George R. R. Martin – Armageddon Rock

Leider größtenteils langweilig

Diesen Thriller hat George R. R. Martin bereits 1983 veröffentlicht. Es handelt sich hierbei also um kein neues Buch, sondern um eine Neuauflage.

Armageddon Rock von George RR Martin

Zum Inhalt: 1971 wird Peter Hobbins, der Sänger der legendären Rockband Nazgûl, während eines Konzerts auf offener Bühne erschossen. Zehn Jahre später gehen die übrigen Bandmitglieder, begleitet von dem abgebrannten Musikjournalisten Sandy Blair, wieder auf Tour. Doch noch während die Nazgûl ein furioses Comeback feiern, geschehen mehrere bestialische Morde. Sandy beginnt Fragen zu stellen, und schnell wird ihm klar, dass es bei den Konzerten der Band nicht mit rechten Dingen zugeht … (Quelle)

Meine Meinung: Mehrere Faktoren haben dazu geführt, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe. Zum einen hat der Klappentext mich sehr angesprochen. Eine Rockband geht nach Jahren der Zwangsauflösung wieder auf Tour und dann geschehen mysteriöse Dinge? Das ist genau mein Fall. Zum anderen habe ich Martins Fantasy-Saga Das Lied von Eis und Feuer gern gelesen, auch wenn diese objektiv betrachtet, etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Meine Erwartungen an dieses Buch waren demnach hoch.
Der Leser begleitet in diesem Buch den ehemaligen Journalisten und jetzigen Romanautoren Sandy. Er gehört zu den Babyboomern, den Hippies und Revolutionären, und ist nun doch irgendwie erwachsen geworden. Mit seiner Autorenkarriere läuft es allerdings gerade nicht so rosig, so dass das Angebot seines ehemaligen Blattes, eine Story über den Mord eines berühmt berüchtigten Musikmanagers aus seiener früheren Zeit zu schreiben, gerade richtig kommt. Er ergreift die Chance und begiebt sich mehr oder weniger auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei soll sich die Story vor allem um die ehemalige Band Nazgûl drehen. Er interviewt die verbliebenen Mitglieder und deckt dabei sehr interessante Dinge auf.
Was mir als erstes beim Lesen auffiel, ist dass das Buch in einer ganz anderen Zeit geschrieben wurde. Dies ist kein neues Werk Martins, sondern eine Neuauflage von einem Buch, das Mitte der 80er das erste Mal erschien. Dementsprechend hören die Protagonisten Kassetten und die Puristen selbstredend LPs; von CDs ist die Zeit noch weit entfernt. Dies hat mich jedoch nicht weiter gestört. Im Gegenteil, so verströmt es seinen ganz eigenen Charme.
Der Einstieg mit der kurzen Einleitung hat mir sehr gut gefallen. Ich bekam einen Eindruck, wer Sandy ist und wie er so tickt. Der Beginn der Recherche mit dem Besuch des Tatortes war auch noch sehr stimmig ebenso die Interviews mit den ehemaligen Mitgliedern der Band waren sehr unterhaltsam. Doch Sandy reist mit seinem Sportwagen quer durch die USA und trifft sich mit alten Freunden aus der College-Zeit und es wird schnell deutlich, dass nicht nur Sandy seine Ideale verraten hat. Theoretisch sind diese Einblicke in seine Vergangenheit nicht schlecht oder überflüssig,  gerade im Hinblick auf das Finale und die „Moral von der Geschicht“ sind sie sogar sehr sinnvoll, doch die Masse dieser Elemente fand ich eher ermüdend und langweilig. Vor allem, da im Klappentext von der Reunion bereits die Rede ist, doch um die Stelle im Buch zu erreichen, muss man schon mindenstens drei Viertel gelesen haben. Dies war mir entschieden zu viel, da ich aufgrund des Klappentextes etwas ganz Anderes erwartet hatte.
Zudem hatte ich lange Zeit eher das Gefühl, ich würde einen Stephen King lesen und keinen George R. R. Martin, doch ehrlich gesagt kommt Martins Schreibstil an den von King nicht im Entferntesten heran. Hätte King diesen Text verfasst wäre er mit Sicherheit wesentlich interessanter und atmosphärischer geworden.
Im Grunde hat mir das Buch gefallen, doch diese Erinnerunsgsphase hätte kürzer gefasst werden müssen, so kam der ganze mystisch-religiöse Aspekt viel zu kurz. Dabei war die Idee Der „music to wake the dead“ eigentlich sehr genial. Doch nur um am Ende diese Botschaft des Epiloges zu vermitteln den Schwerpunkt so zu legen, verschwendet das Potential, das die Geschichte eigentlich gehabt hätte. Doch dieser übernatürliche Aspekt kam im Gegensatz zur anderen Thematik meiner Meinung nach viel zu kurz. Schade.

Fazit: Armageddon Rock ist ein Thriller, über die Musik und 60er Jahre mit einigen übernatürtlichen Elementen, wobei mir die Gewichtung dabei nicht gut gefallen hat: Sandys Recherchereise nimmt im Gegensatz zur Reunion der Band viel zu viel Raum ein. Deswegen und weil der Klappentext mir eine andere Gewichtung suggerierte, war ich den größten Teil der Lektüre über ziemlich gelangweilt. Nicht, dass Martin schlecht schreibt, das nicht, aber es gelingt ihm nicht Schwerpunkte zu setzen und die Geschichte so spannend zu halten. Ein paar weniger von Sandys Freunden und das Buch wäre wesentlich besser gewesen. Die interessanten Passagen über die Reunion waren dagegen kurz und vom Schrebstil auch etwas anders, so dass sich bei mir im Hinterkopf ein Gedanke manifestierte: King hätte aus dieser Idee sicher ein grandioses Buch geschrieben.

Bewertung_07_hBuchdaten: Armageddon Rock George R. R. Martin
Genre: Thriller

Taschenbuch
576 Seiten
Heyne
Erschienen: 14. November 2016
ISBN: 978-3-453-31805-2
Preis: 9,99€

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