Patrick Rothfuss – Der Name des Windes

Zum Inhalt: »Vielleicht habt ihr von mir gehört« … von Kvothe, dem für die Magie begabten Sohn fahrender Spielleute. Das Lager seiner Truppe findet er verwüstet, die Mutter und den Vater tot – »sie haben einfach die falschen Lieder gesungen«. Wer aber sind diese Chandrian, die weißglänzenden, schleichenden Mörder seiner Familie? Um ihnen auf die Spur zu kommen, riskiert Kvothe alles. Er lebt als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean, bis er auf das Arkanum, die Universität für hohe Magie aufgenommen wird. Vom Namenszauber, der ihn als Kind fast das Leben gekostet hätte, erhofft sich Kvothe die Macht, das Geheimnis der sagenumwobenen Dämonen aufzudecken. (Quelle)

Poetisch… einfach tolle Fantasy

Steppenwolfs Meinung: Ich habe soviel Gutes über dieses Buch gehört. Es solle eines DER Fantasy-Bücher überhaupt sein. Dabei ist Patrick Rothfuss nicht der erste, der gar mit Tolkien verglichen wird. Schwierig, so dachte ich mir, werden die hohen Erwartungen zu erfüllen sein. Aber es ist tatsächlich gelungen.
Rothfuss hat einen ungemein tollen Schreibstil, so dass ich schon sagen muss, das Buch war ein außergewöhnlicher Lesegenuss. Eine gewaltige Sprache und ich vermag es eigentlich nur als poetisch zu beschreiben, ohne dabei alt oder überholt zu klingen. Der Lesefluss war nie gestört, auch dann nicht, wenn es seitenweise nicht recht voranging in der Geschichte. Dafür wird man aber mit ausführlichen Passagen belohnt, die die Atmosphäre verdichten und den Charakteren mehr Tiefe geben. Gewiss, man kann nicht abstreiten, dass es auch hin und wieder ein wenig langatmig war, jedoch fällt dies nicht so sehr ins Gewicht, wenn man das Buch zügig liest. Und auch diese Seiten sind einfach lesenswert. Kvothe auf seinem Weg in den ersten Lebensjahren als Jugendlichen zu begleiten, war eine spannende Reise.
Die Ich-Perspektive hat etwas sehr Reizvolles. Man hat die Möglichkeit noch intensiver mit dem Charakter mitzufühlen und sich somit auch noch eindringlicher mit ihm zu identifizieren. Viele Passagen, die von der Musik handeln und was sie in Kvothe bewegt haben mir aus der Seele gesprochen. Es ist so eindringlich geschrieben, dass man wahnsinnig gut in diese Welt eintauchen kann. Selten fühlte ich mich bei einer niedergeschriebenen Geschichte so nah dran am Geschehen.
Was das Buch zuätzlich auflockert, sind ein paar wenige eingebaute Lieder und was mir immer besonders gefällt, sind die kleinen Details, wie eigene Währung und Wochentage. Das trägt für mein Empfinden stark zur Atmosphäre bei.
Der Name des Windes bietet eigentlich alles was ein guter Roman haben muss. Es geht um Freundschaft und Feindschaft, Liebe und verlorenen Liebe, Hoffnung und Aufgabe, Erfolg und Scheitern. Was im Nachhinein auffällt ist, dass es keine klassische Spannungskurve gibt, Spannung ergibt sich allein aus dem Auf und Ab der Erzählung und funktioniert dabei besser als manch eine Geschichte mit spektakulärem Finale.
Einen der faszinierendsten Aspekte macht für mich Kvothes Klugheit aus. So öffnet sie ihm zwar viele Türen, aber sie ist ebenso der Quell für allerlei Anfeindungen, Missgunst und Neid. Es beweist, dass Intelligenz nicht alles ist. Natürlich hilft sie ihm oft, aber ist sie doch auch verantworltich dafür, dass Kvothe überhaupt in Schwierigleiten gerät.
Mehr kann ich eigentlich nicht darüber sagen, ohne zu viel vorwegzunehmen. Es ist eines dieser ganz besonderen Bücher, die einen noch lange beschäftigen und beim Lesen einfach nur Spaß gemacht haben.

Bewertung_09_sSteppenwolfs Fazit: Ein wundervolles Buch mit einer unglaublich schönen Sprache. Allerdings finde ich nicht, dass es den ständigen Vergleich mit Der Herr der Ringe nötig hat. Der Name des Windes unterscheidet sich schon gravierend davon und kann sich ohne weiteres selbst behaupten. Ein herausragender Roman und zum Glück gibt es schon die Fortsetzung.

