Markus Heitz – AERA

Welche geniale Idee, aber die Umsetzung…

AeraDiese Ausgabe von AERA ist ein Sammelband, in dem die davor in 10 Episoden erschienene E-Book-Serie über den Interpol-Ermittler und Atheisten Malleus Bourreau, zusammengefasst ist.

Zum Inhalt: Im Jahr 2019 herrscht eine neue Weltordnung: Die Götter kehren auf die Erde zurück. Alle Götter – bis auf einen. Während Odin, Zeus, Manitu, Anubis, Shiva und Co. sich ihre alten Kultstätten zurückholen und ihre Anhänger um sich scharen, warten Christen, Moslems und Juden vergeblich. Die einst mächtigsten Religionen der Welt werden bald als bedeutungslose Sekten belächelt. (Quelle)

Meine Meinung: Ich hätte niemals gedacht, dass ich je ein Buch von Markus Heitz so schlecht berwerten könnte! Aber ich habe mich auch niemals so durch ein Buch von ihm gequält, wie durch dieses!
Dabei bin ich in regelrechte Jubelstimmung gekommen und war vollkommen euphorisiert, als ich gelesen habe, worum es in diesem Buch geht: Die alten Götter sind im Jahre 2012 auf die Erde und zu ihren alten Wirkungsstätten zurückgekehrt und sammeln Gläubige um sich. Seien es die nordischen, römischen oder altägyptischen Götter, so ziemlich alle altbekannten Gottheiten sind wieder da, sogar Manitu. Nur der EINE Gott der Christen, Moslems und Juden nicht und all die Verfolgung und Unterdrückung die die Christen und Moslems ausgeteilt haben, müssen sie nun durch die neuen/alten Götter und deren Anhänger am eigenen Leib erfahren und ein großer Krieg bricht aus. 2019 hat sich zwar fast alles beruhigt, aber die Welt ist nicht mehr die, die sie einmal war.
Na, wenn das mal nicht gut klingt, dann weiß ich auch nicht. Doch die Umsetzung hat mir leider überhaupt nicht zugesagt. Ich persönlich mag es gern lang und atmosphärisch. Lang ist das Buch, doch Atmopshäre hat es nur bedingt. Zumindest konnte ich mich nicht von diesem Buch so in seinen Bann ziehen lassen, wie es sonst immer der Fall ist. Das liegt vor allem daran, dass das Buch nicht als solches konzipiert war, sondern in 10 einzelnen E-Book-Episoden erschienen ist. So litt das Buch vor allem am Anfang daran, dass nach durchschnittlich 75 Seiten das Setting wechselte und der gute Bourreau einen Fall nach dem nächsten bearbeitet mal in Hamburg, mal in Rom… Es gibt eine Rahmenhandlung, die zu Beginn aufgenommen wird, immer mal wieder zur Sprache kommt, zum Ende hin immer wichtiger wird und so auch das durchaus spannende Finale bildet. Wäre das nicht so gewesen, hätte ich das Buch nicht zu Ende gelesen. So quälte ich mich regelrecht durch die ersten Episoden und wünschte mir, das Buch wäre nicht so lang. Ich mag Kurzgeschichten überhaupt nicht und dies hier sind zu größten Teil welche, auch wenn sie der Rahmenhandlung zuarbeiten. Vermisst habe ich daher eine tiefergehende Ermittlung zu einem komplizierten Fall (sonst kann man ja kein Buch füllen) und nicht mehrere Soloquests. Doch auch die Idee der Soloquests wäre an sich gar nich mal so schlecht, wären es weniger, aber dann ausführlicher. So hatte ich trotz des immensen Umfangs des Buches stets das Gefühl es würde nur an der Oberfläche kratzen.
Auch der Hauptcharakter konnte mich nicht gänzlich überzeugen, weil er viel zu blass bleibt und die Beziehung zwischen Leser und Protagonist leider zu unpersönlich bleibt. Man erhält vage Andeutungen seiner Vergangenheit und es wird deutlich vermittelt, dass hinter dem Interpol-Ermittler definitiv mehr steckt, als man ahnt. Aber außer dass er sich von seinem Militärmantel nicht trennen mag, seine Kleidung ansonsten indisch angehaucht und maßgeschneidert ist und er zwei deutliche Macken hat, bleibt alles im Unklaren. Es wirkt so, als habe er kein Privatleben und als sei er eben nicht mehr als seine unterdrückte Erinnerung an die Vergangenheit mit seinem Kleidungsstil und seinen Macken. Vielleicht mag das von Heitz so gewollt sei, aber mal ganz ehrlich: Was für eine Oberflächlickeit ist das denn?! Eitelkeit. Arroganz. Gute Fähigkeiten in seinem Beruf. Das war’s. Solche Menschen mag ich nicht und über solche Menschen mag ich nichts lesen. Es kann sein, dass (wenn es eine Forsetzung geben sollte) sich das alles noch weiterentwickelt und es ihn menschlicher macht. Aber in diesem Buch finde ich ihn äußerst unsympathisch. Auch wenn solche Oberflächlichkeiten dazu dienen können Unsicherheiten zu überdecken. Ich mag so was einfach nicht.
Seine zwei angesprochenen Macken sind ebenso Zeugen seiner Eitelkeit: Er streicht sich ständig über seinen Fu-Manchu-Bart (passt sicher hervorragend zur indisch angehauchten Kleidung), der an sich schon sehr lächerlich wirkt. Dann raucht er ständig Culebras. Die Idee ist eigentlich ganz nett ihm ein solches Laster anzuschreiben, da seine Zigarren ihm offensichtlich übersinnliche Fähigkeiten verleihen, je nach dem was er gerade für eine Banderole wählt. Dennoch finde ich es abscheulich. Sicher ist das Buch eines für Erwachsene und die können in der Regel für sich selbst entscheiden, ob das gut für sie ist oder nicht, aber der gesamte Text liest sich wie ein langer Werbespot für Zigarren. Dem Zigarre-Paffen wird hier ein übertrieben positiver Stellenwert zugeschrieben, der meiner Einstellung völlig widerspricht, vor allem da Bourreau überall raucht und auf Verbote keinerlei Rücksicht nimmt, nicht einmal in einem Krankenhaus.
Letztlich habe ich das Buch durchgelesen, in der Hoffnung, dass es besser wird und zum Ende hin wurden auch die einzelnen Episoden für das Finale wichtiger und damit das Buch spannender. Auch das Finale las sich im Grunde sehr gut. Heitz kann schreiben und bisher mochte ich all seine Bücher sehr (nur Collector habe ich ausgelassen, nicht mein Genre) und daher konnte ich es einfach nicht abbrechen. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass ich einer eventuellen Fortsetzung nicht vollkommen abgeneigt wäre, da ich die Idee hinter AERA immer noch so furchtbar genial finde. Aber ich würde mir wünschen, dass das Buch dann nicht episodenhaft wäre oder zumindest weniger, dafür aber längere Episoden hätte. Und das weniger geraucht wird – aber ich glaube DAS wird sicher nicht passieren.

