James Islington – Das Erbe der Seher

Herausragender Auftakt

Das Erbe der Seher ist der erste Teil der Licanius-Saga, deren Umfang bisher nicht bekannt ist.

Zum Inhalt: In Feuer und Blut endete vor 20 Jahren die Herrschaft der Auguren, mächtige Magier mit seherischen Fähigkeiten. Jene, die ihnen dienten – die Begabten – wurden nur verschont, weil sie sich dem rigiden neuen Gesetz unterworfen haben, das ihre Macht beschränkt.
Der junge Begabte Davian und seine Freunde wachsen in einer Welt auf, die sie verachtet und strengstens überwacht. Doch als Davian herausfindet, dass er über die bei Todesstrafe verbotene Magie der Seher verfügt, setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, die alles für immer verändern werden.
Denn im Norden regt sich ein Feind, den man zu lange besiegt glaubte … (Quelle)

Meine Meinung: Zu Beginn fiel es mir sehr schwer mich zu überwinden, mit dem Buch zu beginnen. Zwar haben mir Klappentext und Cover sehr gefallen, doch erst als ich das Buch in Händen hielt, ist mir aufgefallen, wie viele Seiten es hat und wie dicht bedruckt es ist. Mir war sofort klar, dass dies kein Buch sein würde, welches man mal eben lesen kann, sondern dass mich eine ganze Weile beschäftigen wird. Generell liebe ich dicke Bücher sehr, aber gefällt einem der Schreibstil oder der Plot nicht, dann ist solch ein Werk dann ganz schnell schwere Arbeit. Hinzukommt, dass damit geworben wird, es stünde in der Tradition von Robert Jordan und Raymond Feist. Das Rad der Zeit habe ich zwar noch nicht gelesen, aber einige Bände der Midkemia-Saga und die hat mich gerade vom Schreibstil nicht überzeugen können, daher war ich eher skeptisch.
Letztlich waren meine Befürchtungen unbegründet. Zwar hat mich das Buch tatsächlich eine ganze Weile begleitet, doch ich habe mich jeden Tag wieder darauf gefreut in die Welt eintauchen zu können. Islington hat hier eine tolle High-Fantasy-Welt erschaffen und es dabei geschafft die Balancen sehr gut zu halten: Intrigen, Schlacht, Freundschaft, Liebe, Magie, Politik, Klassenunterschiede sind alles Elemente, die hier eine wichtige Rolle spielen.
Ein weiteres gelungenes Element ist die Zeit: In dieser Welt ist es möglich, aber sehr ungewöhnlich, dass man die Zeit manipulieren kann, indem man z.B. in ihr zurückreist. Außerdem gibt es Prophezeiungen der Zukunft, die wirklich eintreffen. Dadurch ergeben sich einige sehr schöne Szenen, in denen ich als Leser schön mitgrübeln konnte, wie denn die Zeitlinien zusammen passen. Gefallen hat mir auch einige Szenen doppelt zu erleben: Zunächst als Prophezeiung und anschließend „in echt“ und auch Besuch aus der Zukunft zu bekommen, so dass man das „zum zweiten Mal erleben“, dann noch einmal in einem späteren Band haben wird. Manchmal verstricken sich Autoren dabei, wenn sie mit der Zeit in ihren Büchern spielen. Das hat Islington bisher vermieden und eher im Gegenteil Dinge eingebaut, die im späteren Text dann wieder auftauchen. So etwas liebe ich seit ich solche Verstrickungen bei Harry Potter gelesen habe.
Was ich wirklich herausragend fand, war der Aufbau dieses ersten Bandes. Der Leser hat gemeinsam mit den Charakteren im Verlauf der Geschichte mehr und mehr erfahren und es hat sich ein möglicher roter Faden für die Saga aufgetan. Doch im Finale wurde auf einmal vieles davon, was ich vermutet hatte über den Haufen geworfen durch eine Enthüllung, die mich zwar nicht völlig überraschte, für mich jedoch eine Wendung war, die ich in dieser Form in der Fanatsy-Literatur noch gar nicht gelesen habe. Diese Wendung war für mich das entscheidende Element, warum dieses Buch für mich die volle Wertung bekommen hat. Ich bin extrem gespannt, wie sich das ganze nun weiter entwickeln wird. Der Plot bisher bietet auf jeden Fall viel Stoff für Fortsetzungen und vor allem mehr als nur das Auslöschen des einen bösen Gegners…
Islington hat seine Geschichte seicht begonnen und so dem Leser ermöglicht, erst einen Teil der Charaktere näher kennen zu lernen und im Verlauf der Geschichte kamen immer mehr hinzu. Dadurch sind auch mehr Perspektiven dazugekommen und das Buch ist komplexer geworden, aber zu keiner Zeit unübersichtlich. Ich muss allerdings zugeben, dass ich manchmal vergessen habe, wie die Nebencharaktere zu den anderen stehen, doch auf Islingtons Homepage gibt es ein Namensregister mit kurzer Erklärung und – was mir besonders gefallen hat – mit der Aussprache der Namen, wie Islington sie geplant hat. Zur räumlichen Orientierung befindet sich in den Klappen eine Karte der Welt.
Die Charaktere waren druchweg gut beschrieben und sympathisch, obwohl bei nicht wenigen die Gesinnung bis zum Schluss ein Rätsel bleibt, doch das macht es umso spannender. Es gibt jedenfalls (bisher) keine fiesen, bösen Intrigen gegen eine einzelne Person. Es ist zwar längst nicht Friede, Freude, Eierkuchen, das auf keinen Fall, doch von solchen Hinterhältigkeiten und Feindseligkeiten gegen eine Person lese ich nicht gern und musste es hier auch nicht tun!
Islingtons Schreibstil ist keinesfalls so wie der von Raymond Feist, sondern modern und leicht zu lesen. Somit waren meine Befürchtungen vom Anfang unbegründet.
In dem biografischen Abschnitt im Buch steht geschrieben, dass Brandon Sanderson und Patrick Rothfuss ihn zum Schreiben animiert haben. Diese beiden Autoren dienen schon eher als Vergleich mit Islingtons Werk. Ich hoffe, dass der zweite Band nun sehr schnell erscheint. Ich kann es nicht abwarten, zu erfahren, wie es mit Caeden, Davian und den anderen weitergeht!

