Klaus N. Frick – Das blutende Land

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Es fehlen die Sympathieträger

Zum Inhalt: Das Imperium der Eskoher herrscht mit eiserner Hand über das Land Patloren. Als blutige Aufstände ausbrechen, wird der Bauernsohn Sardev in die Kämpfe verwickelt. Er gerät in Gefangenschaft – bei einem der letzten noch lebenden Zauberer. In einem Zeitalter, in dem sich die Magie ihrem Ende zuneigt, wird er zum Opfer eines grausamen magischen Experiments: Sardevs Geist wird mit dem eines Wolfes verschmolzen. Fortan soll er den Eskohern als menschliche Waffe dienen. Der Zauberer allerdings verfolgt ein Ziel, das nur sein eigenes Überleben vorsieht, und Sardev erweist sich als der Einzige, der ihn aufhalten kann. (Quelle)

Meine Meinung: Mit diesem Buch habe ich mich recht schwer getan, was bedeutet, dass sich die Lektüre gezogen hat wie Kaugummi. Dabei waren die Voraussetzungen eigentlich ganz gut: Der Klappentext ist interessant, das Buch ist zur Abwechselung einmal ein in sich abgeschlossener Roman und kein Auftakt einer Reihe oder Trilogie und mit der Verschmelzung mit einem Wolf, einem Element, von dem ich so noch nicht gelesen hatte, würde der Geschichte ordentlich Pepp geben. Leider war die Ausführung dann alles andere als überzeugend. Nicht weil der Schreibstil schlecht ist, oder das Buch unvorteilhalt konstruiert. Es hat schlicht einfach keine Sympathieträger oder Helden unter den Protagonisten. So blieben mir die Charaktere alle herzlich egal und damit konnte mich auch die Handlung nicht fesseln.
Die Geschichte wird aus vier Perspektiven erzählt:
Shorrn Meikeis – ist Anführer einer Gruppe von Raureitern, die im Land der Freibauern für die Sicherheit sorgen. Er ist talentiert, ambitioniert und strebt nach Höherem. Letzters wird ihm durch den neuen Verwalter der Gegend in Aussicht gestellt, wenn er dessen Aufträge zeitnah und zuverlässig erfüllt. Ein obrigkeitshöriger aber fähiger Söldner also, der vor allem auf seinen eigenen Vorteil aus ist und nur mit dieser Absicht handelt. Kein schlechter Charakter, aber auch kein Sympathieträger.
Nesh-Tilam – ist ein Adeliger und der neue Verwalter von Nogtehantis. Er möchte sich in seiner neuen Stellung beweisen, um daraufhin in der Karriereleiter aufzusteigen. Er ist zwar fähig und macht seine Sache eigentlich ganz gut, aber er hat eine Reihe unliebsamer Eigenschaften, die zwar zu einer solchen Figur gut passen, aber diese dann ebenfalls nicht zum Sympathieträger werden lassen. Außerdem bin ich der Meinung, dass dieser Figur letztlich viel zu viel Raum in der Geschichte gelassen wird. Als Nebencharakter würde er immer noch ganz gut dastehen.
Zarg-Nolesa – ist zu Beginn die Beraterin des Verwalters auf seiner langen Fahrt zu seiner neuen Wirkungsstätte. Sie ist ihm jedoch nicht unterstellt, sondern hat von einer Abteilung des Hohen Rates aus der Hauptstadt einen eigenen Auftrag erhalten, nämlich die Magie aufzuspüren. Auch sie macht ihre Sache gut, doch da sie stets ihr eigenes Süppchen kocht und man eigentlich nicht weiß woran man bei ihr ist, ist auch sie kein Sympathieträger.
Sardev Örhun – Sohn eines Freibauern und heißer Kandidat für den Helden der Geschichte und damit auch auf einen Sympathieträger. Zu Beginn deutet auch alles in der Geschichte darauf hin, da er alle passenden Eigenschaften zu besitzen scheint, die man als Held einer Geschichte benötigt. Dann allerdings geschieht die im Klappentext erwähnte Verschmelzung mit einem Wolf und im Folgendnen ist Sardev nur noch ein Handlanger und nicht mehr Herr seiner selbst und damit raus aus dem Spiel zum Helden der Geschichte.
Dies ist wirklich überaus schade, denn die Geschichte ist an sich nicht schlecht. Spätestens als die Magie mit ihrem Brodem die Existenz der Bevölkerung dieser Insel (zu der ich mir doch sehr eine Karte gewünscht habe) bedroht, könnte es spannend werden, aber wie soll es denn spannend werden, wenn im Prinzip dem Leser eh alle Charaktere egal sind. Um wen soll man dann fürchten? Mit wem mitfiebern? Höchstens noch mit der Flora und Fauna, die auch unter der Magie leidet, doch das ist keinem Fantasy-Buch würdig.
Sicher, dass Buch wird als Dark Fantasy und nicht als High Fantasy deklariert, dennoch finde ich braucht ein Buch einen oder mehrere echte Hauptcharaktere, mit denen sich der Leser identifizieren kann. Das ist hier leider nicht der Fall. Wie die Geschichte auf diese Weise durch das Lektorat gekommen ist, ist mir ein absolutes Rätsel. Hier hätte man viel mehr draus machen können. Ich bezweifle nun, dass ich noch einmal zu einem weiteren Buch des Autors greifen werde.

Fazit: Das Buch hat mich leider enttäuscht und die Lektüre hat mich einiges an Geduld gekostet. Zwar ist die Geschichte technisch gesehen nicht schlecht, doch sie hat einen entscheidenden Nachteil: Es fehlen sympathische Charaktere oder zumindest ein echter Held der Geschichte. Jede Figur kocht ihr eigenes Süppchen, die zufällig nur auf derselben Seite stehen, da ansonsten die Inselwelt und ihre Bewohner von der Magie vernichtet würden. Da kein einziger Held unter den Figuren mit Perspektive war, war mir der Ausgang eigentlich gleichgültig und dadurch kam leider auch keine Spannung auf. Schade, denn genug Potential hätte die Geschichte auf jeden Fall gehabt!

Buchdaten: Das blutende Land – Klaus N. Frick
Genre: Fantasy
Taschenbuch
544 Seiten
Knaur
Erschienen: 02. November 2017
ISBN: 978-3-426-52106-9
Preis: 12,99€

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Ein Kommentar

  1. Wolfram Winkler sagt:

    Müsste ich mir mal anschauen, denn da wir anscheinend einen kontroversen Geschmack haben, kann das Buch nur gut sein.

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