Markus Heitz – Die Klinge des Schicksals

Ein neuer Heitz-High-Fantasy-Roman

Die Klinge des Schicksals ist ein in sich abgeschlossener Roman, der (fast) keine Querverbindungen zu Heitz‘ anderen Werken beinhaltet.

Zum Inhalt: Seit vor 150 Jahren der Wald in Yarkin begonnen hat, sich unaufhaltsam auszubreiten, sind die Menschen immer weniger geworden. Die letzten Überlebenden wurden auf eine Halbinsel zurückgedrängt. Immer wieder hat man Expeditionen ausgesandt, um ein Mittel gegen das Vordringen der Bäume zu finden – keine kehrte zurück. Bis die legendäre Kriegerin Danèstra auf Kalenia trifft, die eine schier unglaubliche Geschichte erzählt: von einer Siedlung im Wald und einem grausamen Überfall, der das wahre Böse offenbart habe; und von einer Verschwörung unter den Menschen, die nur sie, Kalenia, aufdecken könne. Sie bittet die Kriegerin um Hilfe. Doch kann Danèstra ihr wirklich trauen? (Quelle)

Meine Meinung: Ich liebe die Bücher von Markus Heitz und habe bis auf ein paar kleine Ausnahmen alle gelesen, daher konnte ich auch nicht lange warten und musste dieses sofort lesen. Meine Erwartungshaltung war entsprechend hoch, doch dieses Mal konnte mich Heitz nicht völlig überzeugen.
Die Hauptperson in diesem Roman ist eindeutig Danèstra, eine legendäre Kriegerin, die von allen nur „die Klinge des Schicksals“ genannt wird, da sie des Nachts, wenn es irgendwo jemanden gibt, der dringend Hilfe benötigt, zu diesem teleportiert wird. Woher diese Fähigkeit kommmt weiß niemand. „Legendär“ trifft es jedoch noch auf andere Weise. Denn zum einen ist sie schon etwas betagter, aber immer noch top in Form zum anderen gibt es auf der Halbinsel einen Autoren von Heftchenromanen, der sich auf ihre Geschichten spezialisiert hat. Danèstra wird eines Nachts zu einem Überfall geschickt, bei dem eine schwangere junge Frau offensichtlich Hilfe benötigt und die Geschichte nimmt ihren Lauf.
Zu Beginn hat mir das Buch sehr gut gefallen. Zwar benötigt man immer etwas Zeit um sich in einer neuen Fantasy-Welt zurecht zu finden, doch Heitz schreibt einfach zu gut, als dass es da Probleme geben könnte. So war ich schnell gefesselt von Danèstras neuester Mission. Doch schon recht bald habe ich mich gewundert, wie die Geschichte verläuft und mir fielen (von Heitz gewollte) Ungereimtheiten im Storyverlauf auf, die Danèstra noch nicht bemerkte. Ich empfand dieses Stilmittel bzw. die Art die Geschichte zu entwickeln als nicht besonders geschickt, denn dadurch war ich mir der Sympathien den Figuren gegenüber nicht mehr sicher und ich las praktisch den gesamten Mittelteil mit gerunzelter Stirn und wunderte mich, was das alles soll. Obwohl ich zwischendurch ernsthaft in Erwägung zog, das Buch deshalb zur Seite zu legen, habe ich weitergelesen und – natürlich – hat es sich aufgeklärt. Dennoch bleibt bei mir der Eindruck zurück, dass Heitz hier zu viel zu schnell wollte. Diese Geschichte wäre gut gewesen für einen zweiten Band, wenn schon klar gewesen wäre, wie die Figuren – allen voran natürlich Danèstra – ticken. Dann hätte man sich noch mehr gewundert und die Spannung wäre ungemein höher gewesen. Hier hat es bei mir nur Unwillen ausgelöst.
Im weiteren Verlauf hat die Geschichte nach dieser Enthüllung sehr an Tempo zugelegt und wieder muss ich etwas negativ anmerken, denn mir war es eindeutig zu schnell. Die neuesten Entwicklungen kamen Schlag auf Schlag. Entfernungen verloren völlig ihre Bedeutung und ich hatte den Eindruck, als müsste Heitz hier schnell fertig werden. Da das Buch „nur“ 570 Seiten lang ist, wäre da eindeutig noch etwas mehr Raum für ein etwas gedrosseltes Tempo gewesen.
Doch einen Kritikpunkt habe ich noch: Den eingangs erwähnten Autor, der hunderte von völlig frei erfundenen Heftchenromanen über Danèstra geschrieben hat, wird ähnlich wie ein Running Gag immer wieder mal erwähnt, ohne tatsächlich aufzutauchen. Das an sich ist weder nervig noch verwerflich, doch Heitz musste es dabei meiner Meinung nach völlig übertreiben und hat ihm vor jedem Kapitel etwas Raum gelassen. Heißt es wurden winzige Auszüge aus seinen Heften, Ausschnitte aus Interviews mit ihm oder Auflistungen von bereits erschienenen Hefttiteln abgedruckt. Dies ist viellicht anfangs noch  ganz witzig, doch da es die Geschichte nicht vorantreibt, sind die völlig überflüssig. Das Fass zum Überlaufen gebracht hat allerdings, dass Heitz diesen „Romantiker“ nach sich selbst benannt hat (Mahetian). Entschuldigung, aber bei einer solchen Selbstbeweihräucherung stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Dieser ganze Komplex mit dem fiktiven Autor ist so blöd, dass ich mich da schon fremdschämen muss.
Im Grunde hat mir das Buch gut gefallen, denn Heitz kann schreiben – ohne Frage. Aber seit dem abstrusen Ende vom zweiten Band von Wedora, frage ich mich, ob Heitz nicht etwas zu selbstverliebt geworden ist. Ich habe nämlich das Gefühl, dass mit etwas mehr Zeit, Geduld und etwas mehr Weitsicht dies ein grandioses Buch hätte sein können und nicht nur ein gutes. Mir geht vor allem auch auf den Wecker, dass Heitz immer wieder vermeitliche Einzelbände produziert, die dann doch irgendwie und irgendwann weiter gehen. Das kann auf Dauer nur auf Kosten der Qualität gehen. Ehrlich gesagt, würde ich mir wünschen, Heitz würde mal wieder Fanatsy des Kalibers Ulldart schreiben. Eine klassische High-Fantasy-Reihe und nicht immer diesen Hickhack.

