C. C. Humphreys – Vlad

Der wahre Dracula

C. C. Humphreys - VladZum Inhalt: Vlad Dracula oder auch Vlad der Pfähler, wie er später genannt wird, geht auf eine türkische Schule, ein Zugeständnis welches sein Vater, Vlad Dracul, dem Sultan machen musste. Diese Zeit bei den Türken prägt Vlad ganz entscheidend, liegt doch hier der Grund für seine spätere Schreckensherrschaft. Er wird zum Fürst der Walachai, wird gestürzt, geht ins Exil und steigt Jahre später wieder zum Herrscher empor. Stets in seinem Nacken sind die Türken, welche ihn anfänglich tolerieren, gegen jene er aber bald offensiv in die eine oder andere Schlacht zieht. Dabei ist die Rache für seinen Vater nicht das einzige, was ihn antreibt.

Steppenwolfs Meinung: Über Dracula gibt es viele Bücher, sei es der ursprüngliche gleichnamige Roman von Bram Stoker oder all diejenigen die folgten und das Dracula-Thema aufnahmen, von Verfilmungen ganz zu schweigen. Doch hier bekommt man etwas abseits all der Vampirthriller und Gruselgeschichten. Hier wird die historische Person Vlad Dracula in den Focus gerückt. Trotz dichterischer Freiheit, gibt es viele geschichtliche Ereignisse zu entdecken, welche hilfreicher Weise auch am Ende des Buches nochmals aufgeführt sind.
Vlad ist sicherlich kein Sympathieträger, dachte ich mir, aber dennoch, der Autor schafft es diesen Fürsten trotz seiner zutiefst abscheulichen Handlungen so darzustellen, dass man nicht anders kann als seine Partei zu ergreifen.
Man kann sein Handeln anhand der Umstände und Einflüsse unter denen er aufwuchs wirklich ausgezeichnet nachvollziehen und man versteht vor allem, warum er so geworden ist wie man ihn aus den Geschichtsbüchern kennt. Natürlich ist das kein Freifahrtschein, seine Handlungen kann man so zwar verstehen, aber das heißt selbstverständlich nicht, sie auch billigen zu müssen. Trotzdem bleibt Dracula in diesem Buch Sympathieträger und auch Held in gewisser Weise, was mir beim Lesen schon seltsam vorkam, aber konnte ich mich dem dennoch nicht entziehen.
Als besonders gelungen empfand ich die Konstruktion der Geschichte und wie sie erzählt wird. Denn so sind es drei Vertraute Draculas, die sein Leben erzählen und das Ende war mehr als würdig, das hat gepasst und lies mich das Buch zuklappen mit dem Gefühl: „Wow, was für ein geniales Buch!“.
Was einem eventuell zu schaffen machen kann, ist die Darstellung der Gewalt und Brutalität in manchen Szenen, aber letztlich sind sie unumgänglich. Ansonsten bekäme der Leser eine verzerrte und letztlich auch verharmloste Darstellung. Man muss sicher einige Male schlucken, aber das ist ein Teil dessen, auf was man sich einfach einlassen muss, wenn man Dracula verstehen will.

Bewertung_10_sSteppenwolfs Fazit: Fakt und Fiktion sind hier in wunderbarer Form zu einem großartigen Roman verwoben. Wer am wahren Dracula interessiert ist, kommt an diesem Roman eigentlich nicht vorbei, ist er doch ungleich unterhaltsamer, als ein historischer Lebenslauf.

Horrorbienes Meinung: Ich habe das Buch gelesen, weil Steppenwolf es mir sehr nahe gelegt hat. Aufgrund seiner Reaktionen und auch anderer Rezensionen habe ich zwar nicht etwas grundlegend anderes erwartet, doch irgendwie dachte ich, dass Buch sei brutaler, blutiger und dadurch unangenehm zu lesen. Im Gegenteil! Mir war das Buch stellenweise schon fast zu nüchtern. Der Autor beschreibt die erste Pfählung, die Vlad mit ansehen muss zwar recht deutlich, aber wichtige Details, wie die Gesichtsasudrücke des Opfers und der Beteiligten, die Geräusche, die dabei entstehen und andere Dinge die die Situation palstischer – aber leider auch brutaler und ekliger machen – fehlen. Daher kann man diese Stellen wunderbar einfach überlesen, wenn man solche Dinge nicht haben mag. Ich bin zwar auch kein Fan davon, doch ich empfand es auf diese Weise weniger brutal, als es in Wirklichkeit ist. Das mag vielleicht auch ganz gut sein, denn Vlad ist hier eindeutig ein Sympathieträger. Ich habe stets mit ihm gebangt und konnte sein Verhalten, dass hier aufgrund der historischen Erkenntnisse geschrieben wurde, sehr gut nachvollziehen.
Das einzige, was ich zusätzlich noch etwas schade fand, ist dass das Buch sehr episodenhaft geschrieben ist. Es erzählt die wichtigsten Phase aus Vlads Leben – diese dann auch recht ausführlich – und lässt dann auch lange Passagen aus. So erlebt man Vlad beinahe nur als Krieger, nicht als regierenden Fürsten, der so viel für sein Land getan hat. Dadurch wirkt das Buch im Grunde wie ein spannend geschriebenes Geschichtsbuch und nicht wie ein historischer Roman. Nichts desto trotz ist Vlad als Figur einfach so wirksam, dass das Buch dennoch ein Pageturner ist.
Doch die Konstruktionsweise dieser Geschichte ist ein wirkliches Highlight. Der Orden des Drachen hätte es gern, dass Vlad rehabilitiert würde und inszeniert so eine Art Beichte, bei denen drei von Vlads wichtigsten Begleitern gemeinsam seine Geschichte erzählen, die niedergeschrieben wird und verteilt werden soll. Durch diese Rahmenhandlung kommt besonders viel Dramatik in die Geschichte und es entsteht ein Finale, das es in sich hat. Dadurch wird das Buch nicht nur enorm aufgewertet, sondern der Leser erhält noch etwas, über das er nachdenken kann.

