E. O. Chirovici – Das Buch der Spiegel

Mal ein etwas anderer Kriminalroman

Zum Inhalt: Als der Literaturagent Peter Katz ein Manuskript des Autors Richard Flynn erhält, ist er sofort fasziniert. Flynn schreibt über die Ermordung des Professors Joseph Wieder in Princeton. Der Fall wurde nie aufgeklärt, und Katz vermutet, dass der unheilbar kranke Flynn den Mord gestehen oder den Täter enthüllen wird. Doch Flynns Text endet abrupt. Als Katz den Autor kontaktieren will, ist dieser bereits verstorben. Besessen davon, das Ende der Geschichte zu erfahren, versucht Katz, Laura Baines ausfindig zu machen, die als Studentin auf undurchsichtige Weise mit Wieder verbunden war. Doch je tiefer Katz in den Fall eindringt, desto mehr scheint er sich von der Lösung zu entfernen … (Quelle)

Meine Meinung: Als ich dieses Buch gelesen habe, war mir eine ganze Zeit über nicht wirklich klar, welchem Genre ich es zuordnen soll. Erst dachte ich es sei ein Gegewartsroman, doch da letztlich der Mord an Wieder im Mittelpunkt steht, entscheide ich mich dann doch für einen Kriminalroman, doch ist dieser absolut nicht wie ein „normaler“ Krimi, bei dem ein Kommissar oder ein Team einen Mordfall aufklärt, denn die Geschichte ist ungewöhnlich aufgebaut:
Zunächst lernt der Leser den Literaturagenden Peter Katz kennen, der eine Anfrage mit einem Manuskriptauszug  zugeschickt bekommen hat, mit der Bitte den Autor zu vertreten. Im Anschluss an diese kurze Passage wird dieses Manuskript, dessen inhalt den wahren Ablauf des Mordes an Joseph wieder enthüllen soll, abgedruckt. Die Perspektive wechselt zum Autoren Richard Flynn, der die Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt. Erst auf Seite 117 ist der Leser wieder bei Katz, der sehr angetan ist und den Autoren tatsächlich vertreten und um das ganze Buch bitten möchte. Doch es gibt unerwartete Komplikationen, denn der Autor ist mittlerweile im Krankenhaus, nicht mehr ansprechbar und die Prognosen sind sehr schlecht. So bittet Katz einen bekannten Journalisten für ihn die fehlenden Teile der wahren Begebenheit zu rechechieren mit der Aussicht selbst ein Buch über diesen Mord schreiben zu können. Die Perspektive wechselt nun zum dritten Mal zu besagtem Journalisten John Keller und der Leser begleitet dieses bei seinen Recherchen, bis er diese beendet. Bei diesen Recherchen spricht Keller mit dem damals zuständigen Detective Roy Freeman, der im dritten Teil des Buches die Perspektive stellt, die bis zum Ende des Buches beibehalten wird. Um einen guten Rahmen zu bilden, springt die Perspektive ein letztes Mal im Epilog zu Katz, der sich mit Keller trifft.
Diese Kostruktion der Geschichte hat mir wirklich gut gefallen, da sie außergewöhnlich ist. Auch die in allen Teilen das Buches eingesetzte Ich-Perspektive wirkt dabei prima, allerdings ist der Perspektivenwechsel etwas schwierig nachzuvollziehen, wenn man das Buch in einem Rutsch liest, da die (Ich-)Perspektive zwischen den Teilen wechselt. Es wäre geschickter gewesen jeden Teil für sich zu lesen. Aufgrund dieser Konstruktionsweise war mir im Grunde nie so wirklich klar, was nun wahr ist und was die einzelnen Figuren sich zusammen gelogen haben. Der Zusammenhang mit dem psychologischen Thema des Buches, das dadurch in die Geschichte einfließt, da das Mordopfer ein renommierter Psychologe und psychologischer Gutachter war, verleiht dieser Geschichte dadurch zusätzlich ein besonders reizvolles Element. So sind mir auch nach dem Lesen des kompletten Buches manche Details nicht ganz klar, doch das verleiht dem Buch einen besonderen Charme.
Was mich allerdings beim Lesen gestört hat, war die Tatsache, dass ich noch nicht wusste, wie das Buch konstruiert war, da ich zugegebenermaßen den Klappentext unmittelbar vor dem Lesen des Buches nicht noch einmal gelesen habe. Dadurch hatte ich zunächst das Gefühl ich müsste mehr als 300 Seiten lag Flynns Manuskript lesen, dass es irgendwann abbrechen würde, war mir nicht bewusst. Tatsächlich war ich schon etwas genervt von der Geschichte und seiner Vergötterung Lauras‘, dass ich auf das ganze Buch keine Lust mehr hatte. Glücklichweise sah ich beim Durchblättern 5 Seiten später, dass das Manuskript dort abbricht. Länger hätte ich auch nicht mehr durchgehalten. Der Schreibstil des Autors ist zwar recht nüchtern, hat mir aber dennoch gefallen, doch in diesem Manuskript kam keinerlei Spannung auf und als Katz so begeistert war von diesem Manuskript, dachte ich mir: „Hat er dasselbe gelesen wie ich?!“

Nachdem jedenfalls die „Ermittlungen“ begannen wurde das Buch auch besser und spannender. Dennoch hätte es dem Gesamtwerk gut getan, wäre das Manuskrip um einiges gekürzt worden. Das Finale und die Auflösung haben mir jedoch gut gefallen.

Fazit: Das Buch der Spiegel ist aufgrund seiner Konstruktionsweise ein ganz anderer Kriminalroman: Die Perspektive wechselt in drei großen Abschnitten zwischen den Ermittlern, was die Geschichte unheimlich interessant und spannend macht. Da das Mordopfer ein Psychologe ist, spielt die Psychologie in diesem Werk eine große Rolle und ist maßgeblich für den Titel des Buches zuständig. Leider sind die Passagen mit dem abgedruckten Manuskript etwas lang geraten, so dass ich tatsächlich gelangweilt war. Wäre dieses kürzer gewesen, würde es in meinen Augen zu den ganze großen zählen, so ist es jedoch immer noch ein gutes, sehr interessantes Buch.

Buchdaten: Das Buch der Spiegel – E. O. Chirovici
Original: The Book of Mirrors

Genre: Krimi
Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
384 Seiten
Goldmann
Erschienen: 27. Februar 2017
ISBN: 978-3-442-31449-2
Preis: 20,00€

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