Fazit: Dieser Fantasy-Roman von Heitz hat mich gut unterhalten,  doch meine Erwartungen hat er nicht völlig erfüllen können, da gerade der Aufbau des Mittelteils mir nicht gepasst hat. Insgesamt macht das Buch auf mich den Eindruck, als wollte Heitz zu viele Ideen in einem Buch verwursten und hat sich nicht ausreichend Zeit für die Ausarbeitung gelassen, was man leider auch am letzten Teil des Buches merkt, der vom Tempo her viel zu hoch ist. Dennoch ist es ein gutes Buch – kein überragendes, aber ein gutes.

Buchdaten: Die Klinge des Schicksals – Markus Heitz
Genre: Fantasy
Broschiert
576 Seiten
Knaur
Erschienen: 01. März 2018
ISBN: 978-3-426-65448-4
Preis: 16,99€

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nanni sagt:

    Hey,

    ich bin mir auch nicht sicher, ob man als AutorIn wirklich in der Lage ist so viele Bücher (in so kurzer Zeit) in gleichbleibender Qualität zu schreiben oder ob dann nicht doch irgendwas auf der Strecke bleibt. In der Fantasy ist für mich ja Hohlbein das beste Beispiel, dass es irgendwann nur noch Masse statt Klasse heißt.
    Trotzdem werde ich auch diesen Heitz Roman lesen. Geht ja nicht, dass der nicht mit im Regal steht. Aber vorher ist erst noch der zweite Teil von Wedora an der Reihe 🙂

    Liebe Grüße
    Nanni

    (P.S.: Ich bin froh, dass du auch bald wieder auf Instagram vertreten bist. Ich vermisse unseren (Fantasy) Austausch dort. Und ich hoffe es geht dir gut :))

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