Heike Eva Schmidt – Die gestohlene Zeit

Liest sich eher wie ein Jugendbuch

Die gestohlene ZeitZum Inhalt: Auf einer Bergwanderung im Jahr 1987 findet Emma einen geheimnisvollen Ring, nichtsahnend, dass dieser dem sagenhaften Zwergenkönig Laurin gehört. Zwei Mitreisende nehmen ihr den Schmuck ab und türmen, doch auf einmal taucht eine Horde Zwerge auf, die Emma in Laurins unterirdisches Reich verschleppen. Dort trifft sie Jonathan, ebenfalls ein Gefangener des Königs. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht, aber Laurin belegt sie mit einem grausamen Fluch. Zurück in der Oberwelt stellt Emma schockiert fest, dass inzwischen fast 30 Jahre vergangen sind. Um den Fluch zu lösen, müssen sie und Jonathan den Ring wiederfinden – aber wie sollen sie die beiden Diebe nach all den Jahren ausfindig machen? (Quelle)

Meine Meinung: Als ich den Klappentext gelesen habe, wollte ich das Buch unbedingt lesen. Die Idee eine bestehende Sage als Anhaltspunkt für einen Fantasyroman zu nehmen und sich nicht einfach eine komplette High-Fantasy-Welt komplett neu auszudenken hat mir sehr gut gefallen.
Das Buch beginnt auch eben mit der Sage um den Zwergenkönig Laurin und seinen Versuch die junge Similde zu ehelichen, was jedoch für ihn in einem lebenslänglichen Aufenthalt in einem Kerker endete. Zuerst war ich etwas geschockt, wie holprig sich die Sage liest, dachte ich noch, bereits den richtigen Buchtext zu lesen, doch schnell war klar, dass es sich nur um die tatsächliche Sage handelt und Schmidts Schreibstil bei weitem nicht so kurz angebunden, unpersönlich und holprig wie im Prolog ist, sondern eher im Gegenteil: Das Buch lässt sich prima herunterlesen und baut im Laufe der Geschichte ordentlich Spannung auf, so dass die Seiten nur so dahin fliegen und hätte ich mehr Zeit gehabt, hätten sich die Seiten auch an einem einzigen Tag wie von selbst gelesen. Die Charaktere waren zudem überaus sympathisch – auch in ihrer verfluchten Gestalt.
Allerdings bin ich auch etwas zwiegespalten. Für mich hätten die Charaktere auch ausfürlicher gezeichnet und beschrieben werden können, so dass sie noch plastischer wirken. So einen Kulturschock in einer anderen Zeit und zudem noch der Fluch, der auf den beiden lastet, hätte noch gravierender zu Buche schlagen müssen, wofür in der Geschichte noch mehr Raum hätte zur Verfügung gestellt werden müssen. Auf der anderen Seite war die Jagd nach dem Ring sehr lang und viele Elemente haben sich wiederholt, hier wäre Potential gewesen den Raum einzusparen, der für die Charakterentwicklung notwendig gewesen wäre. Zudem empfand ich die Handlung trotz aller Spannung als sehr vorhersehbar. Zwischendurch habe ich mich ernsthaft gefragt, wieso ich dieses Buch überhaupt noch lese, da mir klar war, wie es weitergeht und aufhört. Allerdings ließ sich der Text so einfach lesen, dass es nun auf die eine oder andere Stunde auch nicht mehr ankam. Da das Buch so stark vorhersehbar war, wirkt es wie ein modernes, langes Märchen. Zudem wirkt es eher wie ein Märchen für Jugendliche denn wie ein Fantasybuch für Erwachsene, was es meiner Annahme nach eigentlich sein soll. Doch Schreibstil, Alter und Verhalten der Protagonisten, deuten doch eher auf ein Jugendbuch hin. Der Punkt mit dem mangelnden Raum für die Charaktere verstärkt diesen Eindruck noch.
Was mir jedoch sehr gut gefallen hat, waren die Szenen, bei denen die Charaktere mit der technischen Entwicklung aus dem Jahre 2014 konfrontiert werden. Dies ergab sehr humorvoll geschilderte Passagen, bei denen ich lautstark lachen musste. Diese Anspielungen haben auch genau das richtige Maß getroffen: nicht zu viel, so dass es schon wieder platt wurde und nicht zu wenig, so dass der Zeitunterschied nicht deutlich genug herausgearbeitet wurde. Dennoch bin ich der Meinung, dass der ernste Part des krassen Zeitunterschieds keine ausreichende Präsenz zeigt.

Fazit: Die Lektüre von Die gestohlene Zeit hat mir sehr viel Freude bereitet und ließ mich des Öfteren lautstark lachen, wenn die Handlung doch auch sehr vorhersehbar war. Wer hier einen reinen Fantasy-Roman für Erwachsene erwartet, wird vielleicht enttäuscht sein, liest sich das Buch doch stark wie ein Jugendbuch und weist eine diesem Gerne angemessene Handlung und Charakterentwicklung auf. Da ich aber ein Buch für Erwachsene vermutete bin ich in diesen Punkten etwas enttäuscht worden. Wer jedoch Jugendbücher gern liest, der bekommt mit Die gestohlene Zeit einen wunderbar kurzweiligen und auch romantischen Roman.

Buchdaten: Die gestohlene Zeit – Heike Eva SchmidtBewertung_08_h
Genre:
Fantasy
Taschenbuch
448 Seiten

Knaur TB

Erschienen: 01. Oktober 2013

I
SBN: 978-3-426-51311-8
Preis: 12,99€

 

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. leseratteffm sagt:

    Klingt, als könnte es mir und meiner Tochter gefallen. Das ist doch eine schöne Rechtfertigung, um ein weiteres Buch zu kaufen :-).

    1. horrorbiene sagt:

      Wie alt ist denn deine Tochter? Nicht dass die Liebesszenen nicht zu viel sind – detailreich ist es zwar bei Weitem nicht, aber die beiden werden schon intim…

      1. leseratteffm sagt:

        13 Jahre??? Aber sie liest gerade auch „Game of Thrones“, das ist ja auch nicht unbedingt „jungendfrei“…

  2. katnissdean sagt:

    Klingt nicht schlecht ^^ Mit Jugendbüchern hab ich ja kein Problem. Und wenn man das vorher weiß, dass es so ist, wird man auch nicht enttäuscht 😉 Das Buch werde ich mir erstmal merken.

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