Ann A. McDonald – Die Schule der Nacht

Versinkt in Mittelmäßigkeit

Zum Inhalt: »Du kannst dich nicht für immer vor der Wahrheit verstecken. Bitte komm zurück, und bring alles zu einem guten Ende.« Diese Nachricht erhält die Amerikanerin Cassandra Blackwell in einem mysteriösen Päckchen, zusammen mit einem alten Foto ihrer verstorbenen Mutter, gekleidet in die schwarze Robe der Oxford Universität. Kurzerhand beschließt sie, nach England zu reisen, um mehr über die geheimnisvolle Vergangenheit ihrer Mutter zu erfahren. Dort entdeckt Cassie eine Welt voller Traditionen und Privilegien und merkt schnell, dass hier eine dunkle Macht am Werk ist – verbunden mit einer geheimen Gesellschaft, die sich Die Schule der Nacht nennt … (Quelle)

Meine Meinung: Eigentlich lasse ich mich von Sätzen wie „Für die Leser von xxx“ nicht beeinflussen, da diese Verweise meist absolut an den Haaren herbeigezogen sind und oft auch von Menschen gemacht werden, die offensichtlich keine Ahnung von der Materie haben. Hier bin ich dennoch darauf hereingefallen, als mir suggeriert wurde, das Buch sei ähnlich der All Souls-Trilogie von Deborah Harkness. Zugegeben es gibt einige Paralleleln zu dieser, denn zumindest der erste Band spielt in Akademierkreisen in Oxford. Doch damit hört es auch schon auf. Vielmehr hat mich dieses Buch an die  After-Reihe von Anna Todd erinnert mit ihrer unsäglichen Liebesbeziehung zu dem Unsympathen Hardin. Wie man herauslesen kann, mochte ich das erste Buch der Reihe gar nicht und habe es abgebrochen. Den ersten Band von All-Souls dagegen habe ich regelrecht verschlungen. Dieses Buch steht dabei nun zwischen den Stühlen: Es fehlen bis fast zum Schluss die fantastischen Elemente wie in Die Seelen der Nacht, aber auch eine schöne Liebesgeschichte. Letzteres ist jedoch schon fast ein Glück, denn dann wären wir recht schnell auf der Schiene der After-Reihe gelandet. So gibt es hier zwar keine Liebe, aber eben auch keine Fantasy und letzteres habe ich schon erwartet. Demensprechend war ich recht enttäuscht von dem Buch.
Der Leser begleitet Cassie in ihrem Studienjahr in Oxford, indem sie eigentlich nur zum Schein studiert, denn ihr vorwiegendes Interesse besteht darin das Geheimnis ihrer Mutter zu lüften. Ich mag solche Enthüllungsgeschichten im Grunde, doch hier ging es mir zu schleppend, da ihr Studium letztlich so viel Raum einnimmt. Dabei mag ich eigentlich auch solche Nebenhandlungen sehr, da sie Atmosphäre schaffen. Ich kam daher nicht über den Eindruck hinweg, dass hier im Grunde eigentlich alles vorhanden ist, was eine gute Geschichte benötigt und die Autorin auch gut schreibt, doch der Aufbau der Geschichte mangelhaft ist. Es wird viel zu viel Zeit für Unnötiges verschwendet, da diese Nebenhandlung nicht tiefgründig ist. Die Nebencharaktere wie z.B. Elliot und Charlie aber auch Hugo, Olivia und Evie bleiben viel zu blass und trotz vieler Längen entwickelt sich die Handlung vie zu schnell. Die Autorin hat für mein Empfinden die richtige Balance aus Storyentwickling und atmosphärenaufbauender Nebenhandlungen nicht gefunden.
Zudem weiß ich bis heute nicht, wie alt die Protagonistin ist. Das scheint unwichtig, doch da sie offensichtlich älter ist als ihre Kommilitonen, ist dies für die Vorstellungskraft essentiell. Ist sie Anfang, Mitte oder gar Ende 20, vielleicht gar über 30? Man weiß es nicht. Ohnehin bleibt die Hauptfigur blass und perspektivenlos. Zwar gab es in ihrer Biografie durchaus Stellen, die mit dem Finale im Einklang stehen, dennoch fand ich dass die fantastischen Elemente als sie dann kamen, viel zu schnell kamen. Ich hatte praktisch die ganze Zeit das Gefühl als sei diese Geheimgesellschaft ganz „normal“ und als sich dann doch herausstellte, dass wie im Klappentext angedeutet „eine dunkle Macht am Werk ist“, kam das für mein Empfinden viel zu plötzlich. Ohne Andeutungen im Vorfeld wirkt es nämlich aufgesetzt und unlogisch. Eben wie ein Märchen. Man hätte schon früher Hinweise auf die übernatürlichen Elemente setzen können, da wäre die Geschichte mit Sicherheit spannender und runder geworden. So ist es nichts Halbes und nichts Ganzes. Kein normaler Roman, aber auch keine Fantasy. Kein Familienroman oder Romanze aber auch kein Thriller oder Gegenwartsliteratur. Eine klarere Schwerpunktsetzung – in welche Richtung auch immer – hätte dem Buch gut getan, denn auch ein Romantasy-Buch kann besser sein als dieses Wischiwaschi. Ich hätte es dann vermutlich ganz fürchterlich gefunden, aber dann hätte ich auch von vornherein die Finger davon gelassen. So war das Buch einfach nicht herausragend – also weder besonders gut, noch besonders schlecht – sondern versinkt in langweiliger Mittelmäßigkeit. Mit einem Re-Read der All-Souls-Trilogie wäre ich sicher besser bedient gewesen…

Fazit: Die Schule der Nacht hat mich leider nicht überzeugen können, aber es war auch nicht wirklich schlecht. Da in vielen Beziehungen keine klare Einordnung in Schubladen möglich ist, bleibt das Buch zwischen den Stühlen hängen und damit langweilig nichtssagend. So ist es weder ein echtes Fantasy-Buch in einem der vielen SUB-Genres noch ist es ein romantisches Buch. Es ist im Grunde nur eine Geschichte über eine Studentin auf der Suche nach den Geheimnissen ihrer Mutter, die dann letztlich seltsam wird, weil fantastische Elemente auftauchen, die eigentlich nicht zum Rest der Geschichte passen. Das Buch enthält demnach viele gute Ideen und tolle Elemente, doch die Ausarbeitung lässt doch sehr zu wünschen übrig. Das Buch ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Nicht gut und nicht schlecht. Man kann es zur Unterhaltung also durchaus als Lektüre heranziehen – oder auch bleiben lassen.

Buchdaten: Die Schule der Nacht – Ann A. McDonald
Genre: Man weiß es nicht genau…
Gebunden mit Schutzumschlag
448 Seiten
Penhaligon
Erschienen: 22. Mai 2017
Originaltitel: The Oxford Inheritance
ISBN: 978-3-7645-3177-5
Preis: 19,99€

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