Ich muss mal was loswerden…

Kennt ihr das auch, dass sich euer Leseverhalten ändert? Bei mir hat es sich mehr schleichend geändert und das nicht einmal heimlich. Bei mir war es mehr eine bewusste Entscheidung, dass sich etwas ändern muss.

Das Problem

Seit dem letzten Sommer bin ich Klassenlehrerin einer ersten Klasse (mit zusätzlicher Abordnung an eine andere Grundschule) und erst seit diesem Kalenderjahr fällt mir auf, wie viel Zeit und Energie diese neue Aufgabe frisst. Ich mag meinen Beruf sehr, aber dennoch merke ich, dass ich nachmittags auch Zeit für mich brauche und da ist Lesen genau das richtige für mich. Nur irgendwie ist es dazu gekommen, dass ich das Lesen nicht mehr wirklich genießen konnte, dass mir der Spaß am Lesen ein Stück weit abhanden gekommen ist, da es einerseits so viele tolle Neuerscheinungen gab, die ich mir auf eine Wunschliste geschrieben habe, die wuchs und wuchs, andererseits mich aber aus meinen Regal an die 500 Bücher anlachen, die ich mit Liebe ausgesucht habe, die aber aufgrund der dringenden Neuerscheinungen leider ein einsames Dasein fristen. Dieser Zwiespalt hat mich genervt und auch unter Druck gesetzt. Und dann – oh Schreck – kam auch noch der Wunsch bei mir auf, zum Erscheinen eines vierten/achten Teils die ganze Reihe vorher noch zu lesen. Re-Reads bei dem hohen SUB-Stand?! Ich habe es mir tatsächlich „gestattet“ und die Zwerge-Reihe von Markus Heitz nocheinmal gelesen, während ich die Albae in der richtigen Reihenfolge eingeschoben habe. Und siehe da, es hat Spaß gemacht.

Eine neue Richtschnur

Schon vor einiger Zeit ist mir daher bewusst geworden, dass ich einiges ändern muss. Als erstes habe ich meine Neuerscheinungswunschliste zu jedem Monatsanfang daraufhin untersucht, ob wirklich alle Bücher lohnenswert sind, oder ob sie erst einmal auf den „richtigen“ Wunschzettel wandern sollten und auch hier war deutlich: Die meisten Bücher „brauchte“ ich nicht wirklich und sie sind von der Liste geflogen. Nun habe ich viel weniger Zwang und kann neben den paar wenigen brandneuen Büchern pro Monat auch welche vom SUB lesen.
Zudem habe ich mir folgende Punkte als Richtschnur gesetzt, damit die Lesefreude erhalten bleibt:

  1. Die Bücher lesen, auf die ich auch wirklich gerade Lust habe und zur Stimmung oder Wetter/Jahreszeit passen.
  2. Brandneue Bücher nur dann bestellen, wenn es wirkliche Knaller sind…
  3. … oder Reihenfortsetzungen, die gelesen werden müssen.
  4. Reihen nur dann weiterlesen, wenn die Erinnerung noch ausreichend ist,
  5. sonst Reihenfortsetzungen auf den „richtigen“ Wunschzettel schreiben und erst dann lesen, wenn wirklich alle Teile erschienen sind.

Reihenfortsetzungen

Oh ja, Reihenfortsetzungen im Fantasy-Bereich sind auch so ein Stichwort. Bei Krimis habe ich das Problem nicht, da sind die alten Hintergründe nicht so massiv wichtig wie in der Fantasy. Momentan fällt mir vermehrt auf, dass ich so viele Reihen angefangen habe, dass ich zu den einzelnen eigentlich kaum noch Erinnerungen habe und ich dann ahnungslos die Fortsetzung lese und diese daher gar nicht wirklich zu würdigen weiß, auch wenn mir der letzte Band so gut gefallen hat. Das liegt zum einen daran, dass die Erscheinungsdaten so weit auseinander liegen, aber auch dass wenige Reihen wirklich außergewöhnlich gut sind, so dass die Fakten wirklich in Erinnerung bleiben. Mir fallen spontan nur drei Reihen ein, bei denen ich jeder Zeit weiterlesen kann/konnte, weil mir der Inhalt noch so vertraut war, eben weil dieser so intensiv war:

  1. Harry Potter – J K Rowling
  2. Das Geheimnis von Askir/ Die Götterkriege – Richard Schwartz
  3. Das Lied von Eis und Feuer – George R. R. Martin