Fazit: Das Erbe der Seher ist für mich ein nahezu perfekter High-Fantasy-Roman: Komplex, vielschichtig und umfassend, dabei aber nicht langwierig und anstrengend, sondern spannend und intensiv. Mir hat das Lesen des Buches sehr viel Spaß gemacht, denn trotz aller Komplexität ließ es sich flüssig lesen. Die Verstrickungen durch das Element der Zeit und die zwar nicht ganz unerwartete Wendung am Ende waren jedoch Punkte, die das Buch für mich besonders gemacht und ihm noch mehr Tiefe gegeben haben. Gerade nach dieser enthüllenden Wendung bin ich sehr gespannt, wie die Geschichte nun weitergehen wird – denn solch eine Enthüllung habe ich bisher noch nicht gelesen!

Buchdaten: Das Erbde der Seher – James Islington
Die Licanius-Saga, Band 1
Originaltitel: The Shadow of What Was Lost

Genre: Fantasy
Klappenbroschur
784 Seiten
Knaur
Erschienen: 02. Mai 2017
ISBN: 978-3-426-52095-6
Preis: 16,99€

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kathrin sagt:

    Liebe Sabine,

    was für ein Glücksgriff – für dich und mich. 😉 Ich habe das Buch an diesem Wochenende auch begonnen und bin bisher sehr angetan von der Geschichte, auch wenn einiges noch im Unklaren ist (ich habe erst rund 50 Seiten hinter mir). Deine Rezension nun verspricht mir, dass der Roman sich sogar noch steigern wird – volle Punktzahl vergibst du ja schließlich nicht ständig. Besonders dein Hinweis auf die Wendung hat mich neugierig gemacht und ich kann es dank dir nun noch weniger erwarten, weiter zu lesen.

    Ein wenig verwirrend finde ich allerdings die manchmal doch recht ähnlichen Namen bzw. Namensteile, aber ich glaube, da finde ich nach einer Weile schon rein. 😉

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag wünscht dir
    Kathrin

    1. horrorbiene sagt:

      Stimmt, mit den Namen hatte ich auch einige Schwierigkeit. 😂 Ich bin gespannt, was du von der Wendung hältst!!! Vor allem, ob du auch in die Richtung gedacht hast!

      1. Kathrin sagt:

        Mal schauen, in welche Richtung auch vorher meine Theorien gehen … Bisher habe ich immer mal wieder Vermutungen, in welche Richtung sich grob alles entwickeln könnte, aber irgendwie bin ich mir danin nicht sicher und sehe die Handlung noch offen für alles.

  2. belmonte sagt:

    Viele Dank für die Rezension. Das Buch liegt seit zwei Wochen auf meinem SuB und wird meinen Sommer bereichern.

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