Michael Peinkofer – Tote Helden

Sehr holpriger Einstieg in diese neue Welt

Tote Helden ist der Auftaktband der Fantasy-Reihe Die Legenden von Astray, welche in der von Peinkofer neu erdachten Welt Astray spielt.

Zum Inhalt: Für die einen waren sie Helden. Für andere Legenden. Für wiederum andere waren sie nur dämliche Arschlöcher. Doch niemand ahnt, dass sie wieder zurück sind …

Im Jahr 37 nach dem Fall des tyrannischen Kaiserreichs sind die Helden von einst vergessen. Der Abyss, ein tiefer Abgrund, durchzieht den Kontinent Astray seit jener letzten erbitterten Schlacht und hat die Völker gespalten. Könige, Herzöge und fanatische Sektierer ringen um die Macht. Nur der Sänger Rayan erhält die Erinnerung an die Legenden der Vergangenheit am Leben – denn seine Visionen sagen ihm, dass in den Tiefen des Abyss eine Bedrohung lauert. Und dass nur die alten Legenden ihr die Stirn bieten können … (Quelle)

Meine Meinung: Das Cover war nicht der Grund, warum ich zu diesem Buch gegriffen habe. Auch wenn ich nichts gegen Krieger oder Schlachten habe, spricht mich diese Covergestaltung überhaupt nicht an. Wie gut, dass der Klappentext so reißerisch war, denn sonst wäre das Buch an mir vorübergegangen. Die Idee, das Buch nach dem eigentlichen Ereignis spielen zu lassen und so zu zeigen, was aus den Helden von einst geworden ist, finde ich wirklich genial, nur schade, dass davon im Text zu wenig zu lesen war… Klar wird die Welt nach diesem einschneidenden Ereignis geschildert, doch man weiß als Leser (noch) nicht was genau passiert ist, oder wer die Helden eigentlich waren.
Dieser Aspekt und einige Elemente, die mich sehr stark an eine andere, sehr bekannte Fantasy-Reihe erinnert haben, haben mir den Einstieg in das Buch doch arg schwer gemacht – ok, eigentlich habe ich mir sehr stark aufgeregt: Es gibt eine Bruderschaft die sogenannten „Unsichtbaren“ die nicht nur vermummt herumlaufen, sondern Münzen verteilen, mit denen man sich bei der Bruderschaft zu erkennen geben kann, um Hilfe zu bekommen. Es gibt einen kahlen, feisten Eunuchen, der in des Königs Rat sitzt. Es gibt einen Halbling, der als Narr dient, aber stets „Zwerg“ genannt wird, der nicht nur für seine Trunksucht, sondern auch für seine brillianten, ehrlichen und treffenenden Kommentare in des Königs Rat bekannt ist. Es gibt eine Religion, die im Osten angesiedelt ist, dem Feuer huldigt, Menschen als Strafe verbrennt und die Absicht hat in den Westen zu expandieren. Ich denke, es ist an dieser Stelle nun überflüssig die Fantasy-Reihe zu benennen, an die mich diese Elemente erinnert haben.
Doch zwei andere Aufreger kamen bereits vor dem ersten Lesen: Wieso ist auf meinem Cover ein Fehler? Über dem Schriftzug „Die Legenden…“ befindet sich links über dem „L“ eine orangefarbene „4“. Sehr störend! Zudem empfand ich die Wahl der Namen extrem platt. Der Abgrund heißt „Abyss“, zu deutsch „Abgrund! Das Land nennt sich „Astray“ zu deutsch „verloren (gehen)“. Klingt irgendwie wie platte bzw. unvollständige Übersetzung ins Deutsche. Ich hatte daraufhin ersteinmal ein Ausspracheproblem: Spreche ich das alles nun deutsch aus, oder englisch? Doch halt! Peinkofer ist doch ein deutscher Autor!
Trotz dieser negativen Momente gleich zu Beginn meiner Lektüre habe ich mich dennoch durchgerungen und dem Buch eine Chance gegeben. Schließlich hat der Autor ja nicht umsonst so viele Bücher erfolgreich verkauft. Nach 125 Seiten immer noch keine Spur von den „toten Helden“. Auf S. 143 werden sie in einem Lied das erste Mal besungen. Eigentlich reichlich spät dafür, dass der Titel etwas gänzlich anderes suggeriert. Stattdessen lernt der Leser einige der Hauptcharaktere kennen: den heimatlosen Sänger Rayan, der beim Singen seiner Lieder Visionen der Zukunft erhält, den trunksüchtigen Halbling Lorymar Thinkling und mit ihm die Erben des Königsthrons aus Althashar Nawyd und Nayaha. Einige wichtige Charaktere kommen im Laufe der Handlung hinzu.
Zunächst war mir beim Lesen überhaupt nicht wirklich klar, worum es in diesem Buch gehen soll. Jede Figur ging meinem Empfinden nach ihren eigenen Interessen nach. Eigentlich mag ich es überhaupt nicht, nicht zu wissen, was der rote Faden ist und worauf das ganze hinaus laufen soll. Letztlich hat mich Peinkofers Schreibstil dazu bewogen, das Buch weiterzulesen, denn es liest sich recht einfach und die ca 500 Seiten lasen sich regelrecht von allein. Im weiteren Verlauf der Geschichte hat sich mir allmählich ein Teil des ganzen Bildes der Geschichte gezeigt, als sich nach und nach mehr Puzzleteile zusammenfügten. Rückblickend betrachtet hat Peinkofer – gerade, weil die Absicht besteht zu zeigen, wie die Helden nach ihrer Heldentat ihr Leben verbringen – das Buch sehr genial aufgebaut, denn so wie sich die Inhalte zusammenfügen, konnte man vorher noch gar nicht wissen, worauf es hinauslaufen soll. Vor allem weil die Figuren selbst noch nicht wirklich wussten, was letztlich auf sie zukommen wird.
Das Buch endet hier zwar mit einem Sinnabschnitt, doch ist die Anfangssequenz damit noch nicht abgeschlossen, denn der Leser kennt am Ende dieses Buches erst zwei der sieben Helden von einst. Die anderen werden dann wahrscheinlich im Verlauf der Geschichte eingebaut werden. Peinkofer nimmt sich daher sehr viel Zeit, die Figuren einzuführen und lässt die Haupthandlung erst sehr langsam anlaufen. Dies ist an sich ein Vorgehen, dass ich sehr schätze. Was mich zudem wirklich positiv überrascht hat, ist die Tatsache, dass Peinkofer keinesfalls davor zurückschreckt seine ausführlich vorgestellen Charaktere über den Jordan zu schicken. So hatte ich im Kopf schon die eine oder andere mögliche Entwicklung für den weiteren Verlauf im Kopf, der so nun nicht mehr stattfinden kann. Da hat er sich wieder ein Beispiel bei oben genannter Fantasy-Reihe genommen. Letztlich, muss ich zum Abschluss noch einmal betonen, hat diese Geschichte nichts mit dieser Reihe gemein und ist eine gänzlich andere Geschichte, auch wenn die ähnlichen Figuren zu Beginn schon arg heftig angelehnt waren.