Ein Held wird geboren

Horrorbienes Meinung: Der Name des Windes wurde bereits oft als DAS Debüt betitelt, ebenso wie DAS Fantasy-Highlight 2008. Dementsprechend musste ich das Buch nun auch endlich lesen. Ich erwartete dementsprechend High-Fantasy vom Feinsten und darunter verstehe ich, gut ausgearbeitete Charaktere, eine tiefgründige, atmosphärische Erzählung, Magie und einen guten, geladenen Spannungsbogen.
Der Aufbau des Buches hat mich sofort sehr angesprochen: Der Wirt steht im Fokus, doch noch ist kein Plot in Sicht. Eine weitere Figur, der Chronist, taucht auf und wird vom Wirt vor mysteriösen Wesen gerettet. Diese Szene offenbart, dass mehr hinter der Fassadedes Wirts eines ordinären, ländlichen und nicht sonderlich gut frequentierten Wirtshauses steckt. Offensichtlich ist er der sagenumwobene Held Kvothe. Sie treffen Absprachen und Kvothe ist bereit seine Lebensgeschichte zu erzählen, wenn der Chronist diese wortgetreu aufschreiben kann – dafür bräuchte er drei Tage. Die Geschichte, die er am ersten Tag erzählt kann man nun in Der Name des Windes nachlesen. Daraus ergibt sich auch der Untertitel: Die Königsmörder-Chronik Erster Tag und es ist klar, in welcher Form es weiter gehen wird, wobei der Teil mit dem Königsmörder noch unklar bleibt. Zwischendurch springt die Handlung zurück ins Wirtshaus und macht die Erzählung so schön plastisch.
Diese Art ein Buch aufzubauen finde ich persönlich wirklich überaus gelungen: Man kennt den fertigen Helden, mit dem jedoch etwas nicht ganz stimmt, und erlebt so nach und nach wie er zu dem geworden ist, der er ist – wobei der Leser die heldenhaften Geschichten um ihn nicht kennt. Dies erzeugt eine ungemeine Spannung, dass die Seiten nur sodahin fliegen. Kvothe – und damit Patrick Rothfuss – ist ein wahnsinnig guter Erzähler. Zwar schildert er die Erlebnisse in der Ich-Perspektive, jedoch ohne übermäßig viel aus seiner Gedankenwelt preiszugeben und dem Leser eine Meinung aufzudrücken. Er erzählt seine Geschichte mit dem aktuellen Wissen und sie ist so reflektiert aber dennoch wirklich ausdrucksstark. Teilweise wird dies ergänzt durch kurze Passagen, in denen Kvothe den Leser der Geschichte direkt anspricht und begründet warum er dieses oder jenes in der erzählten Form zusammenfasst. Dies wirkt beinahe real und macht unheimliche Freude beim Lesen. Er findet eine sehr gelungene Mischung aus detailverliebter Erzählung mit Tiefgang und Atmosphäre und nüchtern zusammen gefassten Passagen.
Damit einher gehen gut ausgearbeitete Charaktere, die dennoch viele Geheimnisse bereithalten und somit noch ausreichend Potential für die Folgeromane liefern. Die Feinde, die Kvothe aufgrund seiner Vergangenheit finden und ergründen möchte, sind noch nicht greifbar und sehr vage beschrieben. Dies entspricht dem Kenntnisstand des forschenden und suchenden Kvothe und ist daher sehr passend, doch die eine oder andere Sage wurde bereits über die Chandrian geschickt eingewebt. Auch wurde nicht auf einen Antagonisten verzichtet, der wirklich im weiteren Verlauf noch den einen oder anderen Stein in die Laufbahndes angehenden Arkanisten legen wird.
Dies führt mich gleich zu einem weiteren wichtigen Punkt: die Magie. Zwar ist von Beginn an klar, das Kvothe magiebegabt ist, und der Leser erlebt, wie er einen Teil der Magie – die Sympathie– bei seinem Lehrer und später an der Universität erlernt, doch die wirkliche Namens-Magie wird bisher nur am Rande erwähnt. Dies finde ich durchaus schade, dennoch entspricht dies Kovothes aktuellem Stand, unglücklich gewählt ist nur der Titel des Buches, der suggeriert, dass dies ein Schwerpunkt der Geschichte sein könnte.
Doch der einzige wirkliche Kritikpunkt ist der Spannungsbogen. Zwar wird durch die Erzählung des älteren Kvothe über sein noch in der Entwicklung befindenden Selbst eine gelungene Spannung aufgebaut, leider überträgt sich diese nicht auf die Handlung der Geschichte. Zwar gibt es eine Art Höhepunkt gegen Ende, aber dieser hätte noch spektakulärer und heldenhafter geschildert und ausgeschmückt werden können – sicher, dies widerspräche Kvothes Bild von sich selbst, aber es hätte dem Leser ein spannendes, der Qualität des Buches angemessenes Ende verpasst. So hat man das Gefühl, die Geschichte plätschere nur vor sich hin, obwohl dies nicht der Wahrheit entspricht, denn bei vielen einzelnen Episoden fiebert man mit Kvothe wirklich mit, nur sind diese Szenen meist nicht das, was man sich von spannender Fantasy verspricht. Es gibt demnach keinen Spannungsbogen, der sich über das gesamte Buch spannt, dennoch viele einzelne spannende Episoden. Da Kvothe selbst davon spricht, damit nun die Grundlagen gelegt zu haben, passen somit Inhalt und Stil zu 100 Prozent zusammen und mehr kann man nicht verlangen.

