Mechthild Borrmann – Der Geiger

Ein mitreißender Krimi

Der GeigerZum Inhalt: In einer Nacht im Mai 1948 verliert der begnadete Geiger Ilja Grenko seine beiden wertvollsten Schätze: seine Familie und seine Stradivari. Erst dem eigensinnigen Sascha Grenko, Iljas Enkel, wird es viele Jahrzehnte später gelingen, Licht in das grausame Geschehen von damals zu bringen. Doch der Preis dafür ist hoch – viel zu hoch … (Quelle)

Meine Meinung: Ich bin auf dieses Buch durch Werbung für eine Lesung der Autorin aufmerksam geworden. Da ich solche gern besuche, habe ich dieses Buch gelesen – zum Glück – denn aufgrund der Beschreibung und des Covers hätten wir sonst sicher nicht zusammengefunden.
Dieses Buch ist kein klassischer Krimi, denn einen ermittelnden Polizisten gibt es hier nicht. Stattdessen erlebt der Leser, wie Sascha Grenko, aufgrund eines Hilfegesuchs seiner Schwester aufgescheucht, sich aufmacht, um das Rätsel um die verschwundene Stradivari seines Großvaters zu lösen. Eingewoben in diese Geschichte sind Abschnitte aus der Vergangenheit: einmal aus der Perspektive des Großvaters Ilja und aus der Perspektive der Großmutter Galina. So fügt sich nach und nach die Familiengeschichte der Grenkos zusammen. Gut gefallen hat mir die Tragik, die man am Ende des Buches bei der Auflösung erkennt und die hinter der gesamten Familiengeschichte steckt. Dies kam besonders gut zur Geltung, da die historische Erzählung nicht chronologisch gradlinig verläuft, sondern die Zeit hin und her springt. Der Leser bekommt auf diese Weise genau so viele Informationen und Puzzleteile des Ganzen, wie es die Autorin gerade für richtig hält, um gekonnt Atmopshäre zu schaffen. So setzt sich nach und nach das Puzzle zusammen, ohne dass der Leser jedoch den Überblick der Erzählung verliert. Dies hat mir sehr gut gefallen.
Ohnehin habe ich das Buch von der ersten Seite an sehr mitreißend empfunden. Ich wollte unbedingt wissen, wie das Buch ausgeht und wo die Stradivari ist. Dies finde ich besonders erwähnenswert, da ich eigentlich kein Fan dieser Thematik bin – ich kenne mich mit klassischer Musik und den entsprechenden Instrumenten schlicht zu wenig aus – zudem ist russische Geschichte auch nicht unbedingt mein Fachgebiet. Dennoch hat es die Autorin durch ihren Schreibstil geschafft, mich in den Bann dieses Buches zu ziehen. Dass die Geschichte in nur 300 Seiten erzählt ist, trägt sicherlich auch einiges zur Spannung bei, denn Langweile kommt hier bei weitem nicht auf.
Auch wenn russische Geschichte nicht ganz so meins ist, so ist dieser Teil jedoch erschreckend realistisch geschrieben. Ich bin nicht ausreichend in die Thematik eingearbeitet und kann daher diesen Teil nicht so zusammenfassen, wie es ihm gebühren würde, doch zu wissen, dass diese politischen Dinge und Ungerechtigkeiten passiert sind, hat mich durch diese Schilderung alles andere als kalt gelassen.

Fazit: Der Geiger ist zwar kein in meinem Sinne klassischer Kriminalroman, aber er ist so mitreißend geschrieben, dass ich ihn nicht aus der Hand legen konnte. Wer sich für die russische Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg interessiert und spannende Krimis mag, für den ist dieses Buch genau das richtige. Für alle andren – so wie für mich – ist es immer noch ein sehr empfehlenswerter mitreißender Roman.

Bewertung_09_hBuchdaten: Der Geiger – Mechthild Borrmann
Genre: Krimi

Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
304 Seiten
Droemer
Erschienen: 20. August 20132
ISBN: 978-3-426-19925-1
Preis: 19,99€

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kathrin sagt:

    Tolle Rezi! Ich habe das Buch auch schon öfters in der Hand gehalten, weil ich durch das Cover den Eindruck bekam, dass es kein klassischer Krimi ist (mit denen kann ich nämlich gar nichts anfangen). Aber der Klappentext hat mich – genau wie in deinem Fall – nicht neugierig genug gemacht. Nach deiner Rezension werd ich das Buch aber im Hinterkopf behalten, v.a. die historischen Aspekte, die Familiengeschichte und die wechselnden Perspektiven klingen nach einem Buch ganz nach meinem Geschmack 😀

    1. horrorbiene sagt:

      Danke. Ich finde das Buch lohnt sich wirklich und ein klassischer Krimi ist es ja nun wirklich nicht! 🙂

  2. Auch ich hielt den Geiger schon mehrfach in Händen. Nach deiner Rezension MUSS ich mir das Buch schleunigst besorgen 🙂

    1. horrorbiene sagt:

      Danke. Es freut mich, dass ich es dir so schmackhaft machen konnte!

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