J.R.R. Tolkien – Beren und Lúthien

Eine Erstehungsgeschichte

Zum Inhalt: Ein dramatisches Schicksal überschattet die Liebe von Beren und Lúthien. Sie gehört den unsterblichen Elben an, während er ein Sterblicher ist. In seiner tiefen Abneigung gegen alle Menschen zwingt ihr Vater, ein großer Elbenfürst, Beren eine unlösbare Aufgabe auf: Bevor dieser Lúthien heiraten darf, muss er von Melkors Krone einen Silmaril rauben. Unerschrocken macht sich Beren auf den Weg, den Silmaril für seine Liebe zu gewinnen. Da setzt Melkor, auch Morgoth der Schwarze Feind genannt, die fürchterlichsten Kreaturen – skrupellose Orks und schlaue Wölfe – gegen Beren ein. Aber die Liebe zwischen Lúthien und Beren reicht buchstäblich über den Tod hinaus. (Quelle)

Meine Meinung: Als Fantasy-Leser kommt man um Tolkien nicht herum und man mag von seinem Schreibstil halten was man möchte, seine Geschichten sind genial und die Welt, die er erschaffen hat, hat die Fantasy-Welt maßgeblich beeinflusst. Unser Bücherregal schmücken daher die illustrierten Ausgaben seiner Bücher und da durfte natürlich dieses neueste Werk nicht fehlen. Christopher Tolkien hat für dieses Buch die schöne Geschichte von Beren und Lúthien im Wandel der verschiedenen Entwicklungsstufen aufgezeigt, denn hinter der doch recht kurzen Passage im Silmarillion steckt eigentlich wesentlich mehr. Tolkien hat dabei in einem ausführlichen Vorwort erläutert wie er vorgegangen ist und welchen Zweck er mit der Herausgabe dieses Buches beabsichtigte. Er hat dabei bereits angemerkt, dass dies höchstwahrscheinlich das letzte von ihm herausgegebene Werk seines Vaters sein wird, da er nun auch schon im Greisenalter ist.
Dabei wird deutlich, dass sich diese für Tolkien sehr zentrale Geschichte aus seinem Gesamtwerk über die Jahre sehr verändert hat. Christopher Tolkien hat dabei immer wieder die Unterschiede und Entwicklungsschritte hervorgehoben. Ich hätte es angenehmer gefunden, wenn dabei der Geschichts-Teil und der erklärende Teil optisch noch deutlicher voneinander getrennt worden wären. Im Buch sind diese nur durch Einschübe im Fließtext zu unterscheiden. Gewünscht hätte ich mir z.B. eine andere Schriftart oder einen der Texte kursiv. Außerdem ist der erklärende Text mitunter so wissenschaftlich formuliert, dass ich eher den Eindruck hatte, Tolkien wollte mit diesem Buch eine literaturwissenschaftliche Hausarbeit für die Uni vorlegen, statt der Leserschaft die Leidenschaft seines Vaters für diese Geschichte zu vermitteln. Als normaler Freizeitleser hatte ich damit so meine Schwierigkeiten und habe mich statt, das Buch als ein Hauptbuch in einem Durchgang zu lesen, dazu entschieden, das Buch in einzelnen Happen zu lesen, um nicht die Freude daran zu verlieren. Denn auch eine literaturwissenschaftliche Hausarbeit könnte von der Wortwahl her schon moderner und unterhaltsamer und damit einfacher zu lesen sein, doch dies kann man nicht von einem über 90-Jährigen verlangen, oder?
Ich habe irgendwie gänzlich andere Erwartungen an das Buch gehabt. Zwar entsprechen sowohl die Ausstattung als auch die zahlreichen und gelungenen Farb- und schwarz-weiß-Abbildungen sehr wohl meinen Erwartungen, aber ich hatte gehofft, das Christopher Tolkien die Vorlagen seines Vaters zwar auch gegenüberstellt, aber eine neu formulierte ganzheitliche Geschichte ebenfalls vorhanden ist – und das ist sie nicht. Im Gegenteil sind manche Texte eher Textstellen oder gar Textschnipsel, die Tolkien aus dem Lebenswerk seines Vaters zusammengesucht hat.
Das alles wäre gut zu ertragen und vielleicht auch unterhaltsam gewesen, doch was ich vorher nicht wusste, war das die Passage aus dem Leithian-Lied in Vers-Form geschrieben und dann auch noch so unheimlich umfangreich ist! Im Anhang befindet sich sogar noch eine überarbeitete Fassung. Ich tue mich schon sehr schwer mit diesem Fachchinesisch, doch Lyrik ist so gar nicht meins! Das war auch der Grund, warum ich so verhältnismäßig lange für die Lektüre des Buches gebraucht habe. Es gibt gute Lyrik und nicht so gute und die hier abgedruckten Teile gehören eher zu letzerer Kategorie. Die Passagen, die Tolkien überarbeitet hatte, lassen sich wesentlich besser lesen, was wohl auch zeigt, dass Tolkien dies ebenso sah.
Dieses Buch nun zu bewerten finde ich überaus schwer. Objektiv betrachtet ist es zäh, langweilig und schlecht geschrieben. Im Blick auf das Gesamtwerk Tolkiens jedoch sehr interessant und allein schon wegen der tollen Ausgabe ein Must-Have für Tolkien-Fans. Dieses Buch kann ich auch daher nicht wirklich bewerten, da „schlecht geschrieben“ gerade bei Lyrik sehr relativ ist, musste der Text doch erst ins Deutsche übersetzt werden, was unter Umständen einen Qualitätsverlust verursacht haben könnte. Dies kann ich jedoch nicht nachprüfen, da mein Englisch für alte Lyrik nicht ausreicht. Ob es sich lohnt dieses Buch anzuschaffen, muss jeder für sich entscheiden. Denjenigen, die nur auf der Suche nach einer schönen Geschichte sind, würde ich davon abraten. Wer jedoch tiefer in das Tolkien-Universum eindringen möchte, für den ist dieses Buch sicher ein Schatz. Ich jedenfalls freue mich (trotz der Lyrik), das Buch mein Eigen nennen zu können.