Fazit: Es hat lange gedauert, bis sich für mich die inhaltlichen Puzzleteile zusammen gesetzt haben und da mir der Einstieg aufgrund vieler kleiner Macken des Buches nicht einfach gefallen ist, bin ich froh, das Buch ganz gelesen zu haben, denn am Ende wird es vielschichtig und richtig gut. Der gut gestaltete Plot und die Verstrickungen der Charaktere machen die Geschichte vielschichtig und tiefgründig und so etwas mag ich sehr. Daher hat der wirklich sehr gute Verlauf des Buches meine anfängliche negative Haltung dem Buch gegenüber mehr als wett gemacht. Ich hätte daher zu Beginn der Lektüre nicht gedacht, dass ich hier mit dem Satz enden werde: Ich freue mich nun auf den nächsten Teil und hoffe, dass er nicht zu lang auf sich warten lässt!

Buchdaten: Tote Helden – Michael Peinkofer
Die Legenden von Astray, Band 1
Genre: Fantasy

Klappenbroschur
528 Seiten
Piper
Erschienen: 20. März 2017
ISBN: 978-3-492-70342-0
Preis: 16,99€

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kathrin sagt:

    Ich habe bisher noch nie etwas von Peinkofer gelesen, konnte ihm aber während der Piper Fantasy Nacht lauschen. Dabei erzählte er von diesem Buch und las auch eine Stelle – gekonnt ausgewählt hat er eine Stelle mit einem visionären Lied, weshalb deine Erwähnung von Rayan gerade schöne Erinnerungen weckte. Ich mag dieses Mystische/ Magische dieser Lieder. Auch sonst hat mir die Idee hinter „Tote Helden“ gut gefallen, weshalb ich den Titel seit der Buchmesse auf meiner Merkliste habe. Zum Kauf konnte ich mich allerdings noch nicht bewegen, weil ich mir nicht sicher war, ob die Idee auch gekonnt umgesetzt ist.

    Deine Rezension hat mich anfangs skeptischer gegenüber dem Roman gemacht, aber wie du ja schreibst, kann die Geschichte zum Ende hin dann doch überzeugen und fesseln. Also bleibt es auf der Merkliste und ich hoffe einfach mal, dass es irgendwann über die Onleihe verfügbar ist. 😉

    Irritierend finde ich ja die 4 auf deinem Cover. Wie passiert so etwas denn? :-O

    1. horrorbiene sagt:

      Das habe ich mich auch gefragt. Alle Cover, die ich bei Instagram gesehen habe, hatten auch die 4 drauf. Wahrscheinlich alles Rezensionsexemplare. Da stört der Fehldruck ja nicht. 😂 Im Laden habe ich das Buch nicht (an)gesehen, würde mich ja interessieren, ob die überall drauf ist.

      1. Kathrin sagt:

        Mmh, Fehldrucke als Rezensionsexemplare … Das wäre eine Erklärung. 😀 Im Buchhandel ist mir die 4 auf den Büchern bislang nie aufgefallen, allerdings habe ich die Cover da auch nicht so detailliert angesehen. Ich glaube, beim nächsten Gang in die Buchhandlung muss ich das mal überprüfen. 😉

      2. horrorbiene sagt:

        Halte mich auf dem Laufenden. 😉

      3. Kathrin sagt:

        Werde ich 😉

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