so viel und zum anderen ist es mir auch schon passiert, dass ich während der Wartezeit das Interesse verloren habe. 😀

      2. horrorbiene sagt:

        Ja, das kenne ich auch. Ich muss mich immer wieder in eine Serie hinein fuchsen und dad nervt.

  2. Soleil sagt:

    Ich habe das Buch erst vor zwei Tagen überraschend geschenkt bekommen, nachdem es über Tausch nicht vernünftig zu kriegen war. So immens viele Fantasyneuerscheinungen gibt’s in diesem Jahr ja leider nicht. Es liegt zwar nicht ganz oben auf dem Zu-lesen-Stapel, aber ich freue mich trotzdem schon darauf, diesen Autor kennenzulernen.

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