George R. R. Martin – Das Lied von Eis und Feuer 5: Sturm der Schwerter

Ein Gefühl wie „nach Hause kommen“

Sturm der Schwerter ist der fünfte Teil des Epos Das Lied von Eis und Feuer. Dieses Buch beinhaltet die Seiten 1 bis 438 des Originals A Strom Of Swords und ist damit kein vollständiges Buch. Eine Liste aller bisher erschienenen Teile befindet sich unten.

Sturm der SchwerterZum Inhalt: Ein blutiger Bürgerkrieg tobt in den Sieben Königreichen. Robb Stark, der Herr von Winterfell, leistet dem tyrannischen Kind-König Joffrey Lennister hartnäckig Widerstand und lässt sich auch nicht dadurch in die Knie zwingen, dass seine Schwester vom König als Geisel gehalten wird. (Quelle)

Horrorbienes Meinung: Zumeist fällt es mir unheimlich schwer einen Teil einer Serie zu bewerten, ohne das große Ganze mit einzubeziehen. Gerade bei dieser Serie ist dies für mein Empfinden noch schwieriger, da sich die Geschichte vom Vorgänger hier nahtlos fortsetzt und alle Teile zusammen eine große Geschichte erzählen. Hier ist es gar noch schwieriger, ist es doch nur ein halbes Buch. Wenn man den Vorgänger schon mochte, könnte man hier nun höchstens Entwicklungen und Handlungen der Charaktere kritisieren.
Ich muss gestehen, ich habe die bisherigen Teile geliebt. Martin schreibt zwar sehr ausführlich und hat neben seinem Grundstock von Hauptcharakteren zahllose Nebencharaktere, die die Übersicht nicht gerade einfach machen, aber sein Schreibstil ist einfach mitreißend. Zwar ist er einfach und mitunter sehr ausführlich, doch schafft er es stets den Charakteren, durch deren Augen wir die Geschichte erleben dürfen, Leben einzuhauchen. Er schafft es sogar, dass manch vermeintlich böse Charaktere (z.b. Tyrion Lannister) mir ebenso sympathisch erscheinen wie manch guter. Anders herum ist es auch so. Vermeintlich gute Charaktere (z.B. Sansa) kommen unsympathisch rüber. Bei manchen Charaketeren schwankt die Sympathie von Handlung zu Handlung. Martin schreibt so seinen Charakteren jeweils eine gute und eine schlechte Seite zu. So wirken sie nicht nur echt, sondern weiß ich erhlich gesagt nie, wie die Geschichte nun weiter gehen soll, da nicht vorhersagbar ist, was die Charaktere als nächstes anstellen. Dies ist fast so wie im wirklichen Leben, nur wesentlich blutiger und fantastischer nd das Lesen wird zu einem Genuss. Nach der Lektüre von Band vier hatte ich eine Lange Pause, doch konnte ich schnell wieder in die Handlung hineinfinden. Es fühlte sich fast so an, wie wieder nach Hause zu kommen. Die Entwicklungen, die die Charaktere hier genommen haben, fand ich nachvollziehbar und zum Glück so manches Mal überraschend.
Das Problem bei einem Teil eines solches Epos ist es eindeutig, dass manche Charaktere in diesem Band nun selten zum Zuge kamen, was den Anteil ihrer Perspektive betrifft. So dauert es manchmal doch ganz schön lang, bis die Handlung an gleicher Stelle fortsetzt. Doch wenn man das Buch zügig durchliest steigert dies nur die Spannung. Ohnehin sind durch die verschiedenen Perspektiven immer mal wieder spannende Szenen eingebaut. Zwar gibt es so keinen Spannungsbogen – mal abgesehen von einem fehlenden Finale – doch für meinen Geschmack, braucht solch ein Buch dies auch nicht. Es ist vielmehr so, dass weiterlesen sich anfühlt wie einen guten Freund zu besuchen. Dennoch kann ein Buch aus diesem Grund für sich stehend nie die volle Wertung bekommen.
In diesem Band erleben wir erneut die Starks Arya, Sansa, Catelyn, Jon und Bran, sowie die Lannisters Jaime und Tyrion. Auch Davos und natürlich Danearys sind wieder dabei. Neu hinzugekommen ist diesmal Samwell, in dessen Perspektive der Leser erlebt, wie es der Truppe von der Nachtwache nach Jons Abschied ergeht. Was genau in ihren Passagen geschieht, mag ich gar nicht zusammenfassen, da jeder wirklich nicht oft drankommt und daher inhaltlich pro Person nicht viel passiert und jedes Wort zu viel vorwegnehmen würde. Ich kann nur noch einmal wiederholen, dass mir die Entwicklungen in diesem Buch durchweg gefallen haben.

Bewertung_09_hHorrorbienes Fazit: Sturm der Schwerter reiht sich nahtlos an seine Vorgänger an, was Qualität und Lesefreude angeht. Bisher war jeder Teil von Das Lied von Eis und Feuer ein Genuss und es ist mal wieder schade, dass das Buch bereits zu Ende ist.

