Brandon Sanderson – Elantris

Ein wirklich außergewöhnlicher Einzelroman

Diese Rezension bezieht sich auf die alte Auflage aus dem Heyne-Verlag, die inhaltlich mit der Neuauflage aus dem Piper-Verlag komplett übereinstimmt und ist daher eine Neuveröffentlichung mit anderen Daten meiner alten Rezension. Die Neuauflage unterscheidet sich lediglich in einem Punkt: Sie enthält als Bonusmaterial die Story „Hoffung für Elantris“.

Zum Inhalt: Einst war Elantris, die magische Stadt im Lande Arelon, ein Paradies, in dem die Götter wandelten. Aber dann wurde es von einem schrecklichen Fluch getroffen und die vormals blühende Stadt verwandelte sich in eine tödliche Falle für ihre Bewohner. Kronprinz Raoden, der in der gefallenen Stadt gefangen ist, muss gemeinsam mit der Königstochter Sarene das Geheimnis von Elantris ergründen …(Quelle)

Meine Meinung: Einst gab es eine Stadt der Götter – Elantris. Dorthin gingen die Menschen, aus denen die Shaod einen Elantrier gemacht hat. Elantrier können nicht nur eine auf Runen basierte Magie ausüben, nein, sie sind nahezu unsterblich und werden daher von den Menschen im Land als Götter verehrt, können sie doch Abfall zu Nahrung wandeln. Doch ein Ereignis führte dazu, dass die Stadt und seine Bewohner fielen. Fortan führten die Elantrier eine Art untotes Leben, war ihnen ihre Schönheit, die Gabe zur Magie und die Möglichkeit zu Sterben doch genommen worden. Da sie nicht heilen, werden sie aufgrund der nicht heilenden Wunden irgendwann schlichtweg wahnsinnig. Alle Menschen, die die Shaod nun ereilt, werden immer noch zu Elantriern, die in die nun verschlammte dreckige Stadt verbannt werden. So ereilt es auch den Königssohn Raoden, der kurz davor stand seine Verlobte, die ihn durch viele Briefe faszinierte, zu heiraten. Nun kam es so, dass als Sarene die Stadt Kae bei Elantris erreicht ihr Zukünftiger als tot gilt und sie laut Vertrag nun als seine Witwe gilt. Doch Raoden ist keines Wegs tot, er beginnt Elantris gehörig auf den Kopf zu stellen. Und Sarene, eine wirklich außergewöhnliche Frau macht sich auf, Raodens Platz im Königreich einzunehmen, denn der junge Thronfolger hatte große Pläne für sein Land, sollte sein Vater ableben. Doch im Nachbarreich schwingt sich eine Religion auf, alle Länder gewaltsam unter ihrem religiösen Führer zu einen und ein Bote – der Gyron Hrathen – hat bereits Kae erreicht. Seine Mission: Das Land zur Konversion zu bringen, um einen Genozid zu vermeiden. Ein politischer Kampf um die Herrschaft beginnt…

Vor langer Zeit, als ich mir das Buch in der ersten Auflage kaufte, habe ich in vielen Rezensionen auf Amazon gelesen, dass Elantris ein sehr gutes Buch sei, das über ein ebenso schlechtes Ende verfügen sollte. Eigentlich bin ich ein großer Freund der Sanderson’schen Werke und als ich das Buch letztlich las, freundete mich mit den herrlich gezeichneten Charakteren an, spielte alle politischen Intrigen mit, um dann immerfort zu bangen, dass das Ende mich letztendlich doch nur enttäuschen würde. Es ist zwar etwas widersinnig eine Rezension mit dem Ende des Buches zu beginnen, doch da es mir besonders am Herzen liegt, mache ich es dennoch: Das Ende ist alles andere als fürchterlich. Im Gegenteil: Für mein Befinden ist alles so, wie ich mir ein schönes, befriedigendes Finale in einem Fantasy-Buch vorstelle. Sicher zieht das Tempo gegen Ende im Gegensatz zur politischen Haupthandlung stark an, doch dies ist notwendig, möchte man Spannung und Action erzeugen. Die Kritik, dass sich manches zu einfach fügte, empfand ich auch nicht – alle Dinge werden schließlich plausibel erklärt und während des Buches lang und breit vorbereitet! Meine Befürchtung, dass wichtige Charaktere am Schluss sinnlos oder tragisch sterben oder die Handlung sich nicht vollständig oder widersinnig auflöst, haben sich nicht bewahrheitet. Stattdessen ist Elantris von vorn bis hinten ein wundervoller – und vollkommen in sich abgeschlossener – Fantasy Roman!

