Nicola Förg – Schussfahrt

Ein authentischer Allgäu-Krimi

Schussfahrt von Nicola FoergSchussfahrt ist der Auftaktband einer Reihe um den Kommissar Gerhard Weinzirl und Johanna Kennerknecht im Allgäu. Eine Auflistung der bisher erschienen Bände erfolgt unten:

Zum Inhalt: Die Kripo Kempten ist in hellem Aufruhr. Nach spektakulär gescheiterten Mordermittlungen soll ein neuer Hauptkommissar übernehmen – ein Niedersachse. Ein Skandal im traditionsbewussten Allgäu und denkbar schlechte Voraussetzungen für Eike Hansen. Sein erster Fall: Ein Mann soll von der Lechbrücke gestürzt sein. Doch als die Beamten am vermeintlichen Tatort eintreffen, fehlt von der Leiche jede Spur … (Quelle)

Meine Meinung: Das Buch ist etwas anders als der Großteil der Krimis, denn dieses Buch ist überwiegend aus der Sicht von Jo, der Chefin des Tourismusbüros der Gegend, die auch noch die Leiche bei einem Ausritt gefunden hat, geschrieben. Mit von der Partie ist der Polizeihauptkommissar Gerhard Weinzirl, der zu Jo eine enge Freundschaft pflegt. Zwischen den beiden scheint aber noch mehr zu sein. Sie ermitteln gemeinsam, doch eigentlich liegt die Leitung der Ermittlungen bei Kriminalhauptkommissar Volker Reiber. Den mögen die beiden zunächst gar nicht und sie folgen einer Spur, von der Reiber keine Kenntnis hat. Dieses Buch hat demnach (noch) keine klassische Ermittlungstruppe, obwohl Weinzirl schon eine Hauptperson ist. Da dies erst der Auftaktband einer Serie ist, kann sich das ja noch in diese Richtung entwickeln.
Der Fall ist auch gut gelungen und von der Thematik authentisch: Ein größenwahnsinniger Bauherr möchte einen High-Tech-Tourismus-Klotz in die wunderschöne Allgäuer Landschaft setzen, vermeintlich um den Tourismus anzukurbeln. Es gibt Fürsprecher und verbitterte Feinde dieser Idee, auch Jo, die eigentlich dafür sein sollte, da sie dem Tourismusbüro vorsteht, ist dagegen. Eine Region wie das Allgäu benötigt eben eher einen sanften Tourismus, der die Landschaft und die Landwirtschaft erhält und nicht einen, der Menschenmassen über die Autobahnen in die Berge bringt, die am selben Tag womöglich wieder die Heimreise antreten. Dieser Hintergrund ist real. Dort wo ich immer Urlaub mache, ist es ähnlich: Die Leute, die dorthin reisen werden immer älter und vergraulen die jungen Menschen. Um die Region attraktiver zu machen sollte eine völlig überproportionierte neue Bahn zum Transport der Skitouristen gebaut werden, die das Panorama nachhaltig verschandelt hätte.
Die Ermittlungen in dem Fall verlaufen etwas unkonventionell, da wie gesagt Jo und ihre Einmischungen eine entscheidende Rolle spielen, aber die Art, wie das Buch geschrieben ist, hat mir sehr gut gefallen. Die Auflösung war dann nicht mehr ganz so authentisch und eigentlich mehr bizarr, aber dennoch hat es das Buch gut abgerundet. Doch an dieser Stelle sehe ich die einzige Stelle, die Förg noch hätte verbessern können. Der Rest des Buches ist wirklich gut gelungen: Immer wieder ist Allgäuer Mundart in Dialogen bei der Zeugenbefragung eingeflossen und zwar so, dass ich mir den Sinn des Gesagten zusammenreimen konnte. Gelang mir dies einmal nicht, so gab es am Ende des Buches ein Glossar, das die gefallenen Begriffe oder Redewendungen erklärt. Zwar ist es nicht alphabetisch sortiert, sondern in der Reihenfolge, wie sie im Buch zu finden sind, was ich zu Anfang etwas unübersichtlich fand, doch wenn man es weiß, kann man gut damit arbeiten.
Auch die Charaktere sind gut gestaltet und erhalten ausreichend Hintergrund. Jo erinnert sich gelegentlich an Vergangenes oder telefoniert mit ihrer Freundin aus Berlin, so dass nicht nur Hintergrundwissen über sie, sondern auch über Gerhard vermittelt wird, was dem Buch eine angemessene Tiefe verleiht und die Charaktere sehr sympathisch macht. Ohnehin ist Gerhard Weinzirl kein typischer Ermittler und so macht es Spaß die beiden zu begleiten. Dass Jo zudem eine Beziehung zu zwei der Verdächtigen und zum Ermittler hatte, ist sehr putzig, stört die Handlung aber nicht, sondern macht sie irgendwie familiär. Ich bin gespannt, wie sich dies in den Folgebänden entwickelt, und ob Jo dann immer noch eine solch wichtige Rolle spielt. Mir hat das Buch jedenfalls sehr gut gefallen und ich bin sicher, dass ich die Fortsetzungen auch noch lesen werde.

Fazit: Schussfahrt ist kein gewöhnlicher Krimi, da sich Jo ihrerseits Chefin des Tourismusbüros und Finderin der Leiche, in die Ermittlungen ihres Freundes Weinzirl einmischt. Der Fall ist authentisch und gut gestrickt, die Auflösung ist zwar logisch, aber nicht mehr ganz so authentisch. Die Mundart und auch die Tourismusdebatte verleiht dem Buch eine gute Prise Lokalkolorit und Authentizität, was mir sehr gut gefallen hat. Alles in allem ein sehr gelungenes Buch, dass man prima mit in den Allgäu-Urlaub nehmen kann – allerdings für den Ski-Urlaub, denn das Buch spielt im Winter.

Bewertung_09_hBuchdaten: Schussfahrt – Nicola Förg
Genre: Kriminalroman
Taschenbuch
288 Seiten
Goldmann
Erschienen: 10. November 2008
ISBN: 978-3-442-46913-0
Preis: 7,95€

Bisher in dieser Reihe erschienen:

Schussfahrt von Nicola Foerg Funkensonntag von Nicola Foerg Kuhhandel von Nicola Foerg Gottesfurcht von Nicola Foerg
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