John Gwynne – Macht

Gelungener Auftakt in einer tollen High-Fantasy-Welt

Macht ist der erste Band eines Vierteilers mit dem Titel: Die Getreuen und Gefallenen. Das Schöne daran ist, dass alle Bände im Original bereits erschienen sind und dass der Verlag geplant hat, diese in einem Rhythmus von 3 Monaten herauszubringen. Eine Auflistung erfolgt unten.

Zum Inhalt: Wo sich die Verfemten Lande erstrecken, färbte Blut die Welt einst rot. Wo heute uralte Ruinen stehen, bezwangen Menschen Giganten. Wo einzig das Heulen der Woelven erklingt, brannte vor tausenden Jahren die Welt. Doch zu lange haben sich die Menschen in Sicherheit gewähnt. Nun weinen die Gigantensteine Blut, und in den Verfemten Landen regt sich erneut, was für immer verbannt sein sollte. Ein uralter Feind hat längst eine Allianz geschmiedet und wartet darauf, dass seine Stunde kommt. Und nur einer vermag es, ihn aufzuhalten, wenn die Schwarze Sonne die Welt betritt … (Quelle)

Meine Meinung: Ich habe noch so viele ungelesene Bücher zu Hause, so dass ich bei den meisten Reihenauftakten meist denke: „Ach, nicht schon wieder eine neue Reihe anfangen!“, vor allem, da die Beschreibungen meist recht nichtssagend sind. Hier ist es auch so: Nach der Lektüre des Klappentextes weiß man nicht wirklich, worum es gehen soll. Dennoch hat dieses Buch seinen Weg zu mir gefunden. Warum? Ich finde das Cover sehr ansprechend – vor allem im Zusammenspiel mit den anderen Teilen, die sehr ähnlich aufgemacht sind. Außerdem muss ich nicht Ewigkeiten warten, bis die Fortsetzungen erscheinen, sondern muss nur recht kurz warten.
Der Inhalt dieses dicken Schinkens (826 Textseiten) hat mich dann vollständig überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Ich weiß nun auch, warum der Klappentext so nichtssagend ist: Man kann den Knackpunkt des Inhaltes praktisch nicht zusammefassen, ohne entscheidende Entwicklungen zu spoilern. Letztlich geht es mal wieder darum die Welt zu retten. Doch hier ist es etwas anders aufgezogen. Den verfemten Landen droht ein verheerender Krieg, doch wissen das die vielen Herrscher noch nicht. Denn sie werden nicht den Ausschlag geben, sondern zwei verfeindete Götter, der eine gut, der andere böse. Der böse Gott Asroth hat zum Ziel die gesamte Schöpfung Elyons zu zerstören, doch dafür muss er die Anderwelt verlassen und in der Lage sein zwischen den Menschen zu wandeln. Das Problem ist nur, das Elyon schon lange nicht mehr aktiv ist… In den verfemten Laden soll dann jeweils ein Paladin den Gott vertreten und um den Sieg kämpfen. Wer diese Paladine sind? Das weiß keiner. Nur eine alte Prophezeiung die diesen Götterkrieg vorhersagt, gibt Hinweise woran man sie erkennen kannn.
Die Geschichte wird aus der Sicht einer nicht geringen Anzahl von Personen geschildert. Da die verfemten Landen aus vielen Ländern bestehen, gibt es in einigen davon Charaktere mit eigener Perspektive, so dass die Geschiche plastisch erscheint und nicht nur an einem Ort erzählt wird. Dies hat mir grundsätzlich zwar gut gefallen, doch ich kann mir vorstellen, dass wenn man das Buch über einen längeren Zeitraum hinweg liest, man leicht die Übersicht verlieren kann. Ich hatte das Gefühl, dass gerade die männlichen Charaktere irgendwie alle gleich heißen und hatte es manchmal schwer, mich zu orientieren. Als Hilfe gibt es jedoch ein Namensregister mit dem dazugehörigen Land am Ende des Buches und in jeder Buchklappe eine übersichtliche und nützliche Karte. Nach einiger Zeit hatte ich den Dreh dann raus, wer die wichtigen Charaktere in diesem Buch sind und wer (erst einmal nur) die Hintergrundgeschichte weiter voranbringt. Um die Übersicht zu wahren, sind jedem Charakter einzelne Kapitel – ähnlich wie bei Das Lied von Eis und Feuer – zugeteilt. Gut gefallen hat mir dabei – und das ist das, was dieses Buch ausmacht – das mir praktisch alle Charaktere sympathisch und interessant gestalten waren. Aber im Laufe des Buches stellt sich heraus, wer die Paladine sind und dass manche der sympathischen Charaktere auf der falschen Seite gelandet sind.
Zwar wird in diesem ersten von vier Teilen das volle Potential der Magie noch nicht erschöpft und auch noch nicht viel über die besagte Prophezeiung oder über die Geschichte der verfemten Lande erzählt, doch den Entwicklungen nach zu schließen, wird all dies im zweiten Band der Geschichte aufgedeckt und ich verspreche mir davon noch mehr Tiefgang und einen roten Faden, wie sich die Geschichte weiter aufbauen wird. Letztlich ist dieser Band eine zwar etwas lange, aber sehr gelungene Einleitung in diese Welt. Das Wordlbuilding als solches hat mir auch gut gefallen. Es gibt unterschiedliche menschenähnliche Wesen, fantastische Tiere, unterschiedliche Königreiche und Landschaften und natürlich Magie, welche jedoch noch näher erklärt werden muss.
Das einzige, was ich diesem Buch ankreiden würde, ist eben diese Tatsache des klassischen Auftaktbandes. Es hat kein Finale, auf das man lange hingearbeitet und hingefiebert hat. Zwar ist es spannend und legt alle Karten auf den Tisch, so dass für den Rest der Reihe die Gesinnungen klar und deutlich sind, aber es gibt eben in meinen Augen keinen klassischen Klimax. Es kommt so, wie es kommt, weil es nun mal so kommen soll, aber es war vorher nicht abzusehen. Letzlich tut es jedoch weder der Geschichte – die ist und bleibt gut und spannend – noch dem Finale einen Abbruch.
Etwas merkwürdig finde ich die Namesgebung der Bücher. Die deutschen Titel bestehen analog zu den Originaltiteln aus einem Wort. Dieser hier heißt im Original „Malice“ zu deutsch „Bosheit“. „Bosheit“ ist allerdings der deutsche Titel des zweiten Bandes, welcher im Original “ Valour“ (Tapferkeit) heißt. Das ist zwar keineswegs tragisch, aber irgendwie unnötig irritierend.

