Tad Williams – Das Herz der verlorenen Dinge

Leider langweilig

Das Herz der verlorenen Dinge ist ein für sich stehendes Buch, das nicht nur als Brücke dienen soll zwischen der ursprünglichen Reihe Das Geheimnis der großen Schwerter und die bald erscheinende neue Trilogie mit dem Titel Der letzte König von Osten Ard, sondern auch den Neu- oder Wiedereinstieg in die Welt von Osten Ard ernöglichen soll.

Zum Inhalt: Osten Ard steht erneut am Scheideweg. König Simons und Herzog Isgrimnurs Kriegern ist es gelungen, das Elbenvolk zurück in ihre Hochburg in den Bergen zu drängen. Der Krieg scheint vorbei, aber das Töten dauert an. Die Sterblichen begnügen sich nicht mit ihrem Sieg, sie trachten danach, das Volk der Nornen gänzlich auszulöschen. Da verbreitet sich die Kunde, dass die uralte Nornenkönigin Utuk’ku gar nicht tot ist, sondern nur in einem todesähnlichen Schlaf liegt, von dem sie zurückkehren wird … (Quelle)

Meine Meinung: Vor gar nicht allzu langer Zeit, habe ich Das Geheimnis der großen Schwerter gelesen, ein Werk, das zu den Klassikern und Hochkarrätern der Fantasy zählt. Ohne Frage, waren die Bücher gut geschrieben, spannend und atmosphärisch, aber dennoch sehr anstrengend zu lesen. Also nichts, was man einfach so nebenbei lesen kann. Trotzdem fand ich die Geschichte faszinierend und das war auch der ausschlaggebende Punkt, warum ich dieses Buch lesen wollte. Mich hat es einfach interessiert, wie es mit den lieb gewonnenen Figuren auf Osten Ard weitergeht.
In diesem für Williams Verhältnisse recht kurzen Werk begleitet der Leser drei Figuren und erlebt so die Schlacht zur Ausrottung der Nornen aus deren Perspektiven: Herzog Isgrimnur leitet den Angriff, Porto ist ein Söldner aus Ansis Pelippé, der in diesem Heer dient und auch die Gegenseite wird mit dem Hikeda’ya Viyeki geschildert. Auf diese Weise ist der Leser nicht nur stets mitten drin im Geschehen, sondern auch noch aufs beste informiert.
Doch leider ist dieses Buch in meinen Augen gähnend langweilig. Die Belagerung wandert von einem Standort zum nächsten, bis schließlich Nakkiga selbst belagert wird. Zwar lassen sich die Nornen das eine oder andere einfallen, doch letztlich bleibt es eine Schilderung einer langweiligen Belagerung nach der nächsten. Zwar ist der Fließtext als solches gut geschrieben und lässt sich im Grunde auch gut lesen, aber es passiert mir nicht nur allgemein zu wenig, sondern vor allem viel zu wenig mit Belang. Bei einem Buch, das neuen Lesern die Welt in Osten Ard schmackhaft machen möchte, habe ich ganz anderes erwartet. Hätte ich Das Geheimnis der großen Schwerter nicht gelesen, ich hätte dieses Buch abgebrochen. Da ich jedoch immer noch vorhabe die neuen Bücher zu lesen, habe ich mich hier durchgequält.
Dass es mir nicht so gut gefallen hat, mag auch daran liegen, dass viele der lieb gewonnenen Charaktere (allen voran Simon) hier fehlen. Doch vor allem war der Aufbau der Story nicht gut. Dem Titel nach hätte ich vermutet, dass das Artefakt mit dem Namen Das Herz der verlorenen Dinge einen besonderen Stellenwert innerhalb der Geschichte einnehmen wird. Es wird zwar erwähnt, aber was es kann und ob es letztlich etwas zum Ausgang der Geschichte beigetragen hat, bleibt völlig unklar. Vielleicht habe ich aber auch etwas übersehen oder nicht verstanden, denn so wie es sich mir dargestellt hat, war das Artefakt unwichtig und der Titel damit falsch gewählt. Ich könnte auch soweit gehen und sagen, das Artefakt war genauso überflüssig wie dieses Buch.
Das Buch hat aber eine gelungene Ausstattung: Es sind eine Karte von Osten Ard und eine vom Gebiet in dem das Buch spielt vorhanden, allerdings an einer blöden Stelle, nämlich mitten im Anhang, so dass ich ständig blättern musste. Es gibt außerdem ein Glossar aller wichtigen Personen, das ich im Grunde nicht gebraucht habe. Schön fand ich allerdings die kleine Zusammenfassung „über Feen“, die die Hintergründe der Nornen kurz zusammenfasst. Als Neu-Leser sollte man das zuerst lesen. Ganz zum Schluss befindet sich eine Leseprobe zum ersten neuen Band von Die Hexenholzkrone, die ich nicht gelesen habe, da ich das neue Buch ohnehin lesen möchte. Diese Leseprobe ist aber für alle Neu-Leser sicher sinnvoll, da es zeigt, dass andere Charaktere wie z.B. Simon wichtiger sind.

Fazit: Schon das Geheimnis der großen Schwerter empfand ich als schwer zu lesen, doch im Gegensatz zu diesem Buch hatte es wenigstens eine tolle Geschichte und interessante Charaktere. In diesem Buch wird lediglich eine Belagerung der Nornen durch die Rimmersmänner unter Isgrimnur nach der nächsten geschildert. Für mich war es daher arg langweilig. Mir ist es absolut schleierhaft, wie dieses Buch neue Leser für die Osten Ard Bücher anlocken soll. Da eigentlich nicht viel passiert, was man nicht kurz zusammenfassend im neuen Trilogieauftakt erwähnen könnte, würde ich raten, dieses Buch wegzulassen und auf die neuen längeren und sicher spannenderen Bücher zu warten. Es sei denn man mag Geschichten, bei denen lediglich Belagerungen im Mittelpunkt stehen. Schade, ich habe von diesem Buch jedenfalls viel, viel mehr erwartet.

Buchdaten: Das Herz der verlorenen Dinge – Tad Williams
Genre: Fantasy
Gebunden mit Schutzumschlag
380 Seiten
Klett Cotta Hobbit Presse
Erschienen: März 2017
ISBN: 978-3-608-96144-7
Preis: 20,00€

Das Geheimnis der großen Schwerter:

Der Drachenbeinthron Der Abschiedsstein Die Nornenkönigin Der Engelsturm
Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4
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