John Gwynne – Bosheit

Kampflastiger Nachfolgeband

Bosheit ist der zweite Band eines Vierteilers mit dem Titel: Die Getreuen und Gefallenen. Das Schöne daran ist, dass alle Bände im Original bereits erschienen sind und dass der Verlag geplant hat, diese in einem Dreimonatsrhythmus herauszubringen. Eine Auflistung erfolgt unten.

Zum Inhalt: Der Krieg ist ausgebrochen und hat die Verfemten Lande in Chaos gestürzt. Der Krieger Corban, der einst treu für König Brenin kämpfte, ist auf der Flucht – bis dem Feind ein wertvolles Pfand in die Hände fällt: Die junge Cywen ist Corbans Schwester, und um sie zu retten, würde er jeden Preis zahlen. Gleichzeitig ringt Corban mit der Bürde, ein Held zu sein. Doch während er vor seinem Schicksal flieht, formieren sich dunkle Mächte, um die Verfechter der Gerechtigkeit für immer zu zerschlagen … (Quelle)

Meine Meinung: Mir hat der erste Teil der Reihe wirklich gut gefallen, war es doch qualitativ hochwertige High-Fantasy mit tollen Charakteren. So ist es nicht verwunderlich, dass auch dieses gute Stück von mir gelesen wurde. Auch wenn nach dem ersten Band verhältnismäßig wenig Zeit verging, bis ich mir diesen hier zu Gemüte führte, muss ich nun schon gestehen, dass mir der Einstieg in das Buch recht schwer gefallen ist. Schon im ersten Band ist deutlich geworden, dass die Geschichte aus der Sicht einer nicht geringen Anzahl von Personen geschildert wird und in jeder Perspektive erst einmal zu durchblicken ist wer denn eigentlich wer ist, was diese Person im letzten Band erlebt hat und auf welcher Seite sie steht. Das war wirklich nicht so einfach. Zwar gibt es hinten im Buch ein Personenregister und auch eine Karte in jeder Klappenseite, doch ein „was bisher geschah“ wäre für mich auch sehr hilfreich gewesen.
Zwar ist die Mehrperspektivität ein großer Vorteil für das Buch, da die verfemten Landen aus vielen Ländern bestehen, gibt es in einigen davon Charaktere mit eigener Perspektive, so dass die Geschiche plastisch erscheint und nicht nur an einem Ort erzählt wird. Um die Übersicht zu wahren, sind jedem Charakter einzelne Kapitel – ähnlich wie bei Das Lied von Eis und Feuer – zugeteilt. Manche sind dabei auch wirklich kurz gehalten und man erhascht nur einen kurzen Blick wie es auf der anderen Seite der Welt aussieht. Aber dadurch wurde mir eben der Einstieg erschwert.
Im Verlauf dieses Buches wird sehr viel gereist bzw. geflohen und noch mehr gekämpft. Bis auf Charakterentwicklung und das Voranschreiten der Haupthandlung im Finale passiert sonst eigentlich nicht viel mehr. Zwar ist das storytechnisch schon alles in Ordnung und ist auch interessant geschrieben, doch mir war das inhaltlich etwas zu wenig auf über 800 Seiten. Das hat mir die Lektüre des Buches etwas erschwert, da mir diesmal die etwas langsamere Entwicklung z.B. von Corban fehlte. Ansonsten ist nun deutlich und bald auch allen klar, wer der Strahlende Stern und wer die Schwarze Sonne ist, also der jeweilige Paladin der zwei vorherrschenden Gottheiten, die nun gegeneinander in einem Krieg kämpfen werden. Das Schöne an der Sache ist, dass nach wie vor Nathair und sein Gefolge davon ausgehen, er sei der Strahlende Stern, wobei nun nach und nach Gefolgsleute dazustoßen, die eindeutig wissen, wer auf wessen Seite kämpft. Zwar wurde uns Lesern noch nicht eröffnet was Nathair nun denkt, als zwangsläufig auch ihm klar wird, dass er einem Schwindel aufgesessen ist. Am Ende ist jedoch klar welchen Hintergrund die vorher etwas zwielichtige Figur Meical hat und was Ghar für eine Vergangengeit verborgen hat. Corban bleibt sich treu und ignoriert erst einmal jegliches religiöses Gelaber und konzentriert sich auf das Wesentliche: Zunächst Edana in Sicherheit bringen und anschließend seine tot geglaubte Schwester Cywen aus den Fängen der Feinde zu retten.
Ich hätte mir gewünscht, dass außerhalb von Reisen, Flucht sowie Kampf und Schlacht noch etwas mehr passiert oder andersherum man hätte hier auch gut etwas kürzen können. Aber nun gut, es ist so wie es ist und über Geschmack lässt sich nicht streiten. Die Charaktere sind nach wie vor toll gestaltet und die Geschichte als solche funktioniert auch prima. Ich hoffe nur, dass der nächste Band wieder etwas „mehr“ ist.
Nach wie vor finde ich die Namesgebung der ersten beiden Bücher recht merkwürdig: Die deutschen Titel bestehen analog zu den Originaltiteln aus einem Wort. Der erste Band Macht heißt im Original Malice zu deutsch „Bosheit“. Bosheit widerrum ist allerdings der deutsche Titel dieses zweiten Bandes, welcher im Original Valour (Tapferkeit) heißt. Das ist zwar keineswegs tragisch, aber irgendwie unnötig irritierend. Doch ich muss sagen, die englischen Titel passen besser zum Inhalt.

Fazit: Bosheit ist eine gelungene wenn auch sehr kampf- und reiselastige Fortsetzung der Reihe Die Getreuen und Gefallenen. Die Stärke dieser Reihe sind eindeutig die Charaktere, wenn ich auch zu Beginn dieser Lektüre ob der schlichten Masse an unterschiedlichen Perspektiven, etwas Schwierigkeiten hatte wieder in die Geschichte zu finden. Wie die Haupthandlung letztlich vorangebracht wird, hat mir gut gefallen und ich bin nun gespannt wie es weiter geht mit dem Strahlenden Stern und der Schwarzen Sonne, hoffe jedoch, dass der nächste Band nicht so sehr geprägt wird vom ständigen Fliehen, was Kämpfe mit Verfolgern nach sich zieht.

Buchdaten: Bosheit – John Gwynne
Band eins der Reihe: Die Getreuen und Gefallenen
Original: Valour – The Faithful and the Fallen
Genre: Fantasy
Broschiert
832 Seiten
Heyne
Erschienen: 18. September 2017
ISBN: 978-3-7341-6120-9
Preis: 16,00€

Teil 1 Teil 2 Teil 3 Teil 4
Rezension ET: 18.12.17 ET19.03.18

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Ein Kommentar

  1. Schöne Rezension
    Den Teil lese ich aktuell 😊
    Im Moment eine Fantasyreihe die mir wirklich gefällt!

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