Fazit: Die Idee hinter AERA ist unheimlich genial. Ich war davon regelrecht euphorisiert und dadurch leider beim Lesen sehr schnell sehr enttäuscht, da die Umsetzung so gar nicht meine war. Aufgrund der einzelnen Episoden, die zwar eine gemeinsame Rahmenhandlung haben, wollte sich so gar keine echte Atmosphäre aufbauen und der Hauptcharakter blieb für mein Empfingen viel zu blass. Zudem war er mir durch seine Eitelkeit und sein Zigarre-Paffen für einen Hauptcharakter viel zu unsympathisch. Ich kann mir zwar vorstellen, was Heitz‘ Intention bei dem Ganzen sein sollte, dennoch bleibt bei mir der Eindruch, dass Heitz das eigentlich viel, viel besser kann!

Bewertung_06_hBuchdaten: Aera – Markus Heitz
Genre:
Thriller
Taschenbuch
784 Seiten

Knaur TB

Erschienen: 02.  November 2015

I
SBN: 978-3-426-51861-8
Preis: 9,99€

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Jery Schober sagt:

    Schade, die Prämisse hörte sich so gut an. Da ich keine Lust habe, meine Zeit mit flachen, unsympathischen Charakteren zu verbringen, fliegt das Buch wieder von der Wunschliste.

    1. horrorbiene sagt:

      Das ist ja nur meine Meinung. Vielleicht kannst du das Buch mithilfe einer Leseprobe anlesen, vielleicht ist es ja etwas für dich. Viele Grüße

      1. Jery Schober sagt:

        Leseprobe habe ich schon durch, von da her stand es unentschieden. Da sich deine Rezensionen bislang mit meiner Meinung so ziemlich deckten, vertraue ich dir 😀

  2. leseratteffm sagt:

    Hm! Ich habe mich auch ein wenig durch die Geschichte gequält, war aber doch irgendwie von der Idee gebannt. Außerdem liest Uve Teschner es wirklich genial, so dass mich auch seine tiefe, rauchige Stimme bei der Stange gehalten hat.
    Ich stimme Dir in der Bewertung grundsätzlich zu, allerdings haben mich die berechtigten Kritikpunkte nicht allzu sehr gestört.
    Bei der Beschreibung von Bourreau mußte ich mehrfach grinsen. Vielleicht sehen Helden in Männerfantasien so aus??? 😉 und ein ganz kleines Teufelchen in mir dachte, dass sich der Autor vielleicht selbst gerne so sähe???

    1. horrorbiene sagt:

      Kennst du seine anderen Bücher? Bei mir sah nämlich Eric von Castell irgendwie immer so aus wie Heitz! *lol*

      1. leseratteffm sagt:

        Hach, habe ich vor einigen Jahren einen Band gelesen. War aber nicht so ganz mein Fall und an die Beschreibung von Eric kann ich mich nicht erinnern. 😉

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