Vielleicht würden mir auch mehr einfallen, doch die meisten, habe ich tatsächlich NACH dem Erscheinen aller Teile gelesen und daher kann ich das nicht mitzählen. Tatsächlich habe ich das früher immer so gehandhabt. Das Schwert der Wahrheit von Terry Goodkind z.B. habe ich erst gelesen, nachdem ich alle (damals waren es nur) 13 Teile hatte. Ebenso war es bei der Sequel-Reihe Sonea von Trudi Canavan und eigentlich allen Trilogien von Canavan. Daher warten auch noch so viele Bücher auf dem SUB auf mich. Die Serie von Peter V. Brett ist noch nicht abgeschlossen. Das Rad der Zeit ist noch nicht (in der Original-Ausgabe) vollständig erschienen. Aber manche warten eben bereits komplett auf mich: Die Elfen von Bernhard Hennen. Das Geheimnis der Großen Schwerter von Tad Williams. Die Tribute von Panem. Ich könnte ewig weiter aufzählen.
Um eben mehr Freude am Lesen zu haben, werde ich nun auch Wert darauf legen, die Reihen wieder zunächst zu sammeln bevor ich starte. Wohlwissend, dass es ein Griff ins Klo sein könnte und ich dann alle Bücher der Serie bereits habe. Oder ich warte zumindest solange, bis alle erschienen sind, bevor ich das erste kaufe. Ich könnte natürlich auch detaillierte Zusammenfassungen schreiben, doch das ist für mich zum einen vertane Zeit, zum anderen würde ich die Zeit lieber damit verbringen zu lesen, das ist daher auch keine Option.
Ich finde es gibt nichts Schlimmeres, was einem die Freude am Lesen vermiesen kann, als verblasste Erinnerungen an den vorangegangenen Band, da man es ja selber in der Hand hat.

Wie seht ihr das?

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15 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ich kann deinen Beitrag total gut nachvollziehen. Mittlerweile habe ich auch vor allem mein Kaufverhalten dahingehend geändert, dass ich nur noch ein Buch kaufe (und nicht mehr zwei oder drei auf einmal) und dieses auch nur dann, wenn ich es sofort lesen kann. Ich horte nicht mehr, sondern kaufe bewusst. Ich kaufe nicht mehr, um das Buch dann ins Regal zu stellen, sondern um es sofort zu lesen. Das macht viel mehr Spaß und am Ende auch viel weniger Stress…

    1. horrorbiene sagt:

      Respekt, dass du das so kannst! Irgendwann in 10 Jahren werde ich bestimmt auch soweit sein – dann wenn mein SUB ein normales Maß erreicht hat. Wenn denn 10 Jahre reichen…

      1. Mh, ja, irgendwie ist dann die Vorfreude auf das Buch einfach viel größer und es wird mehr gewürdigt, als wenn mehrere auf einmal gekauft werden und dann erst mal unbeachtet im Regal landen. 😉

  2. arwen1234 sagt:

    Ich kann es auch sehr gut nachvollziehen. Mit den Reihen geht es mir z.B. bei Skulduggery Pleasent so, ich habe schon im dritten Band die Übersicht verloren, hab den vierten und fünften zwar noch gelesen, aber mich dauernd gefragt, wer der und der jetzt gleich nocht war und wo da der Zusammenhang bestand und den letzten Band habe ich schon zweimal in der Stadtbibo vorbestellt, die Zeit des Abholens aber ungenutzt verstreichen lassen, weil ich es eigentlich gar nicht mehr lesen will. Es ist eine tolle Reihe, aber man muss eben dran bleiben und das will ich im Moment einfach nicht.

    1. horrorbiene sagt:

      Und man hat ja auch nicht immer die Zeit und Lust für den neuesten Teil, alle anderen noch einmal zu lesen!

  3. Friedelchen sagt:

    Ich kann dich voll verstehen. In letzter Zeit habe ich auch verstärkt zu Büchern gegriffen, auf die ich gerade Lust habe, nicht zu denen, die ich lesen „müsste“. Kaufen tue ich tatsächlich nur noch Bücher, die wirkliche Must-Reads sind, also z.b. Fortsetzungen, wo mich der Vorgänger wirklich geflasht hat.
    Und durch dich inspiriert gehe ich auch gerade einmal meine Amazon-Wunschliste durch und lösche fleißig. Denn mal ehrlich, einiges werde ich mir wohl doch nie kaufen…

    1. horrorbiene sagt:

      Schön, dass ich dich dazu inspirieren konnte! Mich kostet es immer noch Überwindung, aber es hilft!

  4. Kathrin sagt:

    Viel Erfolg bei deinem Vorhaben! Ich kann mir vorstellen, dass es gar nicht so einfach ist, sein Kaufverhalten von heute auf morgen zu ändern und plötzlich so bewusst zu kaufen. Ich mach es zwar schon immer so, dass ich Bücher nur dann sofort kaufe, wenn sie von meinen Lieblingsautoren stammen oder mich schon beim Anlesen richtig neugierig machen, trotzdem ist mein SUB im letzten Jahr extrem gewachsen, was aber an der geringeren Zeit zum Lesen lag. Jetzt hat sich das aber als vorteilhaft erwiesen: Momentan kann ich mir aus finanziellen Gründen keine Buchkäufe leisten, sodass ich endlich dazu komme, meinen SUB abzuarbeiten und mir nie der Lesestoff ausgeht 😉

    Bei den Reihen versteh ich dich besonders gut. Ich hasse diese Warterei auf den nächsten Band und habe bis zum Erscheinen meist zu viel vergessen. Daher versuche ich auch meistens abzuwarten, bis die Reihe komplett erhältlich ist. Da kann man auch in Ruhe abwarten, wie andere Leser den weiteren Verlauf der Reihe beurteilen und sich eventuelle Fehlkäufe ersparen 😉

    1. horrorbiene sagt:

      Ich habe mir eine Zeit keine neuen Bücher gekauft, weil ich keinen Platz mehr hatte. Nun, nach dem Umzug im Winter, ist ja „leider“ wieder viel Platz da, der gefüllt werden möchte. Aber im Moment bleibe ich eisern und halte gut durch!

