Autorenlesung: Mechthild Borrmann – Der Geiger

Lesung Borrmann (7)Am letzten Mittwoch war es mal wieder soweit, in meiner Lieblings-Buchhandlung Decius in Delmenhorst wurde wieder eine Lesung veranstaltet und ich war dabei. Auf die Lesung aufmerksam geworden bin ich durch den Droemer-Knaur-Verlag, der mich zudem zu dieser Veranstaltung eingeladen hat, denn ohne diesen Hinweis, wäre dieses grandiose Buch wahrscheinlich an mir vorbei gegangen. Die Rede ist von Mechthild Borrmanns Krimi Der Geiger, den ich neulich bereits gelesen und rezensiert habe. >>klick<<

ISBN: 978-3-426-19925-1
ISBN: 978-3-426-19925-1

Zum Inhalt: In einer Nacht im Mai 1948 verliert der begnadete Geiger Ilja Grenko seine beiden wertvollsten Schätze: seine Familie und seine Stradivari. Erst dem eigensinnigen Sascha Grenko, Iljas Enkel, wird es viele Jahrzehnte später gelingen, Licht in das grausame Geschehen von damals zu bringen. Doch der Preis dafür ist hoch – viel zu hoch … (Quelle)

Lesung Borrmann (1)

Anlässlich des Erscheinens ihres Romans als Taschenbuch begab sich  Frau Borrmann auf eine Lesereise durch die Decius-Buchhandlungen im Norden und machte auch in der Filiale in Delmenhorst Halt. Dies war zwar nicht meine erste Lesung, dennoch war ich sehr erstaunt, als sich herausstellte, dass die Autorin mit dem Publikum vor der verschlossenen Eingangstür wartete und mit uns eingelassen wurde. Nicht nur das, anstatt sich in den privaten Räumen der Buchhandlung zu verkriechen war Frau Borrmann schon sehr früh im Verkaufsraum und hätte für Fragen sicherlich zur Verfügung gestanden, doch das Publikum wartete lieber geduldig mit Sekt oder Wasser auf den Beginn der Lesung, welche auch pünktlich anfing.

In der Lesung führte die Autorin die ca. 70 Zuhörer zunächst nach Moskau in die späten 40er Jahre, so dass wir die Verhaftung Ilja Grenkos noch einmal erleben konnten. Auch aus den anderen Erzählperspektiven las die Autorin Abschnitte vor und endetet mit Saschas Fund der Unterlagen im Schließfach, welche seine Schwester ihm vermacht hatte. Dabei wurde wieder deutlich, wie authentisch und ergreifend Der Geiger geschrieben ist, denn auch die Lesung zog das Publikum in seinen Bann, wobei ich sagen muss, dass Frau Borrmann gut vorlesen kann und selbst ein paar kleine Fehler, waren der Stimmung nicht abträglich.

Ich hatte das Buch bereits vorher gelesen, da ich eigentlich nicht der Fan solcher untypischen Krimis bin und wissen wollte, was mich da eigentlich erwartet. Dies hatte zwar den Vorteil, dass ich sehr wohl um die Qualitäten das Buches und des Finales wusste, das erneute Erleben der Geschichte empfand ich jedoch als ermüdend. Vielleicht lag dies auch daran, dass die Autorin praktisch 60 Minuten am Stück vorlas und ihren Vortrag nicht durch kleine Anektdoten auflockerte, wie es z.B. Sebastian Fitzek in seiner Lesung machte (>>klick<<). Für die nächste Lesung, werde ich das Buch eher nur anlesen, als es ganz durchzulesen – aber ich konnte gerade dieses eben einfach nicht mehr aus der Hand legen.

Mein Fazit: Der Geiger ist zwar kein in meinem Sinne klassischer Kriminalroman, aber er ist so mitreißend geschrieben, dass ich ihn nicht aus der Hand legen konnte. Wer sich für die russische Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg interessiert und spannende Krimis mag, für den ist dieses Buch genau das richtige. Für alle anderen – so wie für mich – ist es immer noch ein sehr empfehlenswerter mitreißender Roman.

Lesung Borrmann (6)Im Anschluss an die Lesung stand die Autorin für Fragen zur Verfügung. Ein Gespräch kam erst nur zögerlich auf, doch als es erst einmal in Fahrt kam, wurde deutlich, dass Frau Borrmann das Interesse der Anwesenden wecken konnte. Vor allem die realistische Beschreibung der Szenen in der Verbannung und im Lager hat das Publikum beeindruckt. Frau Borrmann, die bereits ihren ersten Roman bei einem Verlag untergebringen konnte, berichtet dabei auch von ihrer Vorgehensweise beim Schreiben eines Romans. Für diesen hat sie zwei Jahre gebraucht: eines für die Recherche und eines für das Schreiben. Für ihre Recherche ist sie 2009 nach Kasachstan gereist und hat dort mit Menschen gesprochen, die Ähnliches erlebt haben, daher wirkt ihre Beschreibung so realistisch: Sie hat sich nichts ausgedacht, sondern alles auf diesen Augenzeugenberichten aufgebaut. Auf das Thema dieses Buches ist sie nicht etwa gekommen, weil sie oder jemand aus ihrer Familie russische Wurzeln hat, sondern die Recherche zu ihrem letzten Roman haben sie auf diese Idee gebracht. So konnte die Autorin schon bereits das Thema ihres nächsten Projekts nennen: Es wird in der Ukraine in Tschernobyl spielen und auch wieder soziale Ungerchtigkeit thematisieren. Wie sie dies schilderte machte mir das nächste Buch  persönlich schon sehr schmackhaft. Am Ende des Gesprächs hat die Autorin ihre Werke noch signiert – so auch meines – und ein schöner Abend ging zu Ende.

Zu guter letzt habe ich mir noch den Krimi von Frau Borrmann mitgenommen, mit dem sie 2012 den Krimipreis gewonnen hat. Nachdem die Veranstalterin das Buch so interessant angepriesen hatte, musste ich es einfach haben. Dies habe ich mir dann aber nicht signieren lassen, schließlich wurde aus diesem Buch ja nicht gelesen:

ISBN: 978-3-86532-231-9
ISBN: 978-3-86532-231-9

Worum es geht: August 1939: In den Wirren des Zweiten Weltkriegs verlieren sich sechs junge Menschen in einem Netz aus Freundschaft, inniger Liebe und tiefgreifendem Hass. Was aber hat das mit Robert Lubisch zu tun, der beinahe 60 Jahre später im Nachlass seines Vaters, einem Industriemagnaten der Nachkriegszeit, den SS-Ausweis eines Unbekannten und das Foto einer schönen Frau findet? Lubisch’ Neugierde ist geweckt: War sein Vater doch nicht so makellos, wie er immer angenommen hatte? Und wer ist die Fremde? Auf der Suche nach Antworten stößt Robert Lubisch auf die ehrgeizige Journalistin Rita Albers, die sofort eine große Story wittert. Doch die Wahrheit lockt die Geister der Vergangenheit wieder hervor und zieht grausame Folgen nach sich. Lubisch ahnt, dass die Geschichte seines Vaters noch viel dunkler ist, als er befürchtet hat. Danach ist nichts mehr, wie es einmal war. (Quelle)

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Tanja sagt:

    Wunderschöne Einblicke!
    Danke für diese wundervolle Berichterstattung. Während eines Besuchs in unserer Lieblingsbuchhandlung in Schenefeld, erweckte das Buch vor allem Olivers Aufmerksamkeit. Er wollte mir das Buch geradezu unterjubeln. Wahrscheinlich wollte er schnell Nachhause. Bestimmt, weil ich schon etwas länger (man vergisst so schnell die Zeit) durch die schmalen Gänge schlich – auf der Suche nach ein paar ganz bestimmten Perlen. Vergebens. Das war jener Tag, man mag es kaum glauben, an welchem ich (wir) doch tatsächlich ohne Buch Nachhause fuhr(en). Und jetzt, wo ich lese, dass du das Buch für gut befunden hast, überlege ich, ob das nicht doch ein großer Fehler war.

    Und ja, wir sind wieder da. Vielleicht war ich zu hastig. Vor allem auch deswegen, weil ich sehr radikal vorgegangen war. Zwar war ich der felsenfesten Überzeugung, zumindest Olivers Rezensionen gesichert zu haben, aber dem war nicht so. Leider. Nun sind alle seine Rezensionen „futsch“. Das ärgert mich deswegen, weil in seinen Besprechungen so viel Leidenschaft zu spüren war.
    All seine Mühen waren für die Katz. Was solls: „Es ist wie es ist!“

    Auf jeden Fall sende ich euch liebste Grüße, auch im Namen von Oliver, wobei er schon in der Koje liegt und vor sich hinschnarcht.

    Bis dann!

    1. Steppenwolf sagt:

      Ach wie schön, der Lese-Leuchturm ist wieder da. 🙂
      Na dann: Willkommen zurück!

  2. Tanja sagt:

    Vielen Dank! *verbeug* 😉

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