Frank Schätzing – Der Schwarm

Ein Buch, das im Gedächtnis bleibt

Der SchwarmZum Inhalt: Ein Fischer verschwindet vor Peru, spurlos. Ölbohrexperten stoßen in der norwegischen See auf merkwürdige Organismen, die hunderte Quadratkilometer Meeresboden in Besitz genommen haben. Währenddessen geht mit den Walen entlang der Küste British Columbias eine unheimliche Veränderung vor. Nichts von alledem scheint miteinander in Zusammenhang zu stehen. Doch Sigur Johanson, norwegischer Biologe und Schöngeist, glaubt nicht an Zufälle. Auch der indianische Walforscher Leon Anawak gelangt zu einer beunruhigenden Erkenntnis: Eine Katastrophe bahnt sich an. Doch wer oder was löst sie aus? Während die Welt an den Abgrund gerät, kommen die Wissenschaftler zusammen mit der britischen Journalistin Karen Weaver einer ungeheuerlichen Wahrheit auf die Spur. (Quelle)

Meine Meinung:  Ich habe das Buch aufgrund einer Empfehlung einer Kollegin gelesen. Sie meinte, Der Schwarm sei ein Buch, dass man nie vergisst. Nach der Lektüre verstehe ich nun auch, was sie meint. Allerdings fühlte ich mich zuerst durch die schiere Größe des Buchs völlig erschlagen: 998 Textseiten und die sind auch noch wirklich eng beschrieben, nicht so wie z.B. das Standard-Taschenbuch. Dann habe ich begonnen zu lesen und empfand es als sehr anstrengend. Dies hängt jedoch mit dem Genre zusammen. Ich liebe das Fantastische. Ich kann in fremden Welten versinken, nur leider nicht in realen fremden Welten. Bei Beschreibungen von anderen Kulturen, deren Lebensweise und -Umgebung kann ich bei weitem nicht so viel abgewinnen, wie einer äquivalenten fanatsischen Beschreibung. So thematisiert der Prolog des Buches einen südamerikanischen Fischer, der noch nach alter Tradition fischt in einem nicht enden wollenen Sermon über die Kultur etc., bis es zu einem tödlichen Kontakt mit dem kommt, um das es in diesem Buch geht: Der Schwarm. Doch zum Glück nahm danach der Thriller die Oberhand und der langsame Aufbau der Geschichte und damit auch die Bedrohung aus dem Meer hat mir dann sehr gut gefallen, dass ich nach der anfänglichen Skepzis das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte.
Das Buch ist in fünf Teile plus Prolog und Epilog eingeteilt, wobei der erste Teil den größten Raum im Buch einnimmt. Gerade der erste Teil hat mir durch die Atmosphäre sehr gut gefallen. Der Leser lernt die beiden Hauptpersonen Leon Anawak und Sigur Johanson in deren jeweiligen Perspektiven näher kennen und forscht mit ihnen gemeinsam bei deren jeweiligem Schwerpunkt. Dieser Teil und überhaupt das gesamte Buch ist durch diesen Forschungsaspekt sehr wissenschaftslastig, doch die Beschreibungen stehen niemals ohne Erklärungen da, so dass ich zu keiner Zeit das Gefühl hatte, etwas nicht zu verstehen. Gerade dieser Wissenschaftsaspekt verleiht diesem Buch noch mehr Tiefe und Atmosphäre. So erforscht der Leser mit Anawak die Intelligenz von Walen und mit Johanson ergründert er die kleinen unscheinbaren Würmer, die vor dem norwegischen Schelf bei der Erkundung für eine neue Ölförderungsanlage entdeckt wurden. Dabei wird deutlich, wie sehr der Mensch in das unheimlich komplexe Ökosystem Meer eingegriffen hat und dies auch weiterhin tut ohne über Folgen und Konsequenzen nachzudenken. Nun schlägt das Meer offensichtlich zurück und die Menschheit ist hilflos.
Der erste Teil endet sehr fulminant indem Nordeuropa Opfer einer riesigen Katastrophe wird. Gerade diese Katastrophe hat Schätzing mithilfe seiner Figuren so plausibel und bedrohlich geschildert, dass ich wirklich wie gebannt auf dem Sofa saß und die Angst der Charaktere regelrecht selbst fühlte – so wie es sich für einen guten Thriller gehört. Diese Schilderung hat zudem eine passende Länge und war für mich eindeutig der Höhepunkt des Buches.
Im zweiten Teil, als die Bedrohung überdeutlich war, formierte sich nun unter der Leitung des amerikanischen Militärs ein Team von Wissenschaftlern die nun gemeinsam arbeiten, herauszufinden, wer oder was nun wirklich die Bedrohung ist. Im Laufe dieses Teils wird gerade von den Figuren des US-Militärs die besondere Bedeutung der USA bei der Rettung der Erde betont, wie es so oft im Film auch der Fall ist. Gegen Ende wird jedoch klar, dass dies nicht als Verherrlichung der USA gedacht ist, sondern eher als Kritik an deren nationalem Selbstbewusstsein, was mir sehr gut gefallen hat.
Zwischendrin erfährt man auch die Herkunft Anawaks, aus der zuerst lange ein Rätsel gemacht wurde: Anawak ist ein Inuk und der Tod seines Vaters veranlasst ihn sich endlich mit seiner Vergangenheit und Herkuft auseinanderzusetzen, indem er seine Heimat besucht. Der Leser bekommt durch die Schilderung seiner Reise einen stimmungsvollen Einblick in das Leben der Inuit im Nordosten Kanadas. Dies hat mich so beeindruckt, dass ich danach sehr lange mit Google Maps die Gegend dort erkundet habe. Obwohl mir dieser Einschnitt im Grunde sehr gefallen hat, habe ich ihn dennoch als störend empfunden. Sicher war dies gut, um Anawaks Entwicklung zu verstehen und eine Kultur darzustellen, die einen ganz anderen Umgang mit Natur und Meer hat, dennoch wollte ich wissen, wie es mit der Forschung weitergeht und nicht Anawak auf seiner Selbstfindungskur begleiten. Dieser Abschnitt hätte daher ruhig etwas kürzer ausfallen dürfen.
Doch leider folgt einem durchaus spannenden Finale ein Schluss, der mir nicht wirklich gefallen hat. Zum einen, weil einfach zu viele Charaktere unter blöden Umständen sterben mussten und die finale Aktion von jemanden geführt wird, der irgendwie die ganze Zeit keine wirklich wichtige Rolle spielte – ein Nebencharakter eben. Zudem habe ich nach all den wissenschaftlichen Erklärungen vorher die Begrüdnung der Vorgehensweise, die dann letztlich die Erlösung bringen soll nicht verstanden bzw. nachvollziehen können, weil ausgerechnet dies nicht ausführlich beschrieben wird. Sicher, es war der Eifer des Gefechts, aber dennoch hat mich dies gestört. Darüber kann man jedoch noch hinweg sehen, aber dieses führte zu Gequatsche mit sich selbst und diese eigenartigen Gegdankengänge auf dem Weg im Tauchboot in die Tiefe, die mir zu wirr erschienen und mir beim Lesen auch keinen Spaß gemacht haben. Ebenso finde ich den Epilog unpassend. Es ist zwar schön zu erfahren, wie es ein Jahr später aussieht, aber wie Schätzig dies darstellt, hat mir nicht gefallen.