  5. amelprojekt sagt:

    Ich verusche gerade mein ungelesene-Bücher-Problem dadurch in den Griff zu kiregen, dass ich erst wieder Bücher kaufe, wenn ich die vom letzten Einkauf alle gelesen habe. Dementsprechend läuft es bei mir die meiste Zeit darauf hinaus, einen großen Bogen um Buchläden zu machen.
    Ausserdem habe ich meine Must-read-Liste abgeschafft, denn ich habe festgestellt, dass so eine Liste einfach zu schnell wächst, als dass man sie jemals abarbeiten könnte. Wenn ich dann doch Empfehlungen bekommen, dann müssen die schon so gut sein, dass ich das Buch dann mitnehme, wenn ich es im Laden finde.

    1. horrorbiene sagt:

      Ich kaufe in Buchläden meist nie etwas spontan. Da reizt mich dann auf einmal gar nichts mehr – zum Glück. Ich hole da meist nur die bestellen Bücher ab. Und die habe ich dann ja mit Bedacht ausgesucht.

  6. Aniday sagt:

    Eine mutige Entscheidung, aber gut nachvollziehbar!
    Ich nehme mir auch oft vor beim Kauf etwas langsam zu machen und gut zu überlegen was ich brauche und was eher nicht. Inzwischen gebe ich seit etwa 2 Jahren auch schon deutlich weniger für Bücher aus, denn wenn ich nicht sicher bin ob ich ein Buch unbedingt brauche schaue ich erstmal, ob ich es mir leihen kann und schmeiße es damit vom richtigen Wunschzettel. Viele dieser Bücher habe ich mir noch gar nicht geliehen und werde es vielleicht auch nie tun, aber ich habe sie auf meinem „Leihwunschzettel“ geschrieben und damit ist für mich dieser „Zwang“ erledigt darüber nachzudenken ob ich nicht doch was verpasse falls ich es mir nicht hole… Früher wäre leihen für mich nie eine Option gewesen, aber seit ich so viele Bücher habe, dass ich noch mindestens zwei weitere Regale (Momentan habe ich 5) füllen könnte gebe ich ja eh schon alles ab was mich nicht überzeugt hat. Warum also Bücher gleich kaufen, bei denen ich nicht sicher bin? Wirklich tolles kann man immer noch nachkaufen.
    Das hilft zwar meinem SuB nicht, aber immerhin ärgere ich mich nicht mehr so wenn mal was nicht gefällt. Und wenn ich merke dass der Lesespaß nachlässt bedeutet das für mich meist eine Genreänderung, denn dann habe ich meine momentanen „Lieblinge“ grade über. Bisher funktioniert das zum Glück bei mir recht gut, vor allem wenn ich mich nicht davon verleiten lasse was allen anderen gefällt und mir meine Sachen selbst aussuche (…und auch mal hier und da mit Hilfe von Meinungen/ Rezensionen derer, denen ich vertraue^^).
    Ich drücke dir die Daumen, dass du deine Freude am lesen lange behältst und immer wieder schöne Bücher/ Reihen entdeckst, egal wie du es machst 🙂

  7. Steppenwolf sagt:

    Wenn ich mich recht entsinne war sogar ich es, der seiner Frau sagen musste, sie solle doch mal lesen, was ihr Spaß macht. Ich bin ja manchmal der Leid tragende, wenn sie dann verzweifelt vor dem Bücherregal auf und ab geht und nicht weiß was sie lesen soll. Und dann hör ich nur „ich muss das noch lesen“ und „aber zuerst noch das, das will ich abgearbeitet haben“ … Spätestens da muss man als Ehemann schon mal einschreiten. 😉 Lesen soll doch in erster Linie Spaß machen und eben nichts mit Arbeiten zu tun haben. Unter Druck lesen mussten wir sicherlich alle bereits in der Schule.
    Ein generelles Problem bei Reihen ist häufig der lange Abstand dazwischen und, dass man natürlich viele andere Bücher in der Zwischenzeit liest, meist auch wieder Reihen usw. Es wäre oftmals sehr wünschenswert, wenn es in Folgebänden kurze inhaltliche Zusammenfassungen gäbe. Selbst solche Zusammenfassungen zu schreiben empfinde ich aber als mühsam.
    Ich frage mich aber auch, was wäre wenn man Reihen nur noch komplett liest? Es geht doch nichts über die Freude über eine langersehnte Fortsetzung. 🙂

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