Fazit: Macht ist ein überaus gelungener Auftaktband eines neuen High-Fantasy-Vierteilers. Die Geschichte konnte mich in allen Bereichen überzeugen: Charaktere, Wordbuildig, Aufbau und Ausstattung sind alle hervorragend. Gerade der Aspekt, dass mir von Beginn an alle Perspektiven-Charaktere sympathisch waren, sich aber erst später heraus gestellt hat, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört, hat mir sehr gut gefallen. Das einzige was mir zur vollen Wertung (9/10 statt 10/10) gefehlt hat, ist dass ein Überraschungsmoment fehlt. Außerdem handelt es sich um den Auftaktband, der zwar ein spannendes Finale hat, doch es ist keines auf das man über einen langen Zeitraum hinarbeitet. Das kommt dann erst im weiteren Verlauf und das ist auch gut so. Einen sehr großen Vorteil hat die Serie für alle die, die wie ich nicht so gern warten: Im Original ist sie schon vollständig erschienen und die Fortsetzungen werden nun in regelmäßigen Abständen veröffentlicht.

Buchdaten: Macht – John Gwynne
Band eins der Reihe: Die Getreuen und Gefallenen
Original: Malice – The Faithful and the Fallen

Genre: Fantasy
Broschiert
832 Seiten
Heyne
Erschienen: 19. Juni 2017
ISBN: 978-3-7341-6119-3
Preis: 16,00€

Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4
 ET: 18.09.17 ET: 18.12.17 ET19.03.18

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nanni sagt:

    Hey,
    mich konnte das Buch letztendlich nicht begeistern. Ich fand es sehr verworren. Die Figuren waren zwar sympathisch, aber ich habe leider keinen tieferen Zugang zu ihnen erhalten. Und was mich mega gestört hat: es haben sich total oft Sätze wiederholt.
    Insgesamt war es ganz okay, aber ich werde die Reihe wohl nicht weiterlesen, obwohl sie sicher sehr schön im Regal aussieht (und das Wurm mich echt etwas), aber ich habe einfach keine Zeit für solch dicke Schinken, die mich nur halbherzig mitreissen können 😉
    Liebe Grüße,
    Nanni

    1. horrorbiene sagt:

      Das klingt ja, als würdest du dich entschuldigen! 😉 Ich verstehe deine Argumente absolut! Mir hat der zweite Teil nicht mehr so gut gefallen, da das, was ich am ersten so gut fand, größtenteils fehlte. Statt Charakterentwicklung gab es nur noch Kampf, Kampf Kampf. 😑 Von daher ist es besser, wenn du dir den wirklich sparst. Übrigens konnte mich der Sapkowski nicht begeistern, er schreibt gut ohne Frage, aber inhaltlich ist im ersten Buch absolut gar nichts passiert und die Charaktere wurden praktisch gar nicht eingeführt. Manchmal sind Geschmäcker eben doch verschieden und das ist auch gut so. 😉 Liebe Grüße. 😊

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