Fazit: Der Schwarm ist ein atmosphäisch dichter und spanneder Thriller mit dem Schwerpunkt auf maritimen Wissenschaften. Die Bedrohung aus dem Meer hat Schätzig sehr authentisch und bedrohlich rüber gebracht und totz der vielen Seiten so viel Spannung erzeugt und zum Nachdenken angeregt, so dass Der Schwarm tatsächlich ein Buch ist, dass einem im Gedächtnis bleibt. Allerdings haben mir Finale und Epilog leider nicht zur Gänze zugesagt. Dennoch ist Der Schwarm ein Werk das bewegt, selbst mich, die sich von solchen Gernes eigentlich nicht so schnell beeindrucken lässt.

Bewertung_08_hBuchdaten: Der Schwarm – Frank Schätzing
Genre:
Science-Fiction-Thriller
Gebunden
1008 Seiten

Kiepenheuer und Witsch

Erschienen: 17. Februar 2004

I
SBN: 978-3-462-03374-8
Preis: 24,95€

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. laberladen sagt:

    Ich warte schon sooo lange darauf, dass es mit der Verfilmung was wird. Normalerweise denke ich, dass die Filme schlechter sind als die Bücher, aber hier kann ich mir sehr gut einen Weltuntergangsfilm von Emmerich-Ausmaßen vorstellen. Noch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben.

    1. horrorbiene sagt:

      Stimmt, hier kann ich mir auch gut einen Film vorstellen. Wie weit ist denn die Planung oder gar Umsetzung, weißt du das?

      1. laberladen sagt:

        Seit Jahren gibt es immer wieder mal Gerüchte, dass bald die Dreharbeiten beginnen … und dann klappt es doch wieder nicht. Sogar Schätzing selbst hat sich schon positiv zum Thema Verfilmung geäußert, so dass man sagen kann, er ist wohl auch daran interessiert. Woran es scheitert, kann ich gar nicht sagen. Soweit ich weiß, wird noch nicht mal gedreht. Das finde ich extrem schade, aber es bleibt uns eben nur, geduldig abzuwarten, ob und wann es was wird.

  2. katnissdean sagt:

    Das Buch habe ich vor Ewigkeiten gelesen und fand es auch richtig richtig gut. Die Seitenzahl hat mich nichtmal abgeschreckt, wobei ich damals noch ein Teenager gewesen sein dürfte. Hatte schon immer ein Faible für besonders dicke Bücher 😀

    Schön, dass es Dich doch noch überzeugen konnte 🙂

  3. KreaMa sagt:

    Ich schleiche schon ewig um dieses Buch herum, bin aber immer noch so unschlüssig, ob ich mich daran wagen soll, vor allem weil ich noch so viele andere Bücher auf meinem SUB hab. Deine Rezi lässt das Buch aber auf jeden Fall wieder etwas weiter nach vorne wandern auf der WuLi.

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