Bewertung_09_hHorrorbienes Fazit: Letztlich hat mir die Lektüre des Buches – vor allem aufgrund des Endes – sehr gut gefallen, denn das gelungene Gesamtwerk tröstet darüber hinweg, dass das Buch etwas zu sehr episondenhaft geschrieben ist, um ein „historischer Roman“ zu sein. Dennoch ist es dem Autoren gelungen, Vald sehr sympathisch darzustellen – was er eigentlich gar nicht beabsichtigte – und dadurch lebt das Buch ungemein. Ich persönlich hätte mit viel detaillierteren Beschreibungen der Pfählungen gerechnet, doch diese ist recht nüchtern geblieben, so dass niemand Angst haben muss, dass wenn er dieses Buch liest, die Nach nicht schlafen kann. Wer sich demnach für diese historische Figur interessiert, die so gar nichts mit Vampiren zu tun hat, der ist bei diesem Buch genau richtig!

Buchdaten: Vlad – C. C. Humphreys
Genre: Historisch
Taschenbuch
624 Seiten
Heyne
Erschienen: Dezember 2009
ISBN: 978-3453525979
Preis: 8,95€

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7 Kommentare Gib deinen ab

  1. Friedelchen sagt:

    Danke für den Tipp! Ich habe mich noch nie wirklich mit der Hintergrundgeschichte von Dracula beschäftigt, bin nicht zuletzt auch durch den gerade laufenden Film neugieriger drauf geworden. Jetzt weiß ich, zu welchem Buch ich greifen kann 🙂

  2. Kathrin sagt:

    Oh, danke für den Tipp! Mit Vampiren kann ich ja grundsätzlich wenig anfangen. Aber mit Vlad Țepeș hatte ich mich im Studium mal im Rahmen eines Rumänienseminars auseinandergesetzt und fand seine Geschichte unglaublich spannend, wenngleich auch sehr schockierend aufgrund der Brutalität dieses Menschen. Daher hast du mich nun sehr neugierig gemacht und in Anbetracht deiner positiven Bewertung wird das Buch früher oder später auf jeden Fall bei mir einziehen 🙂

  3. Steppenwolf sagt:

    Ich hab mich für meine Abschlussarbeit damals auch intensiver mit Dracula beschäftigt. Hätte es das Buch damals doch schon gegeben. 😉
    Ich hab auch einige negative Rezensionen gelesen, häufig wurde die Darstellung der Gewalt verurteilt, aber wie soll man das bei diesem Menschen auslassen? Das gäbe, meiner Ansicht nach, ein verfälschtes Bild.

    1. Kathrin sagt:

      Ich stimme dir vollkommen zu! Es ist kein Kinderbuch, daher finde ich die Kritik über die Gewaltdarstellung auch nicht gerechtfertigt. Vlads Taten waren nun mal sehr brutal und das zu ignorieren, würde m.E.n. alles verharmlosen. Sicherlich kann man darüber streiten, wie detailliert etwas beschrieben werden muss, ich persönlich bevorzuge es jedoch, alles so getreu wie möglich geschildert zu bekommen. Erst dann wird doch richtig begreifbar, welches Leid verursacht wurde – als ich zum ersten Mal Details über das Pfählen las, wurde mir die Grausamkeit dessen viel stärker bewusst, als ich es mir zuvor durch Illustrationen oder das alleinige Wort „Pfählen“ vorstellen konnte. Ich bekomme heute noch Bauchschmerzen, wenn ich an diese Hinrichtungsmethode denke…

      Eine Abschlussarbeit über Dracula klingt im Übrigen sehr interessant. Hast du irgendwelche besonderen Lese- oder Filmempfehlungen aus deiner Arbeit für mich? Ich hatte damals nämlich das Gefühl, dass es – zumindest im deutschsprachigen Raum – recht wenig über Vlad gibt bzw. die meisten Infos über ihn tatsächlich im Netz statt in Büchern zu finden sind.

      1. Steppenwolf sagt:

        Ich hab mir natürlich etliches aus der Bibliothek ausgeliehen, vieles davon kann man gar nicht mehr käuflich erwerben. Gekauft hab ich mir „Dracula: Das Leben des Fürsten Vlad Tepes“ von Ralf P. Martin. ISBN: 978-3803123961
        Das ist wirklich gut! 🙂

      2. Kathrin sagt:

        Danke für den Tipp 🙂 Das Buch wandert sofort auf meine Leseliste.

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