Horrorbienes Fazit: Ich kann nun absolut nachvollziehen, was all die Leser so wundervoll an diesem Buch finden und mich trotz meiner hohen Erwartungen nicht enttäuscht hat: Das Buch hat gut ausgearbeitete Charaktere, die noch viele offene Fragezeichen hinterlassen, die es in den Fortsetzungen zu ergründen gibt. Das Buch hat eine wirklich ausgesprochen athmosphärische Erzählung bei der sich tiefgründige mit zusammengefassten Abschnitten hervorragend ergänzen und man praktisch in die Erzählung eintaucht. Dem gegenüber stehen eine, für meinen Geschmack, nach dem Titel des Buches zu kurz gekommene Magie und der leider etwas sparsam ausgefallene Spannungsbogen. Dennoch ist Der Name des Windes so gut geschrieben, dass man es einfach mögen muss – wenn manein Freund der High-Fantasy ist – und ich mich riesig freue, da ich den nächsten (halben) Tag der Erzählung schon bereit liegen habe.

Buchdaten: Der Name des Windes – Patrick Rothfuss
Aus der Reihe: Die Königsmöder-Chronik
Genre: Fantasy
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
863 Seiten
Hobbit Presse bei Klett Cotta
Erschienen: 19. September 2011
Originaltitel: The Name of the Wind. The Kingkiller Chronicle: Day One
ISBN: 978-3-608-93815-9
Preis: 24,95€

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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. bellexr sagt:

    Hi,
    nach Deiner Rezi bin ich jetzt noch gespannter auf das Buch!! Eine Freundin von mir hat es sich nämlich gerade gekauft und will es zwischen den Jahren lesen (ich hoffe es für sie, sonst gibt's jetzt Ärger *grins*) und dann mir geben.

    Lass Dir liebe Grüße da,
    Isabel

  2. Hey:)
    Ich liebe dieses Buch, es gehört defivitiv mit zu meinen aller Liebsten<3 Eine sehr schöne Rezi !

    Liebe Grüße

  3. horrorbiene sagt:

    Danke für das Lob! 🙂 Ich freu mich schon auf die Fortsetzung – habs noch nicht geschafft anzufangen… typisch vor Weihnachten! 🙂

    @Isabel: Ich hoffe deine Freundin hat zwischen den Jahren mehr Zeit!

  4. Paramantus sagt:

    Es stimmt, der Spannungsbogen lässt zu wünschen übrig, aber das fand ich überhaupt nicht schlimm. Ich würde sogar sagen, in dem Buch passiert ausgesprochen wenig – was es jedoch so toll macht, ist die Art und Weise wie es geschrieben ist. Das ist die Art von Buch, die es schafft eien als Leser komplett in eine andere Welt zu entführen. Man liest nicht nur, sondern man IST wirklich mittendrin im Geschehen. Das schaffen nicht viele Autoren und daher ist Patrick Rothfuss zurecht so hoch gelobt worden! 🙂

    1. horrorbiene sagt:

      Damit hast du recht. Das Lesen an sich hat mir auch gerade deswegen Spaß gemacht, dennoch gibt es in dem Bereich noch bessere wie ich finde. Z.B. Sandersons Sturmlicht-Chronik (Der Weg der König/Der Pfad der Winde)

  5. lesenundmehr sagt:

    Hm… ich habe ja nun die Fortsetzung schon gelesen. Allerdings hört es sich an, als ob ich den ersten Teil auch noch lesen sollte 😉
    Ich finde übrigens auch nicht, dass sich Patrick Rothfuss mit Tolkien messen muss. Die Werke sind nicht direkt vergleichbar…

    1. Steppenwolf sagt:

      Ja, ein Tolkien-Vergleich kurbelt wohl den Verkauf an. 😉 Es sind ja schon einige mit ihm verglichen worden, aber die sind auch alle sehr unterschiedlich.

  6. Marco sagt:

    Tolkien vergleich hmm..kann ich jetzt auch nicht nachvollziehen. Aber ich habe den ersten und zweiten Teil gelesen und die Bücher sind einfach super. Trotz der nicht “reißerischen” Story ist das Buch durchweg abwechslungsreich und spannend. Ich hoffe allerdings das im dritten Teil die “Danna” Beziehung mal ein bisschen nachlässt

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