Diana Menschig – So finster, so kalt

am

Gruselige Märchen-Fantasy

So finster, so kaltZum Inhalt: Als Merle Hänssler nach dem Tod ihrer Großmutter in deren einsam gelegenes Haus im Schwarzwald zurückkehrt, findet sie im Nachlass ein altes Dokument. Darin berichtet ein gewisser Johannes, der Ende des 16. Jahrhunderts im Haus lebte, über merkwürdige Geschehnisse rund um seine Schwester Greta. Merle tut diese Geschichte zunächst als Aberglaube ab. Doch dann passieren im Dorf immer mehr unerklärliche Dinge: Kinder verschwinden, und auch das alte Haus selbst scheint ein seltsames Eigenleben zu entwickeln. Langsam, aber sicher beginnt Merle sich zu fragen, ob an Johannes’ Erzählung mehr dran ist, als sie wahrhaben wollte. (Quelle)

Meine Meinung: Dieses Buch läuft zwar bei Knaur unter dem Genre Fantasy, aber ich hätte es auch ohne zu zögern dem Horror zu sortieren können. Sicher, es gibt Schlimmeres und ich habe auch schon Schlimmeres gelesen und es passiert zu Beginn auch nicht viel, aber ich habe das Buch abends im dunkeln im verlassenen Haus gelesen (auch ohne Hunde) und ich muss schon sagen, dass ich froh war, als ich nicht mehr allein sein musste. Das liegt daran, dass dieses Buch nach meinem Empfinden äußerst stimmungsvoll geschrieben ist. Dabei wird die Geschichte aus zwei Perspektiven geschildert: Der Leser erlebt die Protagonisten Merle, wie sie vom Tod der Großmutter erfährt, in ihre Heimatstadt im Schwarzwald fährt und auf die Spur der Vergangenheit ihres Häuschens gerät und ganz nebenbei einen sehr interessanten Mann kennenlernt. Daneben gibt es Hans, den Stammvater der Familie Hänssler, der mit seiner Familie im Jahre 1598 im Schwarzwald lebt. Hans‘ Leben sollte sich völlig ändern, als der Vater eines Tages ein Mädchen von der Arbeit im Wald mit nach Hause bringt: Greta mit den pechschwarzen Augen. Es gibt demnach eine Perspektive in der Jetztzeit und eine im ferner Vergangenheit, die jedoch unmittelbar miteinander zu tun haben. Gefallen hat mir, dass diese beiden Erzählperspektiven optisch durch ein kleines Ornament voneinander getrennt sind. Gerade die Geschichte aus der Vergangenheit, die absichtlich stark an das Märchen Hänsel und Gretel erinnert, ist überaus stimmungsvoll und spannend geschrieben. Da die Autorin über einen flüssigen Schreibstil verfügt ließ sich dadurch das Buch sehr leicht lesen und ich hatte große Freude daran.
Überauß gelungen fand ich vor allem den Bezug zu Märchen, wenn auch nicht nur Hänsel und Gretel hier thematisiert werden, denn auch wenn dieses Märchen das Hauptthema darstellt, so werden auch andere Märchen miteinbezogen und die Märchenthematik an sich wird durch den Charakter des Doktor der Germanistik Jakob Wolff schön in Szene gesetzt. Letztgenannter Charakter ist der Autorin ebenfalls wunderbar gelungen. Merle engagiert Dr. Wolff, für Sie die gefundenen alten Dokumente zu untersuchen und die beiden finden zu einander. Dies geschieht jedoch keinesfalls platt oder kitschig, sondern eher recht ambivalent, denn auch Dr. Wolff ist ein sehr ambivalenter Charakter. Die Autorin lässt nicht nur ihre Hauptfigur im Dunkeln was die Gesinnung Wolffs angeht, sondern auch meine Gefühle gegenüber diesem Charakter änderten sich sehr häufig. Dies hat die Lesefreude auf meiner Seite sehr gehoben.
Was mir allerdings nicht so zugesagt hat war das Finale. Ich hätte es mir aufgrund des hohen Niveaus des Buches noch stimmungsvoller und spannender vorgestellt. Stattdessen wurde es mehr oder weniger in Häppchen abgehandelt, statt in einem großen Showdown zu enden und so empfand ich es leider als etwas unspektakuklär.

Fazit: So finster, so kalt ist ein sehr stimmungsvoller Roman mit Märchenthematik, der mir schaurig schöne Lesememomente bereitet hat. Den Reiz dieses Buches macht vor allem die Verbindung zur Vergangenheit und die Märchenthematik aus. Gut gelungen sind der Autorin zudem ihre Charktere. Auch wenn das Finale für mich etwas spannender hätte ausfallen können, so kann ich dieses Buch jedoch uneingeschränkt empfehlen für alle die mal gruselige Märchen-Fantasy lesen möchten!

Bewertung_09_hBuchdaten: So finster, so kalt – Diana Menschig
Genre: Fantasy
384 Seiten
Knaur
Erschienen: 01. April 2014
ISBN: 978-3-426-51493-1
Preis: 8,99€

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. leseratteffm sagt:

    Ha! Genau mein Beuteschema! 🙂 Das ist jetzt nun schon die zweite schöne Rezi, die ich zu diesem Buch lese und schwups ist es auf meinem WZ.
    Danke sehr ;-).

    1. horrorbiene sagt:

      Bitte sehr. 🙂

  2. katnissdean sagt:

    Ich fand ihr „Hüter der Worte“ eher gemischt gut, also storytechnisch gelungen und vom Stil her auch, aber der Protagonist ging mir ja so auf die Nerven xD Das scheint sich ja gebessert zu haben, Du bist ja definitiv begeistert 🙂

    1. horrorbiene sagt:

      Ja, mir hat es wirklich gut gefallen und deshalb habe ich mich auch nach anderen Büchern von ihr umgeschaut und dann leider etwas abgeschreckt von den schlechten Bewertungen des Erstlingswerkes. Bestimmt wird das nächste wieder gut! 🙂

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