Nachdem ich den Prolog gelesen habe, war ich völlig verzaubert. Ich kenne zwar Sandersons Schreibstil, doch der Prolog hat mich von den Socken gerissen. Auch der Rest des Buches ließ sich hervorragend lesen, waren die Charaktere wirklich prima und plausibel gestaltet. Doch trotzdem war den Einstieg in das Buch nicht leicht, wurde der Leser sehr schnell mit sehr vielen Landes- und Völkernamen, sowie Sprachen und Religionen konfrontiert, so dass das Verständnis trotz Karte sehr schwer fiel. Dies liegt zum einen daran, dass die Karte nur ein kleiner Ausschnitt und damit unvollständig ist und zum anderen daran, dass zunächst alle drei Haupthandlungsstränge samt agierenden Personen eingeführt werden müssen. Da alle drei – Raoden, Sarene und Hrathen – einem vollständig anderen Kulturkreis entstammen, ist es schwer in die jeweilige Handlung hineinzukommen. Das gibt sich jedoch und die Handlung nimmt Fahrt auf, wobei sie – wie ich finde – eine enorme Intelligenz aufweist. Zu viel Fahrt nimmt sie allerdings auch nicht auf, denn die Handlungen sind durchweg sehr politisch, was an sich nichts schlechtes sein soll, macht das Lesen nur manchmal sehr zäh – vor allem im Handlungsstrang Hrathens. Dies ist auch das kleine Bisschen, das mich keine volle Punktzahl geben lässt, obwohl mich das Buch völlig überzeugt hat: Sanderson legt sein Augenmerkt und Schwerpunkt ein klein wenig zu sehr auf Politik und Intrigen und beackert sie wortwörtlich, was der Spannung etwas abträglich ist.

Ansonsten muss man dem Buch wirklich zu Gute halten, dass Sanderson hier neue Ideen zu Papier gebracht hat. Die einst göttliche und nun gefallene Stadt Elantris mit ihren Untoten Bewohnern ist weit ab von jeglichem Fantasy-Einheitsbrei, den man heutzutage oft vorgesetzt bekommt und kommt ohne klischeebehaftete Orks, Zwerge und Elfen – ganz zu schweigen von Werwölfen und Vampiren – aus. Elantris ist ein wirklich durch und durch hervorragender Fantasy-Roman und da es sich hierbei um Sanderons Erstling handelt, verzeihe ich ihm auch großzügig die noch nicht so ausgefeilt dargestellte intrigante Politik, wie er sie in seinen späteren Werken der Leserschaft präsentiert.

Fazit: Allen anderen Rezensionen zum Trotz hat mir das Ende des Buches sehr gut gefallen, erhält Elantris damit ein in sich abgeschlossenes und völlig befriedigendes Ende, da alle Handlungsstränge aufgeklärt und abgeschlossen sind. Zwar ist das Buch sehr politisch, hat aber hervorragend gestaltete Charaktere und eine brillante Idee, die dem Buch zu Grunde liegt. Sandersons Werke und damit auch Elantris gehören zu der besten Fantasy-Kost, die derzeit auf dem Mark erhältlich sind. Wann bitte erscheint das nächste Buch?!

Bewertung_09_hBuchdaten: Elantris – Brandon Sanderson
Originaltitel: Elantris
Genre: Fantasy
Broschiert
928 Seiten
Piper
Erschienen: 01. Februar 2018
ISBN: 978-3-492-28153-9
Preis: 15,00 €

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Wolfram Winkler sagt:

    Da bin ich anderer Meinung, die Erzählung wies zu viele unlogische Fragmente auf, die den Lesegenuss verhinderten. 3 Sterne.

    1. horrorbiene sagt:

      Was war denn unlogisch?

      1. Wolfram Winkler sagt:

        Da ich das Buch vor 2 Jahren gelesen habe, kann ich auf Anhieb nicht detailliert erklären, was daran so unlogisch war, es bezog sich auf jeden Fall auf grundsätzliche Sachen, wie z. B. die Rahmenhandlung mit den ewig Lebenden und nicht heilende Wunden. Ebenso die Albernheiten mit Sarene waren unterstes Niveau. Jedenfalls kann ich mich nur an laufend unlogische Aktionen erinnern, ich möchte auch nicht mehr darüber erzählen, das Kapitel ist für mich abgeschlossen.

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