Buchdaten: Beren und Lúthien – J.R.R. Tolkien
Genre: Fantasy
Gebunden mit Schutzumschlag, Lesebändchen sowie farbigen und s/w Illustrationen
304 Seiten
Klett-Cotta Hobbit Presse
Erschienen: 2017
ISBN: 978-3-608-96165-2
Preis: 22,00€

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kathrin sagt:

    Schade, dass dieses Buch nix für dich war. Ein Stück weit kann ich dich da auch gut verstehen (auch wenn ich Beren und Lúthien noch nicht gelesen habe): So sehr ich es schätze, dass Christopher Tolkien die Werke aus dem Nachlass veröffentlicht und dazu auch Hintergründe liefern möchte, finde ich seine Textpassagen doch immer recht dröge. Wie du schon schreibst, klingen sie meist eher nach einer wissenschaftlichen Abhandlung – das kann für Teile der Leserschaft sehr interessant sein, aber für das Gros der Leser ist es doch zu weit weg von dem Lesegenuss und dem einfachen „Erleben“ der Geschichten, zu theoretisch und irrelevant für das eigene Lesen des jeweiligen Titels.

    Die lyrische Form finde ich selbst dagegen bei Tolkien immer spannend. Normalerweise kann ich mit Lyrik rein gar nichts anfangen, aber durch den „Liedcharakter“ kommt für mich eine besondere Stimmung und ein Gefühl für die Zeit dieser Legenden auf. Abgesehen davon finde ich es auch irgendwie faszinierend, wie Tolkien sich die ganzen Versformen der jeweiligen Zeit und die sprachlichen Eigenheiten angeeignet hat. Aber ich gebe dir Recht: Dazu einen Zugang zu finden, ist für viele wohl nicht ganz einfach.

    1. horrorbiene sagt:

      Ich finde das Lied im Hauptteil echt übel! Das im Anhang geht wesentlich besser! 🙈

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