Steppenwolfs Meinung: Man sollte keinen Teil der Reihe zu lange liegen lassen, denn nach einer gewissen Zeit fällt es schwer wieder einzusteigen. Ich habe dieses Buch gezwungenermaßen in vier Monaten gelesen, wäre lieber öfter zum lesen gekommen. So offenbarte sich allerdings auch eine für mich gravierende Schwäche, die ich in den Vorgängern noch nicht so sehr strak empfunden habe. Gerade der Mittelteil dieses Bandes ist recht langatmig und stellenweise passiert wirklich gar nichts. Wenn man dann also alle paar Tage mal in Ruhe ein Kapitel lesen will, erwartet man bald nicht mehr viel. Zumal es ewig dauert bis ein Charakter mal wieder am Zuge ist.
Die Handlung geht zwar voran, aber auch wirklich wahnsinnig langsam und zwischendurch immer wieder diese Einschübe mit Namen ohne Ende. Ich finde es ja hilfreich ein Glossar zum Nachschlagen zu haben, aber an die 40(!!) Seiten mit lauter Namen von zumeist unwichtigen Figuren… In den ersten Bänden habe ich das noch geschätzt, aber nun gibt es kaum noch eine Möglichkeit der wachsenden Komplexität Herr zu werden. Einzig eigene kurze inhaltliche Zusammenfassungen vermochten mir zu helfen den Faden nicht gänzlich zu verlieren.
Ich finde es einfach schade, dass das Werk an manchen Stellen so ausufert und das viel Unwichtiges erzählt wird und das hat für mich auch nichts mehr mit Atmosphäre und Detailreichtum zu tun. Hier war es mir einfach ein wenig zuviel von allem. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass auch inhaltlich genaugenommen wenig geboten wird. Ich habe mich ertsmals bei einem Teil dieser Reihe beim Lesen regelrecht gelangweilt. Fast wirkt es künzlich in die Länge gezogen.
In praktisch jedem Handlungsfaden werden Fragen aufgeworfen mit denen man dann erstmal im Regen stehengelassen wird und anstatt Aufklärung bekommt man meist noch mehr Fragen.
Überdies gab es aber natürlich auch Gutes in diesem Band, die neue Perspektive von Jaime Lennister hat mir gefallen und auch, die von Samwell Tarly. Nach dem enttäuschenden Mittelteil, waren die letzten 200 Seiten wieder besser und wenigstens ein paar unvorhergesehene Wendungen fanden statt. Das war noch nicht die große Spannung, aber das kann und wird sicherlich im Folgeband kommen. Hier liegt ja so gesehen auch nur ein halbes Buch vor. Der erste Teil des dritten Bandes des englischsprachigen Originals. Ich hatte ein ähnliches Gefühl wie bereits im dritten Teil, nur dass es hier noch stagnierender war. Ich hoffe diese zähe Vorbereitung lohnt sich. Gut geschrieben ist es nach wie vor und das vermag auch über manch langweiligen Abschnitt hinweg helfen. Nur weil ich etwas länger dran gelesen habe, möchte ich nicht unnötig abwerten und bemühe mich um eine etwas objektivere Sichtweise.

Bewertung_07_sSteppenwolfs Fazit: Sturm der Schwerter ist für bislang der schwächste Teil der Reihe, da die Handlung stark stagniert und man nur darauf wartet, dass endlich mal was passiert. Eigentlich ist es Meckern auf hohem Niveau, denn gut ist das Buch schon, nur ist es für Langsamleser nicht wirklich zu empfehlen, da zuviele Details und zunehmende Komplexität den Lesespaß eben auch druchaus trüben können. Wenn man aber zügig vorankommt, vermag man sicher die positiven Aspekte eher zu sehen.

Buchdaten: Sturm der Schwerter – George R. R. Martin
Genre: Fantasy
Original: A Strom Of Swords
Taschenbuch

768 Seiten

Blanvalet

Erschienen: Neuauflage 17. Oktober 2011

ISBN: 978-3-442-26846-7
Preis: 15,00€

Bisher in dieser Reihe erschienen:

Die Herren von Winterfell Das Erbe von Winterfell Der Thron der sieben Königreiche Die Saat des goldenen Löwen
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4
Rezension Rezension Rezension Rezension
Sturm der Schwerter Die Königin der Drachen Zeit der Krähen Die Dunkle Königin
Teil 5 Teil 6  Teil 7 Teil 8
Rezension Rezension  Rezension Rezension
Eis und Feuer 9 Eis und Feuer 10
Teil 9 Teil 10
Rezension Rezension

 

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Philip sagt:

    Tolle Rezi zu einem noch viel tolleren Buch! :)))

  2. leseratteffm sagt:

    Boah, Deine Rezi spricht mir aus der Seele ;-), aber ich hätte es nie so gut in Worte fassen können. Ich finde auch, dassdie Charaktere dieses Epos sich immer wieder überraschend verhalten und entwickeln, als hätten sie ein Eigenleben. Ich glaube, der Autor hat seine Figuren nicht wirkllich im Griff. 🙂 Aber das macht für mich den Reiz aus.
    VG

    1. horrorbiene sagt:

      Hui, danke für das Lob! Da freue ich mich sehr! 🙂

  3. Nemeryll sagt:

    Ich liebe, liebe, liebe die Bücher … in der alten Übersetzung 😦 Hab noch die alten acht Bände, und überlege jetzt hin und her, ob ich mir jetzt noch einmal die Neuauflage im Ganzen zu Gemüte führen soll. Da warte ich aber wahrscheinlich, bis alle Bände draußen sind, damit mir so etwas nicht nochmal passiert. Aber an und für sich eine grandiose Reihe und das Beste, was ich seit Langem gelesen habe!

    1. horrorbiene sagt:

      Ich habe bisher nur die neue Übersetzung gelesen. Wenn man die alte nicht kennt, ist die wirklich in Ordnung! Ich kann aber verstehen, dass die alten Hasen. dass nicht so empfinden. Hätte man mir die Namen mitten in der Serie geändert, würde mir die Übersetzung auch nicht